K21 verleiht Julia Phillips den Global Art Award von Düsseldorf

Nur kein Neid, werte Talente in Stadt und Land! Der K21 Global Art Award, mit 100.000 Euro einer der weltweit höchstdotierten Preise für junge Gegenwartskunst, wird zwar, mit Hilfe betuchter Mäzene, in Düsseldorf verliehen, aber nicht an die üblichen Verdächtigen aus der heimischen Szene. Direktorin Susanne Gaensheimer und die Freunde des Hauses unter Leitung von Leopold Freiherr von Diergardt legen Wert auf eine „globale Ausrichtung“. Nach einer Südafrikanerin, einem Chinesen und einer Brasilianerin ist es nun eine Deutsch-Amerikanerin aus New York, die sich über den fetten Preis freuen kann: Julia Phillips.

Im Düsseldorfer Ständehaus wird alljährlich einer der weltweit höchstdotierten Preise für aktuelle Kunst verliehen: der K21 Global Art Award. Foto: bikö
Vor der hiesigen Presse erscheint Julia Phillips nicht, man verweist auf einen Talk mit dem in London sitzenden, internationalen Kunstmagazin „frieze“, Medienpartner des Preises. Grenzenloses Networking gehört zum Business. Sammlungsleiterin und Kuratorin Vivien Trommer verrät immerhin, dass die 1985 geborene Künstlerin, die zunächst in ihrer Heimatstadt Hamburg studierte, in Deutschland „nicht ihr intellektuelles Zuhause gefunden hat“. Nach einem Master in Fine Arts an der Columbia University und einer Förderung durch das Study Program des Whitney Museums lebt, lehrt und arbeitet Philipps heute in Chicago.
Sehr subtil
Die Installation, die sie dem Düsseldorfer Publikum präsentiert (und die als Ankauf in die Sammlung eingeht), ist, im Gegensatz zu den Regenbögen, Schmetterlingen und Küsschen der Vorjahrespreisträgerin Tadáskia aus Rio (siehe Bericht vom 9. Oktober 2025), von äußerst subtiler Art. Man sieht nur vier kleine Objekte aus Keramik an Stahlständern im Phillips-Raum in der dritten Etage des K21. Das Ganze hat, verspricht die Künstlerin, eine „metaphysische Dimension“. Und auf jeden Fall einen sehr komplizierten Titel: „Oppressor with Soul, In Treatment & Suppressor with Spirit, In Treatment“, entstanden 2020, zu Beginn der Pandemie.

Geistreiche Kunst: Kuratorin und Sammlungsleiterin Vivien Trommer (rechts), erklärt das Keramikobjekt „Spirit“ von Julia Phillips. Foto: bikö
Schauen wir mal genauer hin: Der „Oppressor“ (Unterdrücker) ist die keramische Nachformung von Schultern, Nacken und Hinterkopf der Künstlerin in einer nach unten gebeugten Position – als sähe die Figur herab auf andere und/oder würde von oben bedrängt. Der „Suppressor“ hält den hohlen Kopf nach oben gerichtet, himmelwärts, als wolle er den Tatsachen nicht ins Auge sehen. Beide Keramiken sind kunstvoll an Stahlstangen befestigt und schweben so über „Soul“ (Seele) und „Spirit“ (Geist), zwei frei geformten, leuchtend rot und orange glasierten Keramikobjekten, die auf Stahlschalen liegen und geheimnisvollen Blüten ähneln. Es sollen aber „imaginierte Organe“ sein – in „treatment“ (Behandlung).
Erste Liga
Aus der Nähe erkennt man feine Narben: Spuren von Verletzungen. „Die Arbeit fragt danach, wie sich Macht und Unterdrückung … auch im Körper und in der eigenen Wahrnehmung einschreiben“, erklärt der Pressetext. Die Kunst selbst erklärt das eher nicht. Aber man betrachtet die schönen, brüchigen Keramiken durchaus mit Interesse. Der Global Art Award verlangt kein bestimmtes ästhetisches Konzept, die bisherigen Preisträger*innen haben ganz verschiedene Ansätze. Hauptsache weltoffen.

Komplizierter Titel, zarte Objekte: „Oppression with Soul, In Treatment & Suppressor with Spirit, In Treatment“ von Julia Phillips im K21. Foto: bikö
Vorgeschlagen werden die Kandidaten jeweils von einer internationalen Nominierungsjury. Neben Doryun Chong aus Hongkong, dem ägyptisch-britischen Kurator Omar Kholeif von der Sharjah Art Foundation (Vereinigte Arabische Emirate) und Jochen Volz von der Pinacoteca de Sāo Paulo war zum ersten Mal Naomi Beckwith dabei, Chefkuratorin im New Yorker Guggenheim Museum und künstlerische Leiterin der nächsten Documenta 2027 in Kassel. Erste Liga in Kuratorenkreisen. Unter acht Nominierten hat das Komitee des K21 schließlich eine Wahl getroffen. Und: „The winner is“, wie es draußen auf dem Plakat steht: Julia Phillips.
Was, wann und wo?
Die Installation von Global-Art-Preisträgerin Julia Phillips ist in der dritten Etage der Sammlungsräume im K21, Ständehausstr. 1, zu finden. Das Haus ist geöffnet Di.-So. 11 bis 18 Uhr. www.kunstsammlung.de