„HörBus Nahost“ startet bundesweite Schultour in Düsseldorf

Der Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 führte zu einem Krieg, der bis heute nicht befriedet ist. Morde und Geiselnahmen seitens der Hamas sowie Gegenmaßnahmen der Israelis, die viele Tote und humanitäres Leid der Menschen im Gazastreifen nach sich zogen, spalten die Menschen weltweit. Auch in Düsseldorf gab es zahlreiche Demonstrationen.

Dora von Soosten und Mutlu Yolaşan konzipierten die Ausstelung für die Schüler*innen der Gesamtschule Nordstadt in Neuss
An den Schulen ist das Thema emotional beladen. Menschen jüdischen Glaubens fühlen sich bedroht, wer Angehörige im Gazastreifen hat, sieht das Leid in dieser Region. Was meistens fehlt sind konkrete Informationen und die Möglichkeit des sachlichen Austauschs. Das erkannten die Lehrkräfte Dora von Soosten und Mutlu Yolaşan an der Gesamtschule Nordstadt Neuss. Deshalb begannen sie Interviews mit Menschen aus Israel, Palästina und Deutschland zu führen, die dabei ihre Situation oder Eindrücke schildern. Um einen Zugang aus verschiedenen Blickwinkeln zu diesem sensiblen Thema zu schaffen, ergänzten sie die Interviews mit verschiedenen Materialien. Ziel war es einen geschützten Raum für Friedenserziehung und Demokratiebildung zu bieten.

Überall im Doppeldeckerbus gibt es Eindrücke
Dies gelang und zwar so erfolgreich, dass das Projekt „Hörbar – Stimmen zum Nahostkonflikt“ mit dem fair@school-Preis 2025 des Cornelsen Verlags in Kooperation mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ausgezeichnet wurde. In Kooperation mit der Gesellschaft im Wandel gGmbH wurde die multimediale Ausstellung „Hörbar Nahost“ in einen Doppeldeckerbus gepackt. Der „HörBus“ tourte im vergangenen Jahr über einen Monat als Pilotphase zu verschiedenen Schulen. Die Möglichkeit, sich mit verschiedenen Perspektiven zum Nahostkonflikt auseinanderzusetzen, kam so gut an, dass nun eine längere Tour durch viele Städte und Bundesländer gestartet ist.

Über Kopfhörer können die Videos gehört werden
Auftakt war am Montag (1.6.) in Düsseldorf am Walter-Eucken-Berufskolleg an der Suitbertusstraße. Drei Klassen hatten jeweils 90 Minuten Zeit an verschiedenen Stationen im Bus interaktive Elemente, Audio- und Videoaufnahmen zu erleben. 17 Menschen wurden interviewt, darunter Yonatan Zeigen und Maoz Inon, die beide Angehörige am 7. Oktober verloren haben, sich aber trotzdem für den Frieden zwischen Israelis und Palästinenser*innen einsetzen. Oder Alice Kisiya, der radikale Siedler ihr Haus in der Nähe von Bethlehem wegnahmen. Oder Hanady Hathaleen, deren Ehemann getötet wurde und die einen Blog über das Leben unter Besatzung schreibt. Im Bus gibt es neben den Interviews viele weitere Materialien, beispielsweise einen QR-Code zu einer Playlist mit Liedern, die auch die Interviewten hören.

Die Stationen sind individuell entsprechend der Interviewten gestaltet
Während die Schüler*innen einige der Stationen durchlaufen, geht es darum Empathie, Austausch und Reflexion zu entwickeln. Die verschiedenen Seiten und Perspektiven werden von Betroffenen vermittelt. Die Auseinandersetzung damit lässt auch Emotionen aufkommen. Wenn Juden schildern, dass sie sich nicht trauen ihre Religion in Deutschland offen zu zeigen, zieht beispielsweise ein Jugendlicher aus Russland die Parallele – denn sich als Russe zu bekennen kann auch negative Reaktionen auslösen.
Begleitet werden die Schulklassen dabei von geschulten Pat*innen mit biografischen Bezügen zu Israel und Palästina. Sie gestalten auch die abschließende Gesprächsrunde.
„Mit dem HörBus bringen wir multiperspektivische politische Bildungsarbeit zu Palästina und Israel direkt auf Schulhöfe. Der alte Doppeldeckerbus schafft dabei einen besonderen Raum für Begegnung, Reflexion und differenzierte Gespräche“, sagt Shai Hoffmann, Geschäftsführer der Gesellschaft im Wandel gGmbH.

Neben den Interviews gibt es zahlreiche weitere Eindrücke
Bis zu den Sommerferien ist der HörBus noch an verschiedenen Orten in NRW, unter anderem in Köln, Wuppertal, Essen und weiteren Städten, unterwegs. Anschließend geht es bis Dezember nach Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hessen, Sachsen-Anhalt und endet in Berlin. Der Andrang auf das Projekt ist groß – die Warteliste für die aktuelle Tour umfasst bereits mehr als 130 Schulen.
Der HörBus Nahost wird von der Gesellschaft im Wandel gGmbH durchgeführt und im Rahmen der Deutschen Islam Konferenz durch das Bundesministerium des Innern gefördert.