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KulturKunstkritikTop News
Home›Kultur›Ein Museum als Spielplatz: „Playground“ im K20 Düsseldorf

Ein Museum als Spielplatz: „Playground“ im K20 Düsseldorf

Von Birgit Koelgen
4. Mai 2026
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Kita-Fest? Nein, Museumsbesuch! Paula (4) probiert die kunstvollen Kostümteile im Playground des K20 an. Foto: bikö

Mittagszeit. Ein paar ältere Damen wollen Anne Truit würdigen, die ziemlich unbekannte Pionierin der Minimal Art. Nicht viel los im K20, dem Stammhaus der Kunstsammlung NRW. Oder? Kreischt und trappelt es da nicht von links, als befände sich hinter dem Vorhang zum Grabbe-Saal eine Kita in der großen Pause? Richtig gehört! Der „Playground“, bespielbare Rauminstallation der Amsterdamer Allround-Künstlerin Sonia Kazovsky, soll Familien locken und Kinder für den Schauplatz Museum begeistern. Ein ganzes Jahr lang.

Ordnung muss sein: Vor dem Besuch des Playgrounds müssen Kinderwagen abgestellt und Schuhe ausgezogen werden. Foto: bikö

Dieser Spielplatz kann allerdings nicht spontan besucht werden wie irgendeine unkomplizierte Rutsche auf der Wiese im Park nebenan. Gedöns muss in Kauf genommen werden. Aus Sicherheitsgründen ist die Besucherzahl limitiert und die digitale Festlegung eines Zeitfensters obligatorisch – mit Abgabe persönlicher Daten und Kenntnisnahme zahlreicher Belehrungen. Nur wer vorschriftsmäßig gebucht hat, kommt ins vermeintliche Kinderparadies, wo jeder erst einmal die Schuhe ausziehen muss.

Bitte verkleiden!

Tatsächlich erinnert die hübsche Rauminstallation an ein Bühnenbild, dessen Vorbild eine Kinderzeichnung war. Die Sonne hängt als gelber Kreis aus Glanzfolie in einem Himmel aus blauen Streifen, darunter wölbt sich ein bräunlicher Hügel als Landschaft, am Rand steht ein Hausdings mit Spitzdach. Ein kuscheliges Stoffbecken mit rotgelb züngelnden Kissen, entworfen von Otokar Zwartjes, soll ein Lagerfeuer darstellen, eine bläuliche Kunststoffwanne simuliert einen Teich. Natürlich ohne Wasser, alles spielt hier nur in der Fantasiewelt.

An eine Kinderzeichnung erinnert der Playground mit Sonnenscheibe, Hügel und einem Lagerfeuer aus Stoff. Foto: bikö

Damit das an jenem geistigen Ort nicht langweilig wird, hat das Team um die junge Künstlerin Kazovsky eine Reihe von Kostümteilen entworfen, die zum Anprobieren am Haken hängen. Steife Manschetten und Umhänge, kippelnde Hüte und kratzige Rüschen passen leider niemandem so richtig, die Begeisterung der Kinder ist begrenzt. Auch das Spielhaus birgt keine Offenbarung, man haut frech gegen die wackligen Wände und verliert schnell die Lust daran.

Picknick erlaubt

Überblick: Erwachsene Begleiter sitzen am Tisch, während Kinder durch die Rauminstallation von Sonia Kazovsky toben. Foto: bikö

Frust droht, denn das Mitbringen eigener Spielsachen ist unerwünscht. Zum Glück lieben Kinder das Herumrennen. Das dürfen sie im Museum normalerweise nicht, hier schon. Auf Socken (am besten von der Stoppersorte) geht es den recht glitschigen Teppichhügel rauf, auf dem Hosenboden wird heruntergerutscht oder über die Seite gerollt. Zur Abwechslung kann ein bisschen an einem abgeknickten Laternenmast geschaukelt werden. Erschöpfte Familien dürfen sich in einer Ecke mit kuscheligen Sofas ausruhen. Zum Lesen gibt’s ein Bücherregal. Auch Picknick ist erlaubt. Tische dafür stehen am Eingang.

Auf dem Teppichhügel wird gerannt und gerutscht, Paula möchte lieber schaukeln. Foto: bikö

Kuscheln, Lesen, Verkleiden, mit Kissen werfen, andere Kinder jagen – das geht natürlich auch zu Hause. Für Kreativität ist an jedem Küchentisch, wo gemalt und gebastelt wird, mehr Platz. Und auf jedem herkömmlichen Spielplatz (mit echter Wasserpumpe und Klettergerüst) gibt es größere Abenteuer, in definitiv frischerer Luft. Kuratorin Karen Archey, selbst Mutter, wollte „Raum für die Bedürfnisse von Familien schaffen“. Nun gut. An einem Regentag kann es sicher ganz gemütlich sein im Playground des K20. Im Rahmen eines Begleitprogramms wird erzählt, gewerkelt und gespielt. Aber will man dafür allen Ernstes bis zum Mai 2027 den schönen großen Seitenlichtsaal der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen blockieren?

Was, wann und wo?

Der „Playground“ im K20 am Grabbeplatz Düsseldorf (bis 9. Mai 2027) nach einem Konzept der Künstlerin Sonia Kazovsky richtet sich an Kinder zwischen drei und zehn Jahren in Begleitung Erwachsener. Babys und ältere Kinder sind auch willkommen. Für alle Personen muss zuvor ein zweistündiges Zeitfenster gebucht werden. Möglich ist das am Di., Mi., Do., Fr. jeweils 12 bis 14 Uhr und 14.30 bis 16.30 Uhr, Sa./So. gibt es drei Termine: 11 bis 13 Uhr, 13.30 bis 15.30 Uhr und 16 bis 18 Uhr. Der Eintritt für Kinder ist kostenlos, Erwachsene zahlen fünf Euro. Im Begleitprogramm werden Führungen, Rollenspiele und Kreativ-Workshops angeboten. Alle Regeln und Termine hier.  

StichworteGrabbeplatzK20Kinder
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