Düsseldorf: „Hinschauen statt Draufhauen“ – Kampagne für mehr Respekt für Obdachlose

Es bleibt nicht bei verbalen Beleidigungen wie „dich hätte man früher vergast“, „fette Sau“ oder „Penner“, wenn die Fiftyfifty-Verkäufer*innen die Zeitung in der Stadt anbieten. Auch Rempeleien, das aus der Hand schlagen der Zeitungen oder körperliche Übergriffe sind keine Seltenheit. Diese Erfahrungen haben alle Verkäufer*innen des Straßenmagazins bereits gemacht. Dass die Anfeindungen mehr werden, wurden den Streetworker geschildert, als die Rede bei einem Verkäufertreffen auf das Thema kam. Alle konnten von negativen Erfahrungen berichten und beklagten den fehlenden Respekt ihnen gegenüber.
Damit einhergehend hat sich bundesweit ein neuer „Sport“ entwickelt, bei dem Obdachlose und Suchtkranke in hilflosen Situation gefilmt und lächerlich gemacht werden – oder noch schlimmen, sie attackiert und dabei aufgenommen werden. Die Videos werden im Netz gefeiert.

(v.l.) Die Fiftyfifty-Verkäufer*innen Moni und Django, Streetworker Niels Lenninghausen sowie die Verkäufer*innen Heiko, Björn und Gisa
Hubert Ostendorf von Fiftyfifty sieht eine Rechtsentwicklