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Home›Kultur›Das Gute und Schöne: Düsseldorfs Kö-Galerien Ludorff und Paffrath

Das Gute und Schöne: Düsseldorfs Kö-Galerien Ludorff und Paffrath

Von Birgit Koelgen
5. April 2025
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Hereinspaziert! Geschäftsführer Manuel Ludorff öffnet die Tür zur Ausstellung anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Galerie Ludorff an der Kö. Foto: bikö

Geld ist nicht alles. Macht aber vieles möglich. An der Düsseldorfer Königsallee versorgen sich Erfolgsmenschen mit Luxusartikeln der Marken Tiffany, Dior, Prada, Chanel, Gucci und so weiter. Alles Mode und Beauty-Tralala? Nicht alles. Zwei familiengeführte Düsseldorfer Kö-Galerien bieten das Beste aus der Kunstgeschichte des vergangenen Jahrhunderts. Und ein unbezahlbares Gefühl von Kultiviertheit. Bei Ludorff wird mit einer museumsreifen Auswahl das 50-jährige Bestehen gefeiert. Paffrath öffnet den Blick für den Aufbruch um 1900.

Galerie Paffrath: Change in Art

„Kunst als Kapitalanlage? Das vergessen Sie mal!“ So überrascht Hans Paffrath, Chef der renommierten Galerie Paffrath, seine Gäste. Für ihn ist das Kaufen der richtigen Kunst eine Frage des Gefühls, der Neigung. Eine Liebesgeschichte soll es sein. Und dass man nicht in Fälschungen oder Geschmacklosigkeiten investiert, dafür sorgt ein vertrauenswürdiger Kunsthändler wie er. Paffrath hat lange gezögert, das seit Generationen gehütete Haus seines Urgroßvaters an der Königsallee 46 aufzugeben und gegenüber in die 7. Etage des Breidenbacher Hofs zu ziehen. Aber die Fläche – 850 Quadratmeter – erlaubt ihm großzügige Ausstellungen, die Einrichtung eigener Werkstätten, die Präsentation der historischen Sammlung sowie die Aufstellung langer Tische für sein neues Konzept: feine Events.

In einem Extra-Salon bewahrt Hans Paffrath alte Meisterwerke aus seiner Kunststiftung. Im Hintergrund: Max Liebermanns frühes “Tischgebet” von 1885. Foto: bikö

Das können private Feiern sein oder Zusammenkünfte von Bankern, Beratern, Anwälten und ihrer sinnsuchenden Kundschaft. Man plaudert über Kunst und die Welt – und wird standesgemäß vom Breidenbacher Hof mit Speisen und Getränken versorgt. Dabei legt Paffrath großen Wert auf die Feststellung, dass auch ein interessiertes Publikum ohne besondere Einladung zu den Öffnungszeiten willkommen ist. In diesem Frühjahr präsentiert die Galerie mit der einzigartigen Aussicht auf Kö und alten Kaufhof eine helllichte Ausstellung der Moderne zu Anfang des 20. Jahrhunderts, als die Kunst eine neue Kühnheit entwickelte und die Welt noch an den Fortschritt glaubte.

Covergirl des neuen Paffrath-Katalogs: das Mädchen “Auf dem Weg zum Tennis”, 1914 vom dänischen Impressionisten Paul Fischer gemalt. Foto: bikö

Das sieht man an einem zauberhaften (schon verkauften) Bild des dänischen Impressionisten Paul Fischer, der 1914 eine junge Frau „Auf dem Weg zum Tennis“ auf ein blau-türkis schillerndes Meer blicken lässt. Als Lovis Corinth 1921 harmlose „Gelbe und rote Astern“ mit vehementen Pinselstrichen auf die Leinwand hieb, war die Katastrophe des Ersten Weltkriegs schon vorbei. Der Expressionist Walter Ophey brauchte um 1925 nur ein paar Schwünge mit farbiger Kreide, um eine Landschaft zu komponieren. Als der Zweite Weltkrieg tobte, malte der bei den Nazis verpönte Emil Nolde in innerer Emigration ein freies Aquarell von ein paar „Sonnenblumen und Fuchsschwanz“. Wer tiefer in die Jahrhundert-Geschichte der Galerie eintauchen möchte, findet einen Salon zur hauseigenen Kunststiftung mit Gemälden, die unverkäuflich sind. Ein kleines Museum.

