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Home›Kultur›Alle mal gucken! „Community“ im Kunstpalast Düsseldorf

Alle mal gucken! „Community“ im Kunstpalast Düsseldorf

Von Birgit Koelgen
11. Februar 2026
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Spielen erlaubt: Die vergrößerten Familienbilder in der Installation von Anke Heelemann dürfen umsortiert und für eigene Fotos arrangiert werden. Foto: bikö

Gruppenfoto! Das war immer ein aufregender Moment – auf der Klassenfahrt, beim Familienfest, im Turnverein. Die Kleinen nach vorne, die Großen nach hinten! Nicht zappeln. Und bloß niemanden verdecken! Alle mussten schön in die Kamera gucken, denn hier ging’s um die Erfassung einer bestimmten Konstellation. Eine nahezu feierliche Aktion gegen das Vergessen. Heutzutage hält der coole Mensch das Handy einfach zum Gruppen-Selfie hoch. Die Fülle der Bilder in jedermanns Cloud macht es schwer, das Besondere zu erkennen. Und doch widmet der Kunstpalast Düsseldorf dem Thema eine muntere Ausstellung: „Community“.

Auf der Spur der Gruppenfotografie: Kuratorin Linda Conze (rechts) und Pressesprecherin Sarah Wulbrandt im Kunstpalast. Im Hintergrund: Dorf-Bilder von Werner Mahler. Foto: bikö

Viele werden sich dort wiederfinden: Im letzten Raum wurden eingesandte Gruppenbilder aus der Region an die Wand gepinnt – von der Karnevalsgesellschaft Regenbogen bis zum Gerresheimer Männerchor. Mehr darf dazu kommen, und vor Ort können Fotos gemacht und gespeichert werden. Das passt ins Konzept von Generaldirektor Felix Krämer, der den Kunstpalast „zum Haus aller Düsseldorfer machen will“. Für Kuratorin Linda Conze, Chefin der hauseigenen Fotosammlung und Erfinderin der Ausstellung, geht es auch um den theoretischen Überbau. Weil „Gemeinschaft per se unsichtbar ist“, schreibt sie im Katalog, also eher ein Wunsch oder eine Behauptung, komme die Fotografie „dem Vorhaben entgegen, Bindungskräfte zu entfalten“. Auch Abgrenzung werde so deutlich gemacht.

Wer steht vorn?

Gleich wird’s ernst: Die Jugend der SV Rhenania bereitet sich auf ein Gruppenbild vor. Fotografin Juliane Herrmann hat von der Aufstellung ein Video gemacht. Foto: bikö

Was man auf dem fertigen Foto nicht sehen kann, sind die kleinen Machtkämpfe, die vorausgehen. Die Kölner Fotografin Juliane Herrmann macht das deutlich, indem sie Gruppen heimlich bei der Aufstellung filmt. Gleich vorn am Eingang läuft im Kinoformat ein Video von der Schwimm-Mannschaft des SV Rhenania Köln. Die größeren Jungs zeigen grinsend ihre Muckis und haben die kleineren an die Seite gedrängt. Ganz ähnlich, nur subtiler und mit Schlips und Kragen, lief es 2024 bei einem Fototermin der Tischbaase der Düsseldorfer Jonges. Man sieht, wie sie sich begrüßen, jovial auf die Schulter klopfen, dann ihren Platz einnehmen. Die einen postieren sich forsch vorn, andere halten sich diskret im Hintergrund.

Schnappschüsse aus schwarzen Communities in Deutschland wurden von der Künstlerin Cate Lartey im „Black Archive Germany“ gesammelt. Foto: bikö

Ein Gemeinschaftsfoto erzählt viel über die Identität der Gruppe und die Rollen des Einzelnen. In Zeiten von KI kann man da nicht mehr so sicher sein, Fotomontagen sind zu perfekt. Damit spielen Künstler wie die Brasilianerin Mayara Ferrão, die konventionelle alte Fotos mit queeren Paarungen verwandelte, oder der Senegalese Omar Victor Diop, der sein fröhliches Selbstporträt in Gruppenbilder aus der weißen amerikanischen Mittelschicht der 1950er- und 60er-Jahre einfügte. Mit subversivem Humor wird da gegen Intoleranz und Rassismus protestiert. Sichtbarmachen ist das Ziel des „Black Archive Germany“, einer Sammlung von Schnappschüssen aus schwarzen Communitys in Deutschland, zusammengetragen von der Künstlerin Cate Lartey.

Dorf-Romanze

Hommage an das thüringische Dorf Berka von Ludwig Schirmer (um 1950). Foto: bikö

Um eine ganz andere Gemeinschaft geht es in einem Raum, der ganz einem thüringischen Nest gewidmet und von einer gewissen Ostalgie geprägt ist. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Müllermeister Ludwig Schirmer begonnen, die Feldarbeit und die Feste in einem Dorf namens Berka zu fotografieren (nicht identisch mit dem Kurbad Berka). Sein Schwiegersohn Werner Mahler, Profi-Fotograf, besuchte die kleine Gemeinde 1977 für seine ostdeutsche Diplomarbeit und 1998 im Auftrag des westdeutschen Magazins Stern. Schirmers Tochter Ute Mahler schließlich vollendete den Zyklus vor wenigen Jahren mit neuen Bildern, die von zunehmender Vereinzelung sprechen und dennoch, so Conze, „eine zärtliche und solidarische Sichtweise“ beibehalten.

„Augen funkeln auf der Suche nach der Wahrheit“ nennt der junge iranische Künstler Amin Yousefi diese Vergrößerungen aus der Zeit der Iranischen Revolution 1978/79. Foto: bikö

Solidarität kann anschwellen und zum Drama werden – oder zum Zwang. Das zeigen Turnbrigaden aus den 1930er-Jahren, aber auch die Einzel-Vergrößerungen, die der junge, in London lebende Iraner Amin Yousefi aus historischen Abbildungen der Iranischen Revolution 1978/79 gemacht hat. Aus der Nähe sieht man Anti-Schah-Demonstranten, dazu einen behelmten Soldaten: „Augen funkeln auf der Suche nach der Wahrheit“. Etwas seltsam, wenn man an die neueste Entwicklung denkt …

Menschenleer

Menschenmengen auf historischen Pressefotos zeigt Bogomir Ecker auf seinem Tableau „Das Ende des amerikanischen Zeitalters“ – und verrät nichts darüber. Foto: bikö

Die Bewertung ist dem Betrachter überlassen. Wie bei einem Tableau von Pressefotos mit Menschenmengen, die der Düsseldorfer Konzeptkünstler Bogomir Ecker 2010-19 unter dem maliziösen Titel „Das Ende des amerikanischen Zeitalters“ zusammengestellt hat. Man weiß nicht, was die Leute umtreibt: Politik, Propaganda, Popkultur? Wird nicht verraten. Von Enge und Ecken erzählen derweil die „Menschen im Fahrstuhl“, die Heinrich Riebesehl 1969 fotografiert hat – eine unfreiwillige Gruppierung.

Keiner da! Orte der Geselligkeit waren im Corona-Lockdown abgesperrt. Andreas Langfeld machte daraus in Düsseldorf gespenstische Fotos. Foto: bikö

Auch Menschenleere gibt es in der Schau. Während der Lockdowns in der Corona-Pandemie hat der Düsseldorfer Künstler Andreas Langfeld mit Absperrband gesicherte Orte der Geselligkeit fotografiert. Ein Glück, dass das vorbei ist – und wir uns wieder miteinander amüsieren dürfen. Zu den spielerischen Elementen der Schau gehört eine Installation der Weimarer Künstlerin und Fotosammlerin Anke Heelemann, die anonyme Familienbilder zerteilt und auf lebensgroße Pappen gezogen hat. Man darf sie umstellen, sich einreihen und natürlich: ein Gruppenfoto machen, bevor man zuhause mal wieder nach den alten Klassenbildern guckt.

Was, wann und wo?

„Community – Fotografie und Gemeinschaft“: bis 25. Mai im Kunstpalast Düsseldorf, Ehrenhof 4-5. Geöffnet Di. bis So. 11 bis 18 Uhr, Do. bis 21 Uhr. Eintritt: 13 Euro (16 Euro für das ganze Haus), Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen nichts. Der Katalog, herausgegeben von Linda Conze, hat 144 Seiten mit 160 Abbildungen und kostet im Museumsshop 29,80 Euro. www.kunstpalast.de

StichworteEhrenhofKunstpalast
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