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Home›Düsseldorf›Düsseldorf: Das TrebeCafé wird 30 – zwei Benefizkonzerte finden statt

Düsseldorf: Das TrebeCafé wird 30 – zwei Benefizkonzerte finden statt

Von Ute Neubauer
18. September 2026
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Seit 30 Jahren gibt es das TrebeCafé

„Lösungen finden, für die es kein Antragsformular gibt“ ist eins der Ziele, die sich das Team des TrebeCafés Düsseldorf auf die Fahnen geschrieben hat. Und das versuchen sie jetzt bereits seit 30 Jahren für Mädchen und junge Frauen mit Lebensmittelpunkt auf der Straße. Seit 1996 gibt es die Anlaufstelle, die unter der Trägerschaft der Diakonie geführt wird. Über eine Spenderin wurde das Haus an der Kölner Straße 148 ermöglicht. Die Stadt finanziert 3,5 Stellen, weitere 1,5 Stellen und der gesamte Unterhalt läuft über Spenden. Zum 30. Geburtstag finden zwei Benefizkonzerte statt. Das erste im Ratinger Hof bereits an diesem Samstag (19.9.).

Dann spielen die Band „Seeger“, „StaxX“ und „Roter Kreis“ für das TrebeCafé im Ratinger Hof, Ratinger Straße 10. Beginn ist 18 Uhr. Tickets ab 20 € gibt es hier bei Eventim oder wer Glück hat noch an der Abendkasse.

Weiter geht es am Donnerstag (24.9.)in der Stephanuskirche, Wiesdorfer Straße 21. Das international erfolgreiche Vokalsextett „Singer Pur“ wird den ersten Teil seines Konzerts ausschließlich Kompositionen von Frauen widmen. Nach der Pause erklingen Hits und vertonte Texte, zum Beispiel von William Shakespeare. Los geht es um 19.:30 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden für das TrebeCafé wird gebeten. Eine Anmeldung wird hier erbeten.

Das TrebeCafé

In den 1990-er Jahren suchten immer mehr Mädchen und jüngere Frauen, die bereits über einen längeren Zeitraum auf der Straße gelebt hatten, bei der Diakonie Unterstützung. „Durch übliche Jugendhilfemaßnahmen – meist stationäre Einrichtungen – waren sie aber kaum zu erreichen. Das Leben auf der Straße war zwar hart, bot ihnen aber auch Freiräume, die sie so schnell nicht wieder aufgeben wollten“, berichtet Dorothee Hartmann, Leitung Abteilung Kultursensible Hilfen bei der Diakonie Düsseldorf. Für diese Mädchen und jungen Frauen eröffnete die Diakonie 1996 das TrebeCafé. Ein niederschwelliges Angebot mit nur ganz wenig Regeln. Vergleichbare Anlaufstellen gab es im Umkreis damals nicht. Im Gründungsjahr erreichte das TrebeCafé über 100 Mädchen und junge Frauen in Düsseldorf. Hartmann: „Rund 3000 Mädchen und junge Frauen konnten die Mitarbeiterinnen seither beim Start in ein selbstständiges Leben begleiten.“

An dem großen Tisch wird beispielsweise gemeinsam gegessen

Herzstück der Einrichtung ist das Café im Erdgeschoss der Einrichtung an der Kölner Straße 148. Die Anlaufstelle ist an sechs Tagen in der Woche für je drei Stunden geöffnet. Hier können die jungen Frauen ohne Anliegen vorbeikommen und sich kostenlos versorgen, außerhalb der Öffnungszeiten finden dort Beratungstermine statt.

Außerdem sind die Mitarbeiterinnen auf der Straße rund um den Hauptbahnhof unterwegs. Sie nehmen Kontakt mit Mädchen und jungen Frauen auf, versorgen sie mit Getränken und Essen, verteilen Kondome und Taschentücher und bieten sofortige Hilfe an, wenn dies gewünscht ist.

„Viele Frauen und junge Mädchen in instabilen Lebenssituationen sind sexualisierter Gewalt ausgesetzt, nehmen für einen Schlafplatz nicht selten eine gewalttätige Beziehung in Kauf“, sagt Maria Peixoto,Leiterin des TrebeCafés. In einem ersten Schritt gehe es deshalb darum, Vertrauen aufzubauen. „Wenn die Mädchen und jungen Frauen zu uns kommen, sind sie permanent in Alarmbereitschaft, aufmerksam für mögliche Gefahren. Das ist aber kein guter Zustand, um Probleme anzugehen“, ergänzt Peixoto. „Erst wenn die Mädchen und jungen Frauen Vertrauen zu uns gefasst haben, können wir mit ihnen gemeinsam weitere Schritte gehen, um ihre Lebenssituation zu sichern.“ Das könne die Unterstützung bei der Suche nach einer eigenen Wohnung sein, Hilfe beim Wiedereinstieg in die Schule oder der Bewerbung für einen Ausbildungsplatz.

(v.l.) Tanja Buck, Lea und Maria Peixoto

Das Team macht außerdem Präventionsarbeit mit Schulen, Schulklassen, Kirchengemeinden und Freizeiteinrichtungen. Dabei geht es dann darum Möglichkeiten aufzuzeigen, an wen man sich wenden kann bei Schwierigkeiten zuhause oder in der Schule. Neu ist das Projekt „Reaktiv“ für die Besucherinnen des TrebeCafés. Dabei steht neben der Vermittlung von Tagesstruktur Kunst und Kreativität im Mittelpunkt. Ziel ist es, dass die Teilnehmerinnen Ideen bekommen, was sie machen können – feststellen welche Fähigkeiten sie haben und vielleicht einen Schulabschluss nachholen oder eine Ausbildung machen. Bei einem Theaterprojekt ist beispielsweise gerade ein Musikvideo entstanden.

„Die Wohnungslosigkeit von Mädchen und jungen Frauen ist oft unsichtbar. Das war so, als die Diakonie das TrebeCafé gegründet hat und ist leider zum Teil auch heute noch so, 30 Jahre später“, fügt Tanja Buck, Vorständin Kinder, Jugend und Familie der Diakonie an. „Denn Mädchen und junge Frauen in instabilen Lebenssituationen sind Meisterinnen darin, nicht aufzufallen.“

Dass die Lebensrealität von Mädchen und jungen Frauen auf der Straße in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt sei, sei auch den Mitarbeiterinnen des TrebeCafés zu verdanken. „Und all den Spender*innen und Unterstützer*innen, die das TrebeCafé über all die Jahre begleitet haben.“

Dass das TrebeCafé zum Rettungsanker werden kann, beschreibt auch Lea (24). Sie hat erfahren, dass das TrebeCafé als Anlaufstelle erstmal keine Anforderungen stellt. Jede Frau kann während der Öffnungszeit reinkommen, alles kann kostenlos in Anspruch genommen werden und es werden keine Fragen gestellt. Mittags wird gemeinsam gegessen, Wäsche kann gewaschen oder sich mit Hygieneartiklen und Kleidung versorgt werden. Man unterhält sich locker und daraus ergeben sich Gesprächsbedarfe, wenn Vertrauen gefasst wurde.

Raum zu chillen

Die Zahl der Mädchen und jungen Frauen mit psychischen Erkrankung steigt. Die wachsenden Zahlen treffen auf ein Hilfesystem, das sowieso schon überlastet ist. Fachkräftemangel und die Schließung von Einrichtungen häufen sich und da fallen viele der Frauen durchs Netz, die dann das TrebeCafé besuchen. Viele sind aus der Jugendhilfe rausgeflogen oder es gibt keine geeignete Einrichtung mehr für sie, weil sie verschiedenste multiple Problemlagen, wie eine Suchtproblematik oder ADHS haben. Selbst wenn die Frauen mitmachen wollen, Termine einhalten, bemüht sind, alle Papiere geklärt sind, findet sich oft monatelang keine Einrichtung.

Die Kleiderkammer der TrebeCafés

Im TrebeCafé können die Frauen eine Postadresse einrichten und finden – wenn sie wollen – ein offenes Ohr. Es gibt auch einen Notfalltopf, aus dem geholfen wird, wenn beantragtes Geld aus den unterschiedlichsten Gründen gerade nicht fließt. Lebensmittelgutscheine werden dann ausgegeben oder darlehensweise eine Kaution, eine Monatsmiete oder Stromschschulden übernommen. Der Erfolg gibt dem Team vom TrebeCafé recht, denn sie vermitteln über die Hälfte der regelmäßigen Besucherinnen stabil andere Hilfen.

Wer das TrebeCafé unterstützen möchte, findet hier weitere Informationen. 

StichworteSpendenTrebecafé
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