Düsseldorf Derendorf: „Platz der 6000“ und „Platz der Vielfalt“ auf dem HSD-Campus eingeweiht

Das Gelände des Campus der Hochschule Düsseldorf (HSD) hat eine unrühmliche Vergangenheit. Denn dort stand der ehemalige Schlachthof neben dem Güterbahnhof Derendorf. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden fast 6000 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus dem ganzen Regierungsbezirk Düsseldorf in einer der Markthallen des damaligen Schlachthofes gesammelt und registriert, um dann vom Güterbahnhof in Ghettos im besetzten Osteuropa deportiert zu werden. Diese waren oftmals Zwischenstationen auf dem Weg in weitere Konzentrations- und Vernichtungslager. In Erinnerung wurde in einer Halle des Geländes der „Erinnerungsort Alter Schlachthof“ eingerichtet.
Um die Geschichte des Ortes noch sichtbarer zu machen, erhielten zwei Bereiche des Campus neue Namen. Initiiert wurden die Platzbenennungen – die keine offiziellen Adressänderungen sind, sondern als inoffizielle Erweiterung der Gedenksituation im Erinnerungsort betrachtet werden können – auf Anregung der Bezirksvertretung 1. In Zusammenarbeit mit dem Senat der Hochschule wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die alle Mitglieder der HSD dazu aufrief, sich am Prozess der Namensfindung zu beteiligen. Im Sommer 2025 entschied eine Jury über die Auswahl: Der „Platz der 6000“ verweist unmittelbar auf das historische Geschehen und macht die Dimension der Verfolgungs- und Gewaltpolitik sichtbar. Der „Platz der Vielfalt“ richtet den Blick auf Gegenwart und Zukunft – und auf die HSD als offenen Bildungsort für Menschen in ihrer gesamten Vielfalt.
Bei der Einweihung der Plätze betonte HSD-Präsidentin Prof. Dr. Edeltraud Vomberg: „Indem wir dem Platz neben dem damaligen Tatort, der ehemaligen Viehmarkthalle des Schlachthofs, der heutigen Bibliothek und dem Erinnerungsort, diesen Namen geben, setzen wir ein unübersehbares Erinnerungszeichen. Dieses Zeichen richtet sich auch an jene Kräfte in Politik und Gesellschaft, die diese Verbrechen relativieren oder vergessen machen wollen, die antisemitische und rassistische Ressentiments verbreiten und unsere demokratische Ordnung infrage stellen.“
Zum Platz der Vielfalt ergänzte sie, dass dieser auch eine Einladung über den Kreis der Hochschulmitglieder hinaus sein soll: „Dieser Platz steht für die Überzeugung, dass Unterschiede kein Hindernis sind, sondern eine Bereicherung. Dass Lernen, Lehren, Forschen und Arbeiten besonders dann gelingen, wenn unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen. Und dass eine demokratische, gerechte und zukunftsfähige Gesellschaft genau diese Vielfalt braucht.“
Derzeit sind die in den Werkstätten des Fachbereichs Design gestalteten und produzierten Schilder bewusst zurückhaltend gehalten. Im kommenden Semester werden Studierende aus dem Fachbereich Design in einer Projektarbeit weitergehende Gestaltungsvorschläge entwickeln.