Verein “Housing First Düsseldorf” ist Leuchtturmprojekt bei Unterstützung Obdachloser

Menschen die auf der Straße leben haben im umkämpften Wohnungsmarkt in Düsseldorf kaum eine Chance bei Vermietern. Und ohne festen Wohnsitz haben sie auch keine Möglichkeit eine Arbeit zu finden. Diesen Drehtüreffekt hat FiftyFifty bereits 2017 erkannt und angefangen Wohnungen zu kaufen, um diese dann an Obdachlose zu vermieten. „Housing First“ heißt der Ansatz, bei dem zuerst die eigene Wohnung kommt und dann unter Betreuung von Sozialarbeitern das Angehen von weiteren Problemen. Ziel ist es, dass die Bewohner*innen wieder ein eigenständiges, selbstständiges Leben führen.
Auf diesem Wege hatte FiftyFifty bis Dezember 2021 40 Wohnungen ermöglicht, die durch Fördergelder des Landes und Spenden – häufig von Kunstwerken, die dann verkauft wurden – finanziert wurden. Dabei war es wichtig, die richtigen Objekte zu finden. Es waren Wohnungen in verschiedenen Mehrfamilienhäusern, da man auf eine gute Mischung der Hausgemeinschaft setzt. Die Erfahrungen von fiftyfifty zeigten, dass es nicht gut ist, ein ganzes Objekt zu Obdachlosenwohnungen zu machen. Um Housing First breiter aufzustellen wurde Ende 2021 der Verein „Housing First Düsseldorf“ gegründet. Die Stadt Düsseldorf wurde von dem Ansatz überzeugt und finanzierte die Sozialarbeiter*innen, die das Projekt begleiteten. Ein Erfolgsmodell, denn im Januar 2024 konnte bereits die 50. bezogene Wohnung vermeldet werden.
Parallel weitete FiftyFifty das Projekt aus und durch Zusammenarbeit mit der Metro und anderen Gastronomiebetrieben wurden Workshops initiiert, die den Bewohner*innen von Housing-First-Wohnungen Optionen zu Praktika und festen Arbeitsplätzen eröffneten.
Im Sommer 2025 bekannte sich Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller, Schirmherr des Vereins, zur Vorreiterrolle Düsseldorfs bei Housing First. Er betonte das Ziel für die Obdachlosen Wohnraum zu schaffen und das gemeinsame Engagement der Stadt mit „Housing First Düsseldorf“. Neben der Finanzierung der Sozialarbeiterstellen warb der OB in verschiedenen Netzwerken für das Projekt. Für die Eigentümer von Wohnungen ist die Vermietung kein Risiko, da der Verein ein Ansprechpartner bei Problemen ist und die Mietzahlungen vom Amt geleistet werden, solange noch keine eigene Erwerbstätigkeit vorliegt.

Ein gut gefüllter Kühlschrank und die Küche dazu kommt auch bald – ein Neustart für Thomas D.
Durch den Einsatz von Keller und der Arbeit des Vereins konnte jetzt bereits die 150. Wohnung bezogen werden und weitere 13 sind in Vorbereitung. Dazu war der Oberbürgermeister am Dienstag (16.6.) nach Rath zur Wohnung von Thomas D. gekommen. Der 39-Jährige lebte fast 20 Jahre auf der Straße und ist nun Mieter einer kleinen Wohnung aus dem Bestand der städtischen Wohnungsgesellschaft SWD. Die SWD will monatlich zwei Wohnung zur Verfügung stellen, rund 25 pro Jahr. Wie Klaus Feldhaus von der SWD bestonte, hat es in den bisher vermieteten 21 Wohnungen keinerlei Probleme gegeben und alle Skepsis hat sich als unbegründet erwiesen. Thomas D. genießt nicht nur seine neue Wohnung. Im Rahmen von „Housing First trifft Gastro“ hat er in der Kantine des Gesundheitsministeriums ein Praktikum begonnen, das ihm viel Spaß macht.
Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller: “Was wir hier gemeinsam aufgebaut haben, ist kein Modellprojekt auf dem Papier – es ist gelebte Stadtgesellschaft. Hinter jeder dieser 150 Wohnungen steht ein Mensch, dem wir nicht nur ein Dach, sondern Würde und Perspektive zurückgegeben haben. Dafür danke ich allen, die diesen Weg mitgehen.”
Oliver Ongaro vom Straßenmagazin fiftyfifty: “Die Unterstützung, die wir aus der Stadtgesellschaft erfahren, ist außergewöhnlich. Sie zeigt: Düsseldorf schaut nicht weg. Wenn dieses Engagement anhält, können wir hunderte weiterer Menschen von der Straße holen.”
Alena Hansen ist eine der Sozialarbeiterinnen des Projekts. Bei ihr stehen noch viele Obdachlose auf der Liste, die gerne eine Wohnung hätten. Das Team geht bei der Vergabe aber nicht nach Reihenfolge vor, sondern bewertet verschiedene Kriterien nach einem Punktesystem. Dabei spielt beispielsweise der gesundheitliche Zustand eine Rolle. Wer eine Wohnung erhält, unterschreibt einen eigenen Mietvertrag und kann damit unbefristet die Wohnung nutzen. Darüber sind viele erstaunt, da andere Programme damit arbeiten, dass erst eine „Wohnfähigkeit“ nachgewiesen werden muss und bei Verstößen der Ausschluss droht. Ziel von Housing First ist die Eigenständigkeit der Bewohner*innen, die später ihre Miete selber zahlen, wenn sie eine Arbeit gefunden haben. Den Weg dahin begleitetet das Team und bei Problemen wird geholfen. Damit ist das Projekt auch für die Stadt gut, da dann keine Transferleistungen mehr anfallen.