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Home›Kultur›Rundgang Akademie Düsseldorf: Die junge Kunst geht in sich

Rundgang Akademie Düsseldorf: Die junge Kunst geht in sich

Von Birgit Koelgen
3. Februar 2026
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Fünf Tage lang öffnet sich die Tür der Düsseldorfer Kunstakademie: Rundgang. Foto: bikö

Man hat sich verschanzt an der Düsseldorfer Kunstakademie. Nach harscher Kritik am Auftritt der palästinensischen Filmemacherin Basma al-Sharif (wegen antisemitischer Äußerungen) wurde die Öffentlichkeit kurzerhand von der umstrittenen Veranstaltung ausgeschlossen. Die viel beschworene Freiheit der Kunst fand hinter verschlossenen Türen statt. Jetzt darf man zum Glück wieder eintreten: Fünf Tage lang laden die Klassen der Hochschule zum traditionellen Winter-Rundgang. Dabei zeigt sich: Es wird vielleicht mal heimlich auf dem Flur geraucht. Ansonsten ist die junge Kunst gar nicht auf Krawall gebürstet. Eher in sich gekehrt.

Ganz vorne im Erdgeschoss: die Klasse Bircken mit Werken (vorne) von Anna Francesca Fuhrich, Marie Schubert, Tonia Fee Grass und (rechts an der Wand) Amelie Strömer. Foto: bikö

Wer Glück hat, erlebt zwar eine halbwilde Performance in der Klasse des jungen Professors Nick Mauss – ein Student beschmiert Kopf und Oberkörper tapfer mit Lehm und Stroh – aber in der Regel herrscht Introvertiertheit. Im helllichten Raum der Klasse von Alexandra Bircken stakst ein stählerner „Ladybug“ (Marienkäfer) von Marie Schubert über einen „Bienenfresser“-Teppich, den Anna Francesca Fuhrich aus Kletten und Vogelbalg geformt hat. Nebenan hat Fynn Bierik, Schüler von Gregor Schneider, aus Theaterholz eine „Stellprobe“ gebaut. Durch einen Torbogen betritt man eine Art Bühne, auf der Scheinwerfer für ein Schattenspiel sorgen, dahinter ist der Abgang, Rückzug, mit weißen Handtüchern über dem Waschbecken. Atmosphärische Raum-Kunst.

Stille Raumkunst: Fynn Bierik aus der Klasse Gregor Schneider in seiner Installation „Stellprobe“. Foto: bikö

Das Verdrängte

Ein Altmeister für das Skurrile ist der 1956 geborene Bildhauer Thomas Grünfeld, berühmt für seine tierischen Mischwesen („Misfits“). Seine Schülerin Merve Vila hat zuvor an der Burg Giebichenstein in Halle das Kunstschmiedehandwerk gelernt und haut aus dem glühenden Eisen ihre eigenen skulpturalen Klingen, die sie dann als Objekte in Wachs versenkt. Das sollen keine Waffen sein, betont sie. Aber sie zeigen ihre Stärke.

Selbst geschmiedet hat Merve Vila die Klingen, die sie in Wachs gelegt und dadurch zu einem Objekt ohne Titel gemacht hat. Foto: bikö

Hyeon Ung Ko, Koreaner aus der Klasse Schneider, arbeitet nicht mit Emotionen, sondern fordert historisches Interesse. Er recherchierte alles über den Westdeutschen Verein für Kolonisation und Export, der seinen Sitz in der alten Tonhalle an der Schadowstraße hatte. Tische voller Bücher, Dokumente, Zeichnungen stehen auf Schotter, der an Bergwerke und Ausbeutung erinnern soll. Das Ganze nennt Ko „WVKE – Wir verdrängen kollektive Erinnerungen“.

Von verdrängten kollektiven Erinnerungen handelt die Rauminstallation von Hyeon Ung Ko aus der Klasse Schneider. Foto: bikö

Weniger anstrengend sind die Skulpturen der Klasse von Martin Gostner, der seinen Schüler*innen aufgab, eine „Hommage“ an was auch immer zu schaffen. Katie Irmen setzte eine „Flehende“ Frauenfigur aus Pappmaché an einen Tisch, um die Bildhauerin und unglückliche Rodin-Geliebte Camille Claudel zu würdigen.

Eine Hommage an Zerbulot-Records ist das raffiniert verkabelte Eurorack Module „System 1“ von Riad Nassar. An der Wand: Zeichnung von Tyr Curto. Foto: bikö

Riad Nassar baute ein individuell verkabeltes Eurorack Module, das ticken, brummen und eine Art Musik machen kann – Hommage an Zerbulot-Records. Still wird’s in den weiten Räumen der Klasse von Peter Piller (Freie Kunst), wo Charlotte Rupprath auf einer Fotoarbeit ein Pferd hinter dem Leib eines anderen versteckt („Horsepower“), und Alissa Ritter ihre geduckten weißen Polyester-Schwäne auf den Boden setzt. Bei Piller gibt es stets viel Mut zu Luft und Lücke.

Viel Luft in der Klasse Piller. Auf dem Boden „Swans“ (Schwäne) von Alissa Ritter, an der Wand die Fotoarbeit „It’s a Matter of Horsepower“ von Charlotte Rupprath. Foto: bikö

Gruß nach Hamburg

Happening: Betten wie dieses, auf dem Christian Löffel und Shannon Sinclair sitzen, gehören zur Aktion „Inhabilia“ der Klasse Meyers im Hamburger Thalia-Theater. Foto: bikö

Die Klasse von Ari Benjamin Meyers hingegen macht von sich reden – an der Waterkant. Sie ist derzeit zu Gast im Hamburger Thalia-Theater und wohnt während des Lessing-Festivals auf Einladung des Dramaturgen Matthias Lilienthal in den Foyers. „Inhabilia“ heißt das moderne Happening mit Betten und mobiler Küche. Gäste sind willkommen. Ein Bett im Düsseldorfer Klassenzimmer sowie eine Wand voller Postkarten (auch das Publikum darf welche schreiben) weisen am Rhein auf die muntere Aktion hin.

Die Klasse von Danica Dakic macht mehr als Video – geht auch in den Raum. Die Vögel am Fenster sind von Julia Reisinger, das Bodenobjekt von Naomi Xila-Xulis. Foto: bikö

Währenddessen beweist die Klasse von Video-Professorin Danica Dakic mit der Aktion „Undisciplined Body“, das sie interdisziplinär arbeiten kann. Julia Reisinger hat die Schatten riesiger Vögel als „Grenzgänger“ an das Fenster montiert. Naomi Xila-Xulis setzte einen elektronisch krabbelnden Käfer („Escarabajo“) in eine ausweglose kleine Landschaft am Boden.

Endlich Farbe

Aus einer Zwischenwelt: Nastja Dittmar aus der Klasse von Yesim Akdeniz neben ihrem Bild „In between I belong“. Foto: bikö

Und dann ist da noch die Düsseldorfer Malerschule der Gegenwart. Nicht zu verachten – von Nastja Dittmars schattenhaftem Selbstporträt aus einer Zwischenwelt („In between where I belong“, Klasse Akdeniz) bis zu den üppigen Fantasien aus der Klasse von Katharina Wulff: Szenen des Lebens und abstrahierende Experimente.

Eins für alle: Die Klasse Scheibitz hat gemeinsam ein Gittergestell für die Präsentation ganz verschiedener Gemälde entworfen. Foto: bikö

Die Klasse Scheibitz hat ein leichtes, aber stabiles Gestell entworfen, an dem unterschiedlichste Bilder unkonventionell befestigt wurden, eine gemeinschaftliche Installation mit Malerei. Und in der Klasse von Sabrina Fritsch ging man sogar unter die Decke wie die alten Freskenmeister. Konrad Weichs und Alvar Wetzel befestigten ihre Zeichnungen und Drucke hoch oben – mit Hilfe eines Gerüstes.

Hoch hinaus bis unter die Decke sind Konrad Weichs und Alvar Wetzel mit ihrer Kunst gelangt. Foto: bikö

Schon stellt sich eine gewisse Müdigkeit ein – wir sind bereits auf der dritten Akademie-Ebene, im zweiten Stock. Aber da wartet noch mehr in der Klasse Fritsch: ein mächtiges „Balg“-Objekt mit Ziehharmonika-Struktur von Anna Orlinski neben einem zarten Reliefbild von Amélie Chioma Versch („state of mind“, Acryl und Wachs auf Frottee) zum Beispiel.

In der Malklasse von Sabrina Fritsch darf auch skulptural gearbeitet werden. Anna Orlinski steht neben ihrem Objekt „Balg“. Links an der Wand: „State of Mind“ von Amélie Chioma Versch. Foto: bikö

Da ist auch ein Pool (Gregor Leiprecht), in den „wind-hauch-dünn“ bemalte Vorhänge von Sunyou Jeong flattern. Wer sehen will, welche Bücher auf einem Tisch dahinter liegen, muss die Schuhe ausziehen und durchs Wasser waten.

Meditatives Waten in einer Pool-Installation von Gregor Leiprecht und Ari Behnke Llanos. Die Stoffbahnen wurden von Sunyou Jeong bemalt. Foto: bikö

Trockenen Fußes kommt man noch in die Klasse von Ellen Gallagher, wo Felix Giesen mit heftiger Malerei die Burschenschaften anklagt („Kreuzabnahme Deutschlands“). Kommilitonin Sarah Grochla hingegen zeichnet fein auf Baumwolle – mit kleinem Rahmenschleier („Almost“). Das Subtile siegt.

Studentin der Klasse Gallagher: Sarah Grochla mit ihrer zart verschleierten Zeichnung “Almost”. Foto: bikö

Fleißig gucken

Der Rundgang der Studierenden an der Kunstakademie Düsseldorf, Eiskellerstraße 1, ist bis Sonntag, 8. Februar, für das interessierte Publikum geöffnet. Jeweils 10 bis 20 Uhr. Eintritt frei. www.kunstakademie-duesseldorf.de

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