Düsseldorf: Eindringliche Reden beim Gedenken an die “Aktion Rheinland” und das Kriegsende vor 81 Jahren

Am Mahnmal an der Anton-Betz-Straße drängten sich am Donnerstagmittag (16.4.) zahlreiche Gäste, um an die Widerstandsaktion “Rheinland” und das Kriegsende in Düsseldorf vor 81 Jahren zu erinnern. Traditionell hatten die Stadt Düsseldorf und die Polizei zum Gedenken eingeladen. Dr. Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, vertrat Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Stephan Leinders, Leiter der Direktion Zentrale Dienste, Polizeipräsidentin Miriam Brauns. Auch in diesem Jahr waren Nachfahren des ermordeten Theodor Andresen und der überlebenden Aloys Odenthal und Josef Lauxtermann gekommen.

Traditionell wurden Kränze niedergelegt
Stephan Leinders hob die besondere Verantwortung der Polizei hervor und betonte, dass die Demokratie nicht selbstverständlich sei, sondern davon lebe, dass Menschen sich dafür einsetzen. Die Mitglieder der Aktion Rheinland hätten Verantwortung übernommen und hatten damals den Mut das richtige zu tun. Heute liege die Verantwortung bei jedem Einzelnen.
Die Ermordung von Theodor Andresen, Karl Kleppe, Josef Knab, Hermann Weill und Franz Jürgens am Abend des 16. April 1945 an der Richtstätte Färberstraße, dem heutigen Standort des Mahnmals Anton-Betz-Straße, beschrieb Dr. Bastian Fleermann als Verrat, unmenschlich und tragisch, da dies noch in den letzten Kriegsstunden geschah. Die Rolle von Franz Jürgens hat sich nach neuen Erkenntnissen als wenig rühmlich erwiesen, da er zwölf Jahre lang Teil des Nazi-Regimes war. Deshalb ist sein Name auf der Gedenktafel auch durch eine Milchglasscheibe verdeckt worden. Der Name sei aber nicht aus den Stadtgedächtnis getilgt worden, sondern rege weiter dazu an, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Damit beschäftigt sich auch das Berufskolleg, das seinen Namen trug und seit 2024 in Technisches Berufskolleg Färberstraße umbenannt wurde.

Der Name Franz Jürgens wurde abgedeckt
Einige Schüler der Projektgruppe des Berufskollegs waren mit Janine Bastians-Scherer zum Gedenken gekommen. Sie setzen sich seit dem Herbst 2025 mit der Geschichte des Berufskollegs in den letzten Wochen des Krieges und der “Aktion Rheinland” auseinander. Das Berufskolleg wurde damals militärisch genutzt und in seiner unmittelbarer Nähe befand sich die Richtstätte, an der Menschen, die ein militärisches Standgericht unter strafprozessrechtlich höchst fragwürdigen Bedingungen zum Tode verurteilte, ermordet wurden. Der Gedenkraum der Schule soll neu gestaltet werden und bis zum Sommer will man gemeinsam mit der Mahn- und Gedenkstätte ein Konzept dazu erarbeiten.

Die Schilderungen von Dr. Andrea Ditchen beschrieben die Aktion Rheinland aus sich der Amerikaner
Dr. Andrea Ditchen von der Mahn- und Gedenkstätte gab Einblicke in neue Rechercheergebnisse, wie sich die Widerstandsaktion “Rheinland” zur kampflosen Übergabe Düsseldorfs an die Alliierten in US-amerikanischen Quellen widerspiegelt. Dabei wurde deutlich, wie sehr die ganze Aktion am seidenen Faden hing. Denn Dr. August Wiedenhofen und Aloys Odenthal erreichten zwar die US-Truppen, aber eine Einheit, die nicht für Düsseldorf zuständig war. Offenbar vertraute man den beiden Unterhändlern und brachte sie zu den richtigen Verantwortlichen. Am 17. April fand dann eine gemeinsame Konferenz statt, während bereits Vorbereitung für die militärische Eroberung Düsseldorfs getroffen wurden. Wiedenhofen und Odenthal überzeugten mit ihren Informationen und konnten so den kampflosen Einmarsch der Amerikaner erreichen. Beide sowie untersützende Polizeikräfte und Bürger erhielten nach der Übernahme noch Schutz durch die US-Kräfte, da Vergeltungsmaßnahmen befürchtet wurden. Ditchens Schilderungen aus den amerikanischen Quellen zeigten auf, wie viel Vertrauen der Aktion Rheinland zugrunde lag. Sie endete mit den Worten: „Bis heute sollte sich jeder fragen, was erforderlich ist für eine friedliches und wertschätzenden Miteinander – nicht nur am Gedenktag, sondern täglich“.

Zahlreiche Gäste nahmen am Gedenken teil
Aloys Odenthals Enkelin Claudia Siebner schloss sich mit mahnenden Worte des Gedenkens an. „Viel fehlt nicht und wir befinden uns wieder in den 30-er Jahren,“ betonte sie und „wir leben in einer Zeit, in denen Fake-News nicht widersprochen wird und unsagbares selbstverständlich sagbar wird. Die Verantwortung wächst. Ausreden können wir uns vor dem Hintergrund der Geschichte nicht mehr erlauben“. Sie appellierte ohne Angst und mit Klarheit für Demokratie und Freiheit einzutreten, bevor es zu spät sei.
Hintergrund Widerstandsgruppe “Aktion Rheinland”
Aloys Odenthal, August Wiedenhofen, Theodor Andresen, Karl Kleppe, Josef Knab und Hermann Weill war im März 1945 klar, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Sie wollten Düsseldorf vor der endgültigen Zerstörung retten und schmiedeten daher einen Plan, wie die Amerikaner zu einer kampflosen Übernahme der Stadt bewegt werden konnten. Mit Unterstützung des Kommandeurs der Düsseldorfer Schutzpolizei, Franz Jürgens, sperrten sie den Polizeipräsidenten August Korreng ein und statteten Aloys Odenthal und Dr. August Wiedenhofen mit Passierscheinen aus, so dass sie durch die Linien zu den Amerikanern gelangen konnten. Ziel war, mit ihnen über die kampflose Übergabe der Stadt zu verhandeln.
Doch der Plan gelang nur zum Teil. Regimetreue Polizeibeamte nahmen Franz Jürgens, Theodor Andresen, Karl Kleppe, Josef Knab und Hermann Weill fest und stellten sie vor ein Standgericht. Noch in der Nacht zum 17. April 1945 wurden sie wegen Hoch- und Kriegsverrat erschossen. Odenthal und Wiedenhofen gelang es in der Zwischenzeit, die Alliierten zum kampflosen Einmarsch in Düsseldorf zu bewegen. Düsseldorf wurde am 17. April 1945 von den Amerikanern befreit.