Düsseldorf Himmelgeist: Die Nachwuchs-Philatelisten der Grundschule Steinkaul

Im Zeitalter von Handy und Internet scheint die Post mit Briefmarken oder die früher traditionelle Urlaubspostkarte auszusterben. Für viele Grundschüler ist eine Briefmarke ähnlich fremd wie eine Telefonzelle oder ein Plattenspieler. Nicht so an der Grundschule Steinkaul im Himmelgeist. Denn hier gibt es im Rahmen der OGS eine Briefmarken AG, die von den Briefmarkenfreunden Düsseldorf betreut wird.
Seit drei Jahren engagieren sich Marion Abshof de Cals und Ulrich Klaass, um die Kinder für Briefmarken zu begeistern.Viele der Kinder haben festgestellt, dass man über das Hobby Briefmarkensammeln einen Blick in die weite Welt werfen kann und das Briefmarken eine lange Geschichte haben. Am 1. Mai 1840 wurde die erste offizielle Briefmarke der Welt, in Großbritannien herausgegeben. Deutschland folgte am 1. November 1849. Seitdem es Briefmarken gibt, werden sie gesammelt und besonders interessant sind außergewöhnlich Marken.

Doktor Winfried Steiling bei seinem Vortrag, Foto: Ulrich Klaass
Zum Abschluß des Schuljahres hatten die Briefmarkenfreunde den Vortrag “Wie werden Briefmarken modern” organisiert und dazu Doktor Winfried Steiling, den stellvertretender Vorsitzenden des Erkrather Vereins „Zackige Neandertaler“, eingeladen. Nicht nur der Vereinsname weckte das Interesse der Grundschüler*innen, auch die Schilderungen, wie die Briefmarken immer weiterentwickelt wurden, fanden Anklang.
So erfuhren die Kinder, dass alle Briefmarken eine sogenannte Michel-Nummer (Mi-Nr) haben, mit denen sie eindeutig innerhalb des im Michel-Katalog gelisteten Sammelgebiets identifiziert werden können. Beispielsweise hat die Briefmarke, die anlässlich der Eröffnung des ersten Deutschen Bundestages 1949 herausgegeben wurde, die Mi-Nr. 111. Sie war noch einfarbig, erst später wurden die Marken bunt und erhielten andere Besonderheiten wie zusammengedruckte Markenhefte, Bögen mit Zierrand, teilgeschnittene Marken, selbstklebende und gestanzte Marken.
Spannend fanden die Kinder, dass es auch Briefmarken gab, die in der Gummierung Aroma enthielten, das man beim Anlecken schmecken konnte. Da war das Pfefferminzaroma bei der Briefmarke zum 150. Geburtstag von Adelbert Stifter im Jahr 1955 oder der bei der Reibung der Markenoberfläche sich freisetzende Obstgeruch nach Erdbeeren, Zitronen etc. bei der Serie der Wohlfahrtsmarken „Obst“ im Jahr 2010. Es gab auch Marken mit Holographie oder mit Blindenschrift.
Im Jahr 2021 wurden die ersten deutschen Marken mit Matrix Code produziert und damit der digitale Wandel eingeleitet. Der Matrixcode macht die Briefmarken fälschungssicherer, ermöglicht eine digitale Sendungsverfolgung und dient der automatisierten Bearbeitung. Das eröffnete außerdem eine ganz neue Möglichkeit. So gab es Weihnachten 2024 eine Briefmarke, die auf den ersten Blick ganz normal aussah und das Motiv „Aus der Weihnachtsbäckerei“ von Rolf Zuckowski zeigte. In Zusammenarbeit mit der Spielwarenfirma Ravensburger und deren interaktive tiptoi® Stift konnte die Marke zum Klingen gebracht werden und eine Liedzeile war zu hören. Das setzte sich 2026 fort, denn auch die SpongeBob Schwammkopf Marke erklingt, wenn man den Stift daran hält.

Mit dem tiptoi-Stift können Töne erzeugt werden, Foto: Ravenburger Verlag GmbH
Das hatten die Kinder noch nie gesehen, beziehungsweise gehört. Die Freude der Kinder an dem Vortrag und das Interesse an Briefmarken hat die Briefmarkenfreunde Düsseldorf in ihrem Engagement bestätigt, in die „Next Generation“ der Philatelisten zu investieren. Zum Abschied erhielt jeder Kind ein kleines Briefmarkengeschenk.
Die Briefmarkenfreunde auf der Büchermeile
Wer sich für das Thema Briefmarken interessiert, kann die Briefmarkenfreunde Düsseldorf am Wochenende, 11.und 12. Juli, auf der Rheinpromenade zwischen „Schlossturm“ und „Alten Hafen“ bei der Düsseldorfer Büchermeile antreffen. Sie werben an einem eigenen Stand für das Briefmarkensammeln und führen die Aktion „Male Dir Deine Briefmarke“ durch. Weitere Informationen zu Büchermeile und dem Verein gibt es hier.