Düsseldorf Benrath: Lilli-Marx-Raum und Bunker – Abiturienten erhalten Einblicke

Im Rahmen ihrer Fahrten- und Projektwoche waren rund 60 Schüler*innen der Q1 (12. Klasse) des Theodor-Fliedner-Gymnasiums am Dienstag (22.9.) in der Benrather Paulsmühle zu Besuch. Ihr Ziel war der Lilli-Marx-Raum im Bürgerhaus und der Bunker an der Paulmühlenstraße.
Seit Anfang 2025 gibt es im Bürgerhaus Benrath den Lilli-Marx-Raum, ein interaktiver Erinnerungs- und Museumsraum, der für Schulprojekte und Projektwochen genutzt werden kann. Lilli Marx (1921–2004) war eine bedeutende jüdische Journalistin, Verlegerin und Frauenrechtlerin, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Düsseldorf lebte und den jüdischen Frauenverein gründete. Sie war mit ihrem Mann Karl Herausgeberin der Jüdischen Wochenzeitung.

Dr. Hanne von Schaumann-Werder und Michael Szentei-Heise,
Damit die Schülergruppen nicht zu groß waren, teilten sie sich auf drei Stationen auf. Dr. Hanne von Schaumann-Werder, Initiatorin des Lilli-Marx-Raumes, empfing die erste Gruppe gemeinsam mit dem langjährige Direktor der Jüdischen Gemeinde, Michael Szentei-Heise, im Gedenkraum. Dort hatten bereits verschiedene Schulen Projekte realisierte, die zum Teil an den Wänden ausgestellt sind. Eindruck machte bei den Schüler*innen ein Film, den die Filmwerkstatt gemeinsam mit Künstler Mischa Kuball und Schüler*innen des Albert Einstein Gymnasiums zum Thema Demokratie erstellt hatten.

Arbeiten bisheriger Schüler-Projekte
Von Schaumann-Werder schlug den Bogen von Lilli Marx zum aktuellen Thema Mobbing, denn das Denunzieren von Menschen während der Nazi Zeit war ähnlich – damals für viele Opfer verbunden mit Haft, Folter oder Tod. Gemeinsam mit Wolfgang D. Sauer, dem langjährigen Leiter des Benrather Heimatarchivs, hat von Schaumann-Werder Material zu Lilli Marx für ein Buch zusammengetragen. Die beiden Frauen kannten sich persönlich über den Club Soroptimist International in Düsseldorf. Da Sauer vor drei Monaten verstorben ist, wird von Schaumann-Werder das Buchprojekt nun ohne ihn fortsetzen.

Schachteln mit verschiedenen Inhalten regten zum Gespräch an
Dr. Hanne von Schaumann-Werder geht es bei den Veranstaltungen im Lilli-Marx-Raum vor allem um „Verständigung und Freundschaft“. Die Beschäftigung mit dem jüdischen Leben in Düsseldorf und Deutschland habe vor der Hintergrund andauernder Wahlerfolge der AfD hohe Brisanz. „Schüler dürfen die Geschichte nicht vergessen. Die Gefahr besteht akut,“ betonte sie.

Dr. Christoph Laugs im Gespräch mit den Schüler*innen
Um die Erinnerungskultur und Lilli Marx ging es parallel auch bei der Schülergruppe, die im Café im Erdgeschoss des Bürgerhaus von Dr. Christoph Laugs (Historiker und Bezirkspolitiker) und Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann (ehemaliger Sammlungsleiter im Stadtmuseum Düsseldorf) begrüßt wurden. Mit Hilfe von Schachteln mit unterschiedlichen Inhalten erstellten sie eine Mindmap und sammelten die Gedanken zu Lilli Marx, beispielsweise als Journalistin, Jüdin und Geflüchtete, Feministin und als Düsseldorferin.

Dr. Christoph Laugs und Dr. Christoph Danelzik-Brüggemann – die Mindmap an der Wand

Der Bunker an der Paulsmühlenstraße 51
Während die eine Hälfte der Schülergruppe im Bürgerhaus Benrath arbeitete, zeigte Michael Geier den anderen den Bunker an der Paulsmühlenstraße, der er ein Teil der Benrather Geschichte ist. Viele alte Paulsmühler*innen sind im Krieg bei Bombenalarm noch selber zu diesem Schutzraum gelaufen. Ursprünglich war er damals für 600 Personen errichtet worden, doch bei Alarm drängten sich auch über 2000 Benrather*innen in den Räumen.

Führung durch das Erdgeschoss des Bunkers
Der Karnevalsverein der Paulsmühler Jecken hat den Bunker gemietet und mit viel Engagement zum Leben erweckt. Während es oben im Saal einen großen Raum zum Feiern gibt, wird die Historie des Gebäudes mit Fotos und einem Rundgang erklärt. Geier berichtete anschaulich wie der Bunker im Krieg genutzt wurde und welche Anstrengungen der Verein unternommen hat, um die Geschichte zu erhalten, das Gebäude aber auch zum Treffpunkt für das Viertel zu machen.

Verschiedene historische Aufnahmen gehören zur Ausstellung im Bunker
Für die Schüler*innen ein Tag mit Eindrücken aus der Vergangenheit und der Gegenwart, der zum Nachdenken anregen wollte.