Es blüht wieder im Kunstpalast Düsseldorf

Ja, die Sammlung kennen wir schon. Von den Madonnen des Mittelalters bis zum Licht von Zero haben wir Düsseldorfs Kunstschätze ausführlich betrachtet und gewürdigt. Das Interesse könnte erlahmen. Doch Felix Krämer, der etwas andere Generaldirektor von Düsseldorfs beliebtestem Museum, hat so seine Lockmittel. Kaum sind die Gerüche des Duft-Rundgangs verflogen, da freut sich das Publikum über das „Palastblühen“. Schon zum dritten Mal verwandeln Florist*innen die Säle der Sammlung mit Blumen, Zweiglein, Gräsern in ein frühlingshaftes Erlebnis.

Wie ein zarter Wald erscheint „Ein stiller Widerstand gegen Tempus“ von Kristina-Jent Schacke. Foto: bikö
Dabei werden nicht einfach Vasen mit Rosen, Tulpen und Narzissen aufgestellt. Wäre auch hübsch, aber wir sind ja nicht im heimischen Wohnzimmer. Die acht Floristen-Teams versuchen hier die ganz große Kür und schaffen, so der Prospekt, „florale Interpretationen passend zu den Räumen oder zu einzelnen Werken“. Als „Himmelsgarten“ lässt Tino Hoogterp aus dem Blumenhaus am Hofgarten 100 Vanda-Orchideen an kaum sichtbaren Fäden im Gil-Bronner Saal schweben. Schließlich hängt dort ein Hauptwerk des Hauses: „Die Himmelfahrt Mariens“ von Rubens.

Einen „Himmelsgarten“ aus Orchideen lässt der Florist Tino Hoogterp vor der „Himmelfahrt Mariens“ von Rubens schweben. Foto: bikö
Stille Dinge
Eine Art Andacht entsteht wie von selbst, leicht gestört von den heutzutage unvermeidlichen Smartphone-Einsätzen. Instagram ist überall – auch bei ganz bodenständigen Werken. Vor Max Liebermanns „Kartoffelernte“ hat Janina Rüger saisonale Zwiebelgewächse, Frühlingsblüher, Gräser und natürlich Kartoffeln in Kisten und Körben arrangiert. Aber da sind wir schon mitten drin. Der Rundgang startet mit einer „Stillen Reflexion“ aus Garten-Fuchsschwanz, Ochideen und Hortensien, die Floristmeister Victor Breuer hinter dem geheimnisvollen Monumentaltor im Saal der spirituellen alten Kunst eingerichtet hat.

Bodenständig: Zur „Kartoffelernte“ von Max Liebermann (1875) hat Janina Rüger eine „Ernte im Aprillicht“ arrangiert. Foto: bikö
Die Arbeit mit Blumen stimmt eben philosophisch. Wenn schönste Blüten rasch verwelken, drängt sich jedem der Gedanke an Vergänglichkeit auf. Auch das „Palastblühen“ kann nur ein paar Tage dauern, im Laufe der nächsten Woche wird die Pracht langsam schwinden. Da nützt auch nichts „Ein stiller Widerstand gegen Tempus“, den Kristina-Janet Schacke mit Herkulesstauden, Quitten, Ranken und Sträuchern vor einem Wandteppich aus dem 17. Jahrhundert in Kästen gesteckt hat wie einen zarten Wald.
Baum des Lebens

Floristin Luisa König erklärt Besuchern ihren „Baum des Lebens“ vor dem alten Flügelaltar. Foto: bikö
Unverdrossen drapierte ihre Kollegin Luisa König vor einem Flügelaltar einen „Baum des Lebens“ – aus Rittersporn, Löwenmäulchen, blühenden Zweigen und einem seidigen Tuch. Ein paar Säle weiter sinniert Victoria Bernds (Blumenbinderei Lehmann) mit Anemomen, Ranunkeln und Callas über „Schwermut, Sehnsucht und Hoffnung“, jene Gefühle, die „Iphigenie“ seit 1875 auf einem Anselm Feuerbach ausstrahlt. Es ist inspirierend – wie Tino Hoogterps „Stille Kraft“ aus weißen Blumen vor einem 1894 entstandenen Mädchenbildnis von Arthur Kampf. Herzzerreißend schön.

„Stille Kraft“ soll Tino Hoogterps Arrangement von weißen Blüten vor dem 1894 entstandenen Kinderbildnis ausdrücken. Foto: bikö
Aber die Flora kann auch ganz anders. In der modernen Abteilung findet sich manch herbes Arrangement – wie Nina Gehrkes Mobilé „Bewegung“ aus Eukalyptus und Strelitzien und Gräsern vor Daniel Weissbachs Kachelbild „Stelle #2“ von 2010. Passend zur Abteilung „Radikale Reduktion“ hat Michael Frings (von der Tannendiele) zahlreiche nicht duftende, weißliche Edelrosen mit kahlen Stielen in Steinbecken auf einem rostigen Gestell gesteckt. Ganz nackt, ohne süßliche Ergänzung.

Moderne Nüchternheit: das Blumenmobilé „Bewegung“ von Nina Gehrke vor Daniel Weissbachs „Stelle #2“. Foto: bikö
Käfer im Grünen

Vor dem „Kleinen Urwald“ des Zero-Künstlers Heinz Mack hat Alla Mandic eine „Explosion im Grünen“ inszeniert. Foto: bikö
Geradezu üppig wirkt dagegen die „Explosion im Grünen“ mit Monstera, Ficusblättern und Nelken, die Alla Mandic vor Heinz Macks glitzerndem Wandobjekt „Kleiner Urwald“ inszeniert hat. Und dann kommt noch ein Clou für die Handy-Fotografen: „Im Aufbruch“ hat Dominik Zelles für den VW-Käfer aus den 1950er-Jahren ein geschwungenes Blumenfeld angelegt. Mit Tulpen, Ranunkeln und Ginster. Es ist eine Freude.

Einen ganzen Blumengarten hat Dominik Zelles rund um den VW-Käfer aus den 1950er-Jahren angelegt: „Im Aufbruch“. Foto: bikö
Was, wann und wo?
Das „Palastblühen“ im Düsseldorfer Kunstpalast, Ehrenhof 4-5, ist bis zum 26. April zu sehen. Unter der Projektleitung von Lena Spoo haben acht Düsseldorfer Floristen-Teams fast 30 Sammlungsräume mit ihren Kreationen ausgestattet und reagieren damit auf die ausgestellten Werke. Während der Laufzeit erweiterte Sonderöffnungszeiten: Mo.-Mi. und So. 10 bis 18 Uhr, Do.-Sa. bis 21 Uhr. Eintritt: regulär 19 Euro, Mittwoch zwischen 14 und 18 Uhr kostet der Eintritt ins Palastblühen nur acht Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben immer freien Zugang. www.kunstpalast.de

Innen blüht es, außen leuchtet der Düsseldorfer Kunstpalast. Blick in den Ehrenhof in einer Frühlingsnacht. Foto: bikö