Düsseldorf feiert den internationen Frauentag und 40 Jahre Gleichstellungsarbeit

Die Veranstaltungen zum internationalen Frauentag am 8. März haben in Düsseldorf bereits Tradition. Entsprechend schnell waren die kostenlosen Tickets für das Schauspielhaus vergriffen, wo am Sonntag unter dem Motto “Will alles oder nichts – 40 Jahre Gleichstellung in Düsseldorf” gefeiert wurde. Eingeladen hatten Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und die Leiterin des Amts für Gleichstellung und Antidiskriminierung, Elisabeth Wilfart. Gemeinsam begrüßten sie die zahlreichen Gäste.

Auf Wilfarts Frage an Keller, was seine relevanteste Entscheidung für die Gleichstellung war, gab es eine überraschende Antwort
Die erfuhren, dass Düsseldorf eine der wenigen Städte ist, in denen die Gleichstellung als eigenes Amt existiert. OB Keller betonte, dass damit auch der Stellenwert des Amtes als vollwertiger Teil der Stadtverwaltung ausgedrückt wird. Viele Lacher erhielt der Oberbürgermeister für die Antwort auf Wilfarts Frage, welches seine relevanteste Entscheidung für die Gleichstellung in Düsseldorf gewesen sei. Schmunzelnd bekannte Keller, dies sei wohl die Absage als Mitglied im Vorstand des Düsseldorfer Jonges gewesen, da sie immer noch keine Frauen aufnehmen. „Aber die Jonges werden diese Debatte seitdem nicht mehr los“, weiß Keller und prophezeite „entweder sie regeln das in den nächsten fünf Jahren oder sie verschwinden gesellschaftspolitisch in der Bedeutungslosigkeit“. Der Applaus der vielen Frauen im Saal war ihm sicher.

Die Moderatorinnen Pia Schwier und Käthe Lorenz
Als Stargast war Rock-Legende Doro Pesch ins Schauspielhaus gekommen und begeisterte mit ihrem Song “All We Are”. Im Talk mit den Moderatorinnen Käthe Lorenz und Pia Schwierz berichtete sie, dass bereits als Kind im Alter von drei Jahren den Wunsch hatte Sängerin zu werden. Als Frau im Musikgeschäft sei es immer noch schwer, aber sie habe sich immer als Mensch gefühlt. „Es war nie das Ding, das man Frau war und wenn ich mit meiner Band unterwegs bin, sind das 15 Mann und eine Frau.“

Doro der spezielle Gast bei der Feierstunde im Schauspielhaus
Auf der Bühne war eine Geburtstagsinstallation aufgebaut und jeder Gast steuerte ein Mitbringsel bei. Doro hatte dafür ein Mikrofon mitgebracht, das symbolisch dafür stehe, lautstark die Stimme zu erheben und auch Dinge zu sagen, die unbequem sind. Frauen müssen Frauen unterstützen, appellierte Doro und berichtete über ihr Engagement für die U19-Frauen Mannschaft.

Doro führt das Shouten zur Begeisterung von Käthe Lorenz vor

rockige musikalische Begleitung
Nach einer musikalischen Einlage der Band nahmen Maria Kofidou, CEO der Düsseldorf Congress GmbH, sowie die Schwestern Victoria und Juliane Frankenheim, Geschäftsführerinnen des Bestattungshauses Frankenheim, als Talkgäste die Plätze auf der Bühne ein.

(v.l.) Victoria Frankenheim, Maria Kofidou und Juliane Frankenheim im Talk mit Käthe Lorenz
Käthe Lorenz entlockte ihnen die Geheimnisse erfolgreicher Führungsarbeit, die in guter Kommunikation bestehe und das nicht Qualifikation alleine ausreichend sei, sondern auch die Sozialkompetenz stimmen müsse. Die Schwestern haben vor acht Jahren mit vielen neuen Ideen die Geschäftsführung des Bestattungsunternehmens in der sechsten Generation übernommen und mussten auch die Erfahrung machen, dass nicht alles so funktioniert, wie sie sich das vorgestellt haben. Seit einem Jahr sind nun beide Mütter und können nur bestätigen, dass die Bedeutung von Gleichstellung damit einen anderen Stellenwert bekommen hat. Maria Kofidou ist eine von vier Frauen, die in der vergangenen Woche die erfolgreiche Premiere des Female Network Festival mit 1000 Gästen gefeiert haben und damit ihr Motto „Frauen müssen Banden bilden“ verwirklichten.

Die Mitbringsel zum 40. Geburtstag
Als Mitbringsel für die Geburtstagspyramide hatten die Frankenheims ein Mobile als Sinnbild für Gleichgewicht mitgebracht. Kofidou steuerte ein Bild der Europa bei, als Symbol dafür, dass es egal sei, wo man geboren sei oder herkomme, es zähle, was man der Gesellschaft gibt.

Voguing Performerin Zoe
Für einen weiteren künstlerischen Akzent sorgte Marie-Zoe Buchholz mit einer eindrucksvollen Voguing-Tanzperformance. Im anschließenden Gespräch diskutierte sie gemeinsam mit Schauspielerin und Juniorprofessorin Hannah Werth über die Herausforderungen und Möglichkeiten, Mutterschaft und Arbeit im Kulturbereich miteinander zu vereinbaren.

Käthe Lorenz im Gespräch mit Hannah Werth und Zoe (v.r.)
Hannah Werth fasste es kurz zusammen: „Kulturbereich und Care-Arbeit passen nicht zusammen“. Sie hat zwei Kinder und sich von einem festen Engagement im Schauspielhaus verabschiedet, da dies nicht mit ihrem Familienleben vereinbar war. Mittlerweile arbeitet sie auch als Regisseurin und betont, dass sich die Einstellung ändern müsse. Die Powerfrage sein „was brauchst du?“, um auch Müttern eine Zusammenarbeit bieten zu können. Dazu gehöre viel Kommunikation, was viele immer noch nicht einsehen. Zoe ist Mitglied der Ethik-Kommission im Dachverband Tanz. Nach #metoo und #blacklivesmatter konstatiert sie, dass Ausbeutung und Ungleichbehandlung Bestandteil des Systems sei, das es zu bekämpfen gelte. Als Geschenk hat sie einen Scheiterhaufen mitgebracht und kritisiert, dass Düsseldorf die Hexenverbrennung im August 1738 in Gerresheim von Helena Curtens und Agnes Olmans immer noch nicht rehabilitiert hat. Hannah Werth steuerte das Straßenschild „Luise-Rainer-Platz“ bei, da sie gerne gehabt hätte, dass der Gustaf-Gründgens-Platz nach der Düsseldorfer Schauspielerin benannt worden wäre.

Co-Moderatorin Pia amüsierte gemeinsam mit Elisabeth Wilfart und Susanne Kaufmann über die Anfänge des Gleichstellungsbüros
Zum Abschluss der Veranstaltung gaben die Gleichstellungsbeauftragte Elisabeth Wilfart und ihre Stellvertreterin Susanne Kaufmann einen Einblick in die Entwicklung der Gleichstellungsarbeit in Düsseldorf. Sie spannten den Bogen von den Anfängen der damaligen Frauen-Gleichstellungsstelle bis zum heutigen Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung und zeigten auf, wie sich die Themenschwerpunkte in den vergangenen vier Jahrzehnten verändert haben. Neben der Gleichstellung von Frauen und Männern stehen heute auch Diversity und Antidiskriminierung im Fokus der Arbeit. Amüsante und zugleich aufschlussreiche Einblicke in den Arbeitsalltag des Amtes bot ein Quiz mit dem Publikum, das für viele überraschende Momente und einen lebendigen Abschluss der Veranstaltung sorgte. Als Geschenk brachten sie eine Waage als Zeichen für Gerechtigkeit und Gleichheit mit.

“Für dich soll es rote Rosen regnen” stimmte Elisabeth Wilfart an und wurde von Sängerin der band und den Gästen im Saal begleitet
Das Publikum bedankte sich mit großem Applaus und genoss das anschließende Netzwerken im Foyer bei Getränken und Imbiss.