Düsseldorf: Komplexer Lagertausch während der Vollsperrung der Joseph-Kardinal-Frings-Brücke

Es war am Wochenende (14. bis 16.3.) eine dieser typischen Baustellensituationen: Die Fahrbahnen der Joseph-Kardinal-Frings-Brücke waren komplett gesperrt, aber nirgendwo war auch nur ein Arbeiter zu sehen. Es sah so aus, als täte sich bei den Sanierungsarbeiten nichts. Aber weit gefehlt! Die Sanierungsarbeiten an der maroden Rheinquerung machten einen der ganz entscheidenden Schritte, damit die Brücke noch ein paar Jährchen durchhält. Jedenfalls so lang, bis der Neubau betriebsbereit ist. Am 12. November 1951 wurde die „Südbrücke“ für den Verkehr freigegeben, doch der stetig steigende Verkehr und die schweren Lkw machen nicht nur dieser Brücke Probleme.

Dieses Bild bot sich vor dem Lagertausch, Foto: Straßen.NRW
An diesem Wochenende wurden die Lager, auf denen das Gewicht der Brücke und damit auch des Verkehrs ruht, auf der Neusser Seite ausgetauscht. Am Wochenende 27. bis 30. März werden die „Brücken-Ruhekissen“ auf der Hammer Seite gewechselt, was erneut zu einer Komplettsperrung führt. „Wir haben die Termine mit allen beteiligten Stellen und Ämtern abgestimmt. Wir haben auch auf Veranstaltungen Rücksicht genommen“, erläuterte der für die Sanierung der Joseph-Kardinal-Frings-Brücke zuständige Projektleiter Leonard Schulte-Hammerschmidt. Da es eben auch um Veranstaltungsterminen geht, muss die Brücke für den allgemeinen Verkehr bis 7,5 Tonnen Gesamtgewicht spätestens am 16. April wieder voll einsatzfähig sein, denn dann beginnt die Landesgartenschau in Neuss.

Die alten Lager sind komplett verrostet. Foto: Straßen.NRW
Die Brücken-Lager zu tauschen ist ein echter Kraftakt, denn dazu musste die Brücke auf der Neusser Seite angehoben werden. Nur so konnten die alten Lager aus der Verankerung geholt und die neuen eingesetzt werden. Zum Einsatz kamen je Lager zwei Acht-Tonnen-Pressen, um die Stahl-Beton-Asphaltkonstruktion um wenige Millimeter anzuheben.

Zum Entfernen der alten Lager musste schweres Gerät eingesetzt werden
In monatelanger Berechnungsarbeit wurde das vorher geplant und der Plan ging auf. Allerdings haben die heutigen Ingenieure nicht mehr volles Vertrauen in die Vorsichtsmaßnahmen ihrer Vorgänger. „Die Lager sind Verschleißteile. Wenn also eine Brücke 100 Jahre steht, weiß man vorher, dass die Lager keine 100 Jahre durchhalten“, erklärte der Projektleiter. „Deshalb haben die Konstrukteure in den 1950er Jahren bereits Pressen-Aufsetzpunkte eingeplant. Nur, bei dem maroden Gesamtzustand der Brücke, haben wir es vorgezogen, die Belastbarkeit der Aufsetzpunkte nicht zu testen.“ Also wurde an jedem Lager eine Hilfskonstruktion aus Doppel-T-Trägern eingesetzt, bevor die linksrheinische Brückenseite in den Schwebezustand versetzt wurde.

Nur mit einer Hilfskonstruktion konnte die Brücke angehoben werden, Foto: Straßen.NRW
Einmal in der „Luft“ wurde es für den Arbeiter-Trupp herausfordernd. „Die alten Lager waren so festgebacken und festgerostet, wir mussten mit schwerem Gerät zu Werke gehen“, berichtete Schulte-Hammerschmidt. „Ohne zu stemmen, zu flexen und zu schweißen hätte sich nichts bewegt.“ So flogen unterhalb der Brücke die Funken, bevor die neuen jeweils 23-Kilogramm schweren Stahllager eingesetzt werden konnten.

Die neuen Lager
Nicht nur beim Tausch der Lager war Millimeterarbeit gefordert, auch bei der zeitlichen Planung. „Wir haben uns nicht nur bei den Veranstaltungsterminen mit der Landeshauptstadt abgestimmt, sondern auch mit weiteren Baustellenplanungen“, betonte Schulte-Hammerschmidt. So endet der Lagertausch auf Düsseldorfer Seite um 5 Uhr morgens am 30. März. Genau dann, wenn der Rheinufertunnel wegen des Austauschs zweier tonnenschwerer Ventilatoren gesperrt wird.

Auch Gehwegplatten wurden am Wochenende eingehängt
Zeitgleich zum Lagertausch auf der Neusser „Südbrückenseite“ wurden außerdem einige Gehwegplatten eingesetzt. „Das hätten wir bereits vor mehreren Wochen machen können“, so Schulte-Hammerschmidt. „Aber weil aus Sicherheitsgründen der Austausch nur bei Vollsperrung der Brücke durchgeführt werden kann, haben wir den Plattenaustausch auf den Zeitraum gelegt, in dem die Brücke sowieso schon gesperrt werden muss.“
Trotz der Neuerungen in der Brückenstatik bleibt es dabei, dass lediglich Kraftfahrzeuge mit maximal 7,5 Tonnen Gesamtgewicht die Brücke überqueren dürfen, mit Ausnahme der Rheinbahn. Wenn die Baustellen auf der Oberseite der Brücke abgebaut sind, darf weiterhin nicht schneller als 50 km/h gefahren werden. Das dient auch dem Schutz der Bauteams, die sich demnächst um die Sanierung der Unterkonstruktion der Joseph-Kardinal-Frings-Brücke kümmern werden.