Kunst mit Aussicht: Die hellen Räume der Galerie Paffrath haben große Fenster und Tische für Events in kunstvoller Umgebung. An der Wand: “Gelbe und rote Astern” von Lovis Corinth. Foto: bikö

Galerie Ludorff: 50 Jahre, Part I

Auch die Galerie Ludorff ist eine Familienangelegenheit mit Tradition. 1975, vor 50 Jahren, gründete Rainer M. Ludorff mit seiner Privatsammlung expressionistischer Kunstwerke das Geschäft an der Kö 22. Ein „Tanzcafé“ von Ernst-Ludwig Kirchner zierte das Cover des ersten Katalogs. Auch heute, unter der Leitung seines Sohnes Manuel Ludorff, verfügt die auf großen Messen aktive Galerie noch über eine bedeutende Sammlung der klassischen Moderne. Eigentlich zu schön, um durch Verkäufe zu schrumpfen. Aber ein Schatz wie Kirchners kleiner wilder „Bauerntanz“ von 1919/20 (490 000 Euro) wird sicher einen Liebhaber in der international aufgestellten Kundschaft finden. Und es kommen immer wieder neue Werke hinzu – bis in die Kunst der Gegenwart. Eine über zwei Meter hohe Abstraktion von Katharina Grosse (190 000 Euro) beherrscht den Raum mit ihren türkisfarbenen Schwingungen auf verborgenen Farbschichten.

In wohnlicher Atmosphäre präsentiert werden bei Ludorff Werke der klassischen Moderne wie Heinrich Nauens Stillleben “Kapuzinerkresse in gelber Vase …” von 1922. Rechts in der Vitrine: eine kleine Bronze von Renée Sintenis (um 1950). Foto: bikö

Viele andere Herrlichkeiten sind in der dritten Etage des Hauses zu entdecken: von Max Liebermanns spätimpressionistischer „Allee im Tiergarten mit Spaziergängern und Kutsche“ (1922) bis zu Farbfeldern der Nachkriegs-Avantgarde: einer 1956 entstandenen „Composition abstraite“ des russischen Meisters der Nouvelle École de Paris, Serge Poliakoff. In höheren sechsstelligen Euro-Sphären werden auch museumsreife Stücke wie August Mackes „Paar im Nachen“ von 1913 angeboten (750 000 Euro). Etwas günstiger leuchtet das feuergetaufte Rot von Otto Pienes „Solar“ (1989). Ein witziges Nolde-Aquarell mit zwei Damen „Im Café“ fand schon seinen Liebhaber für 145 000 Euro.

Auch neuere Werke wie Karin Kneffels “Interieur mit Hund” (2002, links) und Konrad Klaphecks “Wiederannäherung” (1958/70) sind bei Ludorff zu sehen. Foto: bikö

Die zartesten Kostbarkeiten hängen im schmalen Flur: eine 1898/99 entstandene Mädchenzeichnung von Paula Modersohn-Becker zum Beispiel und ein getuschter Reigen von Fischwesen, die Alfred Otto Wolfgang Schulze alias WOLS 1939 erfand. Wie gut, dass Gucken nichts kostet. Und trotzdem reich macht.

Was, wann und wo?

Galerie Ludorff: „Ludorff – 50 Jahre, Part I“: bis 7. Juni. Königsallee 22, Ausstellung in der dritten Etage. Geöffnet Mo.-Fr. 10 bis 18 Uhr, Sa. 11 bis 14 Uhr. www.ludorff.com

Galerie Paffrath: „Change in Art – 1900“: Frühjahr 2025. Königsallee 11, in der siebten Etage. Geöffnet Mo.-Fr. 11 bis 18 Uhr, Sa. nach Absprache. www.Galerie-Paffrath.de

StichworteGalerien
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