Düsseldorf: 55. Rheinmarathon mit weit gereisten Aktiven

Marissa O’Keeffe, Olga O’Sullivan, Fiona Goggin und Toni Connery hatten sich auf alles eingestellt. „Wir wären auch für so scheußliches Wetter wie im letzten Jahr bereit gewesen“, betonte Connery. „Aber bei dem Wetter, bei dem Fluss, bei dem Boot bekommt der Rheinmarathon eine zehn von zehn Punkten. Es war einfach phantastisch.“

Toni Connery, Fiona Goggin, Steuermann Lennart Eckartz, Macrissa O’Keeffe und Olga O’Sullivan ruderten für den Fermoy RC
Was die Irinnen zu so großem Lob hinriss, war der Rheinmarathon 2026 des RC Germania am Samstag (3.10.). Bereits zum 55. Mal hatten die Germanen eine der bundesweit größten Langstrecken-Ruderregatten von der Anlage des RTHC Bayer Leverkusen bis zum Steg der in Düsseldorf-Hamm, organisiert. Am Start an Rheinkilometer 695 saßen 850 Ruder*innen aus 80 Vereinen und sieben Nationen in den 170 Booten. 42,8 Kilometer später hatten die Ruder*innen bei strahlendem Sonnenschein, angenehmen Temperaturen und einem nahezu spiegelglatten Fluss Rheinkilometer 737,8 erreicht und damit das Clubgelände des RC Germania.

Die Begegnung mit Frachtschiffen war die Ausnahme – Grund war der niedrige Rheinpegel
„170 Boote sind ein sehr ordentliches Meldeergebnis. Unser Rekord liegt bei 179 Booten“, erläuterte Rheinmarathon-Regattaleiterin Melanie Ott. „Viele die einmal mitgerudert sind, kommen eben immer wieder. In diesem Jahr gibt es zwei Personen, die zum 35. Mal dabei sind.“

Regattaleiterin Melanie Ott verlebte einen entspannten Tag
Dem Suchtfaktor Rheinmarathon sind auch so einige Türken erlegen. Der Suadiye Kürek ve Kano Spor Kulübü aus Istanbul schickte in diesem Jahr sechs komplette Bootcrews vom Bosporus in die NRW-Landeshauptstadt. „Vor vier Jahren haben wir mit drei Bootsbesatzungen angefangen“, erinnert sich Pelin. „Wir haben in unserem Club über den Rheinmarathon erzählt und viel mehr wollten mitkommen.“

(v.l.) Serhat, Gün, Pelin und Gamze aus Istanbul waren zum vierten Mal dabei
Mit ihrer 2026er Zeit von 2:46:25 Stunden waren sie nicht wirklich zufrieden. „Im letzten Jahr hatten wir ein 2:30er Zeit“, erinnerte sich Pelin. Doch der Wasserstand im Rhein ließ das diesmal nicht zu. „Für neue Rekorde ist viel zu wenig Wasser im Rhein. Es fehlt an Unterstützung durch die Strömungsgeschwindigkeit. Das bedeutet, dass die Zeiten gut 15 Minuten langsamer sind“, erklärte Ott. „Aber dafür gab es kaum Schiffsverkehr auf dem Rhein.“

Die Wasserschutzpolizei sicherte die Regatta ab
Und damit auch viel weniger Arbeit für die Steuerleute. „Es war schon fast langweilig“, urteilte Steuerfrau Ursula Fischer. „Die wenigen Frachtschiffe waren alle extrem berechenbar. Sie mussten ja immer in der Mitte der Fahrrinne bleiben, so dass wir unsere Ideallinie beibehalten konnten.“ So hatten ausnahmsweise die Ruder*innen am Tag der deutschen Einheit das Übergewicht auf Europas verkehrsreichsten Strom.

Die Herren im Ziel notierten Reihenfolge und Zeiten
Dieses völlig entspannte Regattaerlebnis wirkte sich auch an Land auf der Anlage des RC Germania aus. Allerdings bei Katherine Witt etwas gedämpft. Die Australierin, die mit drei Schwedinnen im Boot den Rheinmarathon bestritt, hatte es vergleichsweise eilig, weil sie noch am Abend den Rückflug in die Heimat Down Under antreten musste. „Eigentlich wäre ich schon vor zwei Tagen wieder nach Australien zurückgeflogen“, erzählte Witt. „Ich war beruflich für zwei Wochen in Dänemark und Grönland. Kurz bevor ich zurückfliegen wollte, bekam ich eine Email. Wir brauchen Dich, stand darin.“ Die Mail kam von Christina Buckley. Die Schwedin hatte vor 36 Jahren im europäischen Winter gemeinsam mit Witt im australischen Sommer trainiert, um sich für die jeweilige Nationalmannschaft zu qualifizieren. „Letztes Jahr habe ich bei der Senioren-Weltmeisterschaft erstmals wieder mit Katherine in einem Boot gesessen. Das wollte ich unbedingt wiederholen“, so Buckley. „Und als ich gehört habe, dass sie Europa ist, habe ich die Gelegenheit mit dem Rheinmarathon ergriffen.“

Christina Buckley, Katherine Witt, Steuermann Manfred Blasczyk, Elisabeth Lindgren und Hanna Buckley im Ziel
Gelockt hat Witt nicht nur die Freundschaft und das ruderische Abenteuer, sondern auch ein Versprechen. „Mir wurde gesagt, dass der Rheinmarathon purer Spaß ist. Zur Hälfte der Renndistanz wollte ich fragen, wann denn der Spaß beginnt. Aber ich konnte nicht mehr sprechen.“ Aber der Gefühlsumschwung zwischen völliger Erschöpfung bei der Zieldurchfahrt und Halbgöttin gerade mal zehn Minuten später bewirkte, dass die Australierin der Schwedin nur noch zustimmen musste. „Es war die längste Strecke, die ich je an einem Stück gerudert bin, mein Rücken, meine Hände schmerzen und ich bin sehr glücklich.“

Viele Helfer standen bereit, um die erschöpften Ruder*innen zu unterstützen, denn alle Boote mussten noch den Deich hinauf
Ergebnisse des 55. Rheinmarathons
1. Clever Ruder Club, Kölner Club für Wassersport, Neuwieder Ruder-Gesellschaft 1883, Post-Sportverein Koblenz, Ruderclub Kleinmachnow-Stahnsdorf-Teltow (Tim Czemper; Michael Ehrle; Markus Müller; Stefan Verhoeven; St: Elina Unruh) 02:23:59 Std.
2. Stuttgart-Cannstatter Ruderclub von 1910 (Matthias Auer; Antonio Bashich; Philip Kaltenborn; Emil Rauscher; St: Sabine Oertel 2:24:56 Std.
3. RTHC Bayer Leverkusen (Julius Christ; Matthias Haggenei; Timo Krings; Moritz Volkmuth; St: Steffi Irmscher) 2:26:08 Std.
Schnellstesdeutsches Nicht-Rhein-Boot
1. Stuttgart-Cannstatter Ruderclub von 1910 2:24:56 Std.
2. Post-Sportverein Koblenz 2:28:36 Std.
3. Stuttgart-Cannstatter Ruderclub von 1910 2:32:20 Std.
Schnellstes ausländisches Boot
1. Jönköpings Roddsällskap 2:32:07 Std.
2. Fermoy Rowing Club 2:36:00 Std.
3. Jönköpings Roddsällskap 2:40:29 std.

Von der S-Bahn aus hatte man einen kurzen aber guten Blick auf das Renngeschehen
Schnellstes Frauen-Boot
1. Mülheimer Wassersport Köln 2:35:12 Std.
2. Bernkasteler Ruderverein 1874/Ruderverein Eltville 1919 2:40:24 Std.
3. Jönköpings Roddsällskap 2:41:30 Std.
Schnellstes Mixed-Boot
1. Bonner Ruder-Verein 1882 2:28:43 Std.
2. Akademischer Ruder-Club Rhenus Bonn//Bonner Ruder-Verein 1882/Gymnasial Ruder-Club am städt. Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium 2:31:39 Std.
3. Karlsruher Rheinklub Alemannia/Rudergesellschaft München 1972 2:33:02 Std.

Der Parkplatz war gefüllt mit den Anhängern für die vielen Ruderboote