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Home›Kultur›Geliebtes Sammelsurium: „Die Große“ im und am Düsseldorfer Kunstpalast

Geliebtes Sammelsurium: „Die Große“ im und am Düsseldorfer Kunstpalast

Von Birgit Koelgen
3. Juli 2026
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Es ist wieder soweit: „Die Große“ gastiert für vier Wochen im Düsseldorfer Kunstpalast. Vorne im Bild: eine Außenskulptur von Samuel Treindl. Foto: bikö

Markanter Charakter? Nö. Berühmte Namen? Naja. Diese Ausstellung hat nicht mal ein Thema. Nur sehr viel Kunst der verschiedenen Art. „Die Große“ halt. Eine Marke für sich. Das vor 124 Jahren vom Verein der Düsseldorfer Künstler begründete, beim Publikum beliebte Sammelsurium aus den Bereichen Malerei, Skulptur und Fotografie verwandelt den Ehrenhof alljährlich in einen Markt der Möglichkeiten für Künstler*innen aus Düsseldorf und Umgebung. Rund 1500 hoffnungsvolle Kandidaten, mehr denn je, hatten sich diesmal beworben. 166 wurden von der Jury ausgesucht und zeigen nun vier Wochen lang über 300 Werke im Kunstpalast und im NRW-Forum.

Voilà! Emmanuel Mir, der Chef der „Großen“, erklärt sein Konzept vor einer Wand mit dem „Kleinen Format“. Foto: bikö

300 Werke ohne Zusammenhalt? Das könnte ein ermüdendes Durcheinander sein. Aber der Kurator sorgt für Freude und Inspiration. Emmanuel Mir, promovierter Kunstwissenschaftler und seit 2024 Chef der „Großen“, versteht eine Menge von Ästhetik und sinnvoller Ordnung. Er stellte die Werke so zusammen, dass sich die Positionen ergänzen und Atmosphäre schaffen. Es beginnt im Erdgeschoss des Palastes mit einem Fest des Erkennbaren.

Keine Angst vor großen Tieren hat Kunstpreisträger Bart Koning – zwischen seinem „Rhinozeros“ und einigen kleinen Stillleben. Foto: bikö

Hyperrealistische Malerei und malerisch orientierte Fotografie vertragen sich vortrefflich. Gleich vorne: eine wahre Wucht, das drei Meter breite „Rhinozeros“ des in Krefeld lebenden Malers Bart Koning. Der 1957 in Amsterdam geborene Meister der feinen Beobachtung bekommt den diesjährigen Kunstpreis der Künstler.

Nashorn und Sushi

Als junger Mann arbeitete Koning wild und gestisch. Jetzt setzt er ganz akkurat einen winzigen Singvogel zwischen die Ohren seines Nashorns. Ein verschrammtes Spielzeugmodell des „Ford Prefect“ wird ihm zum Sujet eines fast vier Meter breiten Monumentalgemäldes. Eine Reihe monströs wirkender Äffchen – aus einer Sammlung historischer Tierpräparate – hat er mit feinen Sonntagskleidern ausgestattet. Subversiver Humor ist typisch für das Werk des eigenwilligen Künstlers. Man möchte gleich mal eine große Ausstellung von ihm sehen.

Das Auge isst mit: Marco Reifenrath lieferte die Gemälde „Oktoberfest“ und „Sushi“. Foto: bikö

Andere Künstler haben einen ähnlich scharfen Blick für die Dinge. Der gebürtige Westfale Marco Reifenrath (44) konzentriert sich ganz auf das Thema Essen, malt auf Holz eine Platte „Sushi“ und salzige Brezeln am Bierkrug: „Oktoberfest“. Die Koreanerin Hye Pak geht in den Raum. Sie hat eine hängende Säule aus miteinander verbundenen Silikonmasken geschaffen – lauter gleiche, undurchschaubare Gesichter mit silbernen Augen und verschlossenen Mündern. Halb schön, halb gruselig.

Blicke austauschen: Eine Journalistin begutachtet das hängende Objekt „Eye Wall“ der Koreanerin Hye Pak. Foto: bikö

Innere Bezirke

Ins Konzept des Saals passen auch die Nachtbilder des diesjährigen Förderpreisträgers Max van Dorsten. Der junge Mann hat an der Münsteraner Akademie bei dem großen Maler Cornelius Völker studiert, die Fotografie zunächst als Vorlage gebraucht, dann aber als eigene Kunstform entdeckt. Seine geheimnisvollen Szenerien mit kaum beleuchteten Hausecken, Straßen oder Gebüschen unter einem dunklen Himmel sind digitale Collagen aus mehreren Aufnahmen. Und wirken wie Malerei. Ähnliches gilt auch für die Spiegelungen aus der Serie „Innere Bezirke“ des Kölner Architekten und Fotografen Michael Haus.

Mag geheimnisvolle Nachtszenen: Förderpreisträger Max van Dorsten zwischen Fotoarbeiten ohne Titel. Foto: bikö

Aber es ist nicht alles gleich. Immer wieder setzt Emmanuel Mir überraschende Akzente, indem er zum Beispiel eine zweieinhalb Meter hohe Plastik aus rau anmutenden Keramikbalken mitten in den Raum stellt: David Rauers „Systemabschnitt“. Wer mehr sehen will, muss zwei Etagen höher steigen ins obere Geschoss, wo Mir, wie er sagt, „ein bisschen Zen“ verbreitet. Das gelingt mit „Platon’s Mirror“, einem schimmernden Alu-Druck von Mischa Kuball, genauso wie mit zwei großen, beidhändig geschaffenen Kohle-Zeichnungen von Claudia Maas oder mit Christine Reifenbergers schwerelosen Objekten aus bemaltem, in Form gedrücktem Papier („Kupfer fließt“).

Im zweiten Stock wird’s subtil. Da hängen auch die zwei großen abstrakten Handzeichnungen von Claudia Maas. Foto: bikö

Pause im Pong

Auf dem Weg zum zweiten Ausstellungsort, dem NRW-Forum, offenbart sich eine Schwäche der Schau: Es gibt – wie es heißt, aus Versicherungsgründen – nur drei Arbeiten im Außenbereich. Ivo Kiefers Acrylfahnen im dicht belaubten Baum sind kaum zu erkennen. Auch die Plakate und Fahnen der „Großen“ mit einem allzu nüchternen weißen G auf grauem Grund haben keinen Reklamewert. Verschenkte Möglichkeiten. Immerhin dürfen die roten Holzformen namens „raumpiraten“, die Dorothee Bielfeld auf die Wiese gesetzt hat, als spielerisches Element und Kletterdings benutzt werden.

Auch im NRW-Forum zeigt sich „Die Große“. Die Holzformen auf der Wiese sind eine bespielbare Skulptur von Dorothee Bielfeld: „raumpiraten“. Foto: bikö

Keine Zeit zum Kunst-Turnen. Es ist noch viel zu sehen im zweiten Teil der Schau. Zur Stärkung empfiehlt es sich, zwischendurch im hauseigenen Café Pong ein leckeres Stück Käsekuchen zu essen. Oder Salat, wenn’s gesund sein soll. Und dann weiter! In der Saalflucht zur Rechten gibt es etliche beeindruckende Großformate. Gleich am Eingang hängt eine unbetitelte abstrakte Komposition aus Silber und Pink, die der Düsseldorfer Akademie-Absolvent Timofej Kratz mit Sprühlack auf eine drei Meter hohe Leinwand gesetzt hat.

Großformatige Gemälde prägen die Schau im NRW-Forum. Im Bild: eine abstrakte Komposition aus Sprühlack von Timofej Kratz. Foto: bikö

Fliehende Formen

Vorbei an einer Bildergalerie, wo nicht nur die surrealistische Mischkomposition „Mother Nature“ von Simone Lucas einen genauen Blick wert ist, führt der lange Flur in den hinteren Raum, der wie eine Kapelle für zarte Erscheinungen wirkt. „Farben sind fliehende Formen“ verspricht der Titel von schillernden Reliefs, die Freddie Michael Soethout aus Glas, Silikon und Pigmenten gezaubert hat.

„Farben sind fliehende Formen“: So nannte Freddie Michael Soethout seine gläsernen Reliefbilder, die sich im Vorübergehen subtil verändern. Foto: bikö

Kobaltblau leuchtet ein Extra-Saal, wo Studierende der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft aus Alfter bei Bonn ihre Kunst präsentieren dürfen – mit Gefühl für Witz und Poesie. Manuel Schlembach würdigt die Hausarbeit seiner Mutter mit einem riesigen textilen Raumobjekt, das ein aufgestelltes Bügeleisen in eine Art Portal verwandelt. Gleich daneben: die schattenhaften Papierschnitte von Elisa Gabelli.

Studierende der Alanus Hochschule für Kunst und Gestaltung: Manuel Schlembach mit einer Textilarbeit und Elisa Gabelli mit Papierschnitten. Foto: bikö

Im linken Teil des Forums wollte Emmanuel Mir eigentlich einen Skulpturenpark einrichten. Das erwies sich allerdings als allzu dicht gedrängt. Die Skulpturen wurden jetzt locker in der ganzen „Großen“ verteilt, überall ist Luft zum Atmen und Schauen. Schon von Weitem lockt ein riesiges Wimmelbild von Lara Werth, die ihre furiose „Abfahrt/110“ mit Tusche, Edding, Öl- und Wachsstiften malte.

Ganz genau hinsehen: Ein kunstvolles Wimmelbild ist die große Landschaft („Abfahrt“) die Lara Werth mit Tusche, Edding, Öl- und Wachsstiften gemalt hat. Foto: bikö

Nebenan steht die Installation „camera tremens“ von Ralf Werner. Nach einer Skizze des tschechischen Architekten Pawel Janák (1882-1956) baute Werner eine Raumskulptur inklusive geknickter Wand, gemustertem Teppich sowie einem kubistisch geformten Schreibtisch nebst Stuhl. Mit einem Preis von 60 000 Euro das teuerste Stück der Schau. Aber wie immer gibt es genug Angebote für den schmaleren Geldbeutel: Unter hunderten von „Kleinen Formaten“ und Sondereditionen im Preis bis 1000 Euro findet jeder sein Lieblingsstück für zuhause.

Das teuerste Stück: die Installation „camera tremens“ von Ralf Werner, geschaffen nach einer kubistischen Skizze von Pawel Janák. Foto: bikö

Was, wann und wo?

„Die Große“ im Düsseldorfer Kunstpalast und im NRW-Forum am Ehrenhof wird am Samstag, 4. Juli, von 18 bis 22 Uhr eröffnet. Laufzeit bis 9. August, Di.- So. 11 bis 18 Uhr, Do. bis 21 Uhr. Der Eintritt kostet 16 Euro und gilt auch für die Sammlung und die laufende Ausstellung („Monet, Cézanne, Matisse“) des Kunstpalastes. Den Katalog gibt es für 10 Euro. Begleitprogramm: „Die Große Matinée“ mit Talks, Lesung, Musik immer sonntags um 11.55 Uhr, die „Große Soirée“ mit Performances und experimenteller Musik immer donnerstags von 18 bis 21 Uhr. www.diegrosse.de

Aus Malerei wird Skulptur: Von Christine Reifenberger sind die Papierobjekte mit dem Titel „Kupfer fließt“. Foto: bikö

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