Kunst wie stille Musik: Brigitte Dümling im Malkasten Düsseldorf

Niemand kann diese kleine Frau übersehen. „Brigitte ist ein Energiebündel“, bemerkt nicht nur ihr Sammler und Mäzen Ansgar Heitkamp. Mit der Kraft, Elastizität und Konzentration einer Turnerin, die sie als Mädchen war (noch heute demonstriert sie mal eben eine Vorbeuge zum Neidisch-Werden), arbeitet die 75-jährige Brigitte Dümling an ihrem malerischen Werk. Figuren oder Landschaften sind nicht zu erkennen, prägen aber den Ausdruck. Abstraktion entsteht hier aus dem Erlebten, losgelöst von der Abbildung, der Musik verwandt. Das zeigt eine Einzelausstellung von Brigitte Dümling im Jacobi-Haus des Künstlervereins Malkasten: „Mein Instrument – der Pinsel“.

Durchblick: Das historische Jacobi-Haus ist Club-Haus und Bühne wechselnder Ausstellungen im Künstlerverein Malkasten. Foto: bikö
Die Sache mit dem Instrument ist nahezu wörtlich zu nehmen. Ein paar sehr zarte, schwebende Tuschzeichen zwischen den Fenstern des Historischen Hauses entstanden bei einer Malperformance zu Musik 2020 in Israel. Auch in der Düsseldorfer Tonhalle malte Brigitte Dümling schon live – zu Mussorskys „Bildern einer Ausstellung“. Eine Art Training ging voraus. Denn so leicht und spontan die malerischen Gesten auch wirken, sie werden von der Künstlerin streng komponiert, kontrolliert, eventuell ergänzt. Es kann schnell gehen oder ein halbes Jahr dauern, bis sie ein Werk als vollendet betrachtet.
Naturverbundenheit

Malerischer Eindruck einer Landschaft: Wie eine “Songline” hat Brigitte Dümling das mehrteilige Werk ohne Titel aufgehängt. Foto: bikö
An ihren legendären Meister Joseph Beuys, bei dem die Pfarrerstochter aus Wuppertal in den 1970er-Jahren die Freiheit der Kunst studierte, erinnert Brigitte Dümlings Arbeit nicht. Sie will der Welt keine Ideen aufdrängen. Aber sie ist wie Beuys unbeirrbar und ganz dem eigenen Weg verpflichtet. Nebenbei engagiert sie sich für Kolleg*innen und hat 2010-14 den Verein der Düsseldorfer Künstler als Vorstandsvorsitzende geleitet. Kommunizieren und Präsentieren ist wichtig – und wird manchmal zu viel. Dann verlässt sie das Atelierhaus an der Sittarder Straße und reist an den Chiemsee, wo sie ein Atelier hat, radelt, schwimmt, wandert und Inspiration in der Natur findet.
Wer das weiß, erkennt etwas in der Doppelreihe von Bildern, die sie „wie eine Songline“ auf der gelb getupften Wand des Goethe-Saals arrangiert hat. Weht es da nicht wie Schilf an den Ufern? Sind das kräuselnde Wellen? Der Flügelschlag eines Vogels? Ein Sonnenstrahl im Nebel? Der Schatten eines Menschen? Oft, erzählt sie in einem Filmporträt von Jürgen Hille, sieht sie „in einem Strichlein mich selber“. Absichtlich einsam und eins mit sich.
Innerer Bildervorrat

Nicht zu übersehen: die Kombination aus verschiedenen Formaten von Brigitte Dümling im Treppenhaus des Jacobi-Hauses. Foto: bikö
Unter der Treppe hängen Tuschen auf Malkarton, klein, schwarz-weiß. Präsent wie asiatische Kalligraphien. Nur eigensinniger, wilder. Oben, auf dem Treppenabsatz, an der grauen Wand, dominiert eine Kombination aus kleinen und größeren Formaten. Nicht symmetrisch und der Reihe nach, sondern spannungsvoll gehängt. Ein Mini-Quadrat mit schwarzem Horizont tanzt nach links raus. Schräg darüber schwebt ein Bogen über dunkelroten Schwüngen. Eine vorwitzige Form in Aquamarin auf einem kleinen Format zieht die Blicke auf sich. Das alles, sagt die Künstlerin, „fließt aus dem Bildervorrat in mir“.
Gelegentlich will der Bildervorrat auch aus der Fläche heraus. Dann bemalt Brigitte Dümling keramische Objekte: Dreiecke, die sie selbst aus der Tonscheibe schneidet, oder Gefäße, die sie nach eigenen Entwürfen töpfern lässt. In den alten Vitrinen des Jacobi-Hauses sind sie sicher aufgehoben, dreidimensionale, zerbrechliche Werke. Am liebsten hat die Künstlerin einige bauchige Vasen mit spitzen, drehbaren Deckeln, die fast wie Figuren wirken. „Meine japanische Tänzerin“ nennt sie ein mit zartem Grau betupftes Objekt. Die Pinselstriche sind wie Töne einer feinen Musik.

Das Zerbrechliche steht sicher in der Vitrine: Brigitte Dümling zeigt einige ihrer bemalten Keramiken. Foto: bikö
Finissage mit Film
„Brigitte Dümling: Mein Instrument – der Pinsel“. Bis 17. März im Jacobihaus des Künstlervereins Malkasten, Jacobistr. 6A. Das historische Gebäude ist jeden Dienstag am Clubabend von 17 bis 21 Uhr für das Publikum geöffnet. Besuch auch auf Absprache unter Tel. 0211 / 356-471. Zur Finissage am 17. März um 19 Uhr wird der Film „Brigitte Dümling: Raum – Zeit – Farbe“ von Jürgen Hille gezeigt. www.malkasten.org