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Home›Düsseldorf›Düsseldorf: Gedenken an die deportierten Sinti und Roma

Düsseldorf: Gedenken an die deportierten Sinti und Roma

Von Ute Neubauer
15. Mai 2024
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Die Kranzniederlegung an der Figur "Ehra – Kind mit Ball" mit Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Wilhelm Mettbach von der Sinti-Union Düsseldorf, Foto: Stadt Düsseldorf, Michael Gstettenbauer

Ein Kranz erinnerte am Mittwoch (15.5.) am Mahnmal “Ehra – Kind mit Ball” am Alten Hafen an die schrecklichen Taten vor 84 Jahren im „Zigeunerlager“. Das Mädchen Ehra wurde während der Nazi-Zeit im Lager am Höherweg in Düsseldorf Lierenfeld interniert. Dort waren rund 200 Düsseldorfer Sinti und Roma festgesetzt worden. Ehra wurde gemeinsam mit ihnen am 16. Mai 1940 deportiert. Polizei und SS trieben die Menschen zusammen, sie durften nur das Nötigste packen. Über ein Sammellager in Köln-Deutz wurden rund 1000 Menschen, darunter 130 Kinder, nach Polen deportiert. Dort fielen sie Massenerschießungen oder den Morden in den Vernichtungslagern zum Opfer. Ein Großteil der Düsseldorfer Sinti überlebte den nationalsozialistischen Völkermord nicht.

Dr. Stephan Keller bei seinem Grußwort

 

Die Mahn- und Gedenkstätte erinnerte am Mittwoch gemeinsam mit Oberbürgermeister Stephan Keller und der Sinti-Union Düsseldorf an die große Deportation Sinti und Roma. Nach der Kranzniederlegung gab es eine Gedenkstunde im Beatrice-Strauss-Zentrum der Mahn- und Gedenkstätte an der Marktstraße. Nach Ansprachen von Dr. Keller und Wilhelm Mettbach von der Sinti-Union Düsseldorf stellte der Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, Dr. Bastian Fleermann, das Buch “Ausgrenzung und Faszination. Sinti und Roma in Düsseldorf und im nördlichen Rheinland vom Spätmittelalter bis zum Ersten Weltkrieg” vor.

Dr. Bastian Fleermann mit dem Buch, Foto: Stadt Düsseldorf, Michael Gstettenbauer

“Das Buch ist der erste Teil einer umfassenden Geschichte der Sinti und Roma in unserer Stadt, der zweite Teil wird schwerpunktmäßig die Verfolgung während der NS-Herrschaft behandeln. Dieser zweite Band erscheint in den kommenden Jahren. Für die heute in Düsseldorf lebenden Sinti hat das Buch große Bedeutung. Es belegt ihre Existenz in der Stadt über Jahrhunderte hinweg“, betonte Bastian Fleermann.

Erste Belege für die Sinti in Düsseldorf und im nördlichen Rheinland gehen auf das Jahr 1454 zurück. Das Buch beginnt in seiner Darstellung an diesem Zeitpunkt und endet mit dem Ersten Weltkrieg. Es zeigt auf, dass die Sinti und die Roma oft auf Argwohn und Verachtung stießen. Quellen belegen neben Anfeindungen und Ausgrenzungen aber auch Phasen friedlicher Koexistenz und Zusammenarbeit. Die Sinti und Roma entwickelten Überlebens- und Anpassungsstrategien, um staatlichen Repressionen zu entgehen und sich zu behaupten.

Das Buch ist ab dem 28. Mai im Buchhandel oder ab sofort in der Mahn- und Gedenkstätte, Mühlenstraße 29, erhältlich. Es kostet 22 Euro. Der Landschaftsverband Rheinland, die Katholische Kirche und die Evangelische Kirche Düsseldorf haben sich an der Finanzierung des Buches beteiligt. Es wird im Auftrag des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf herausgegeben.

Musikalisch begleitete das Traubeli-Reinhardt-Trio die Veranstaltung.

 

 

StichworteDeportationGedenkenMahn- und GedenkstätteSinti und Roma
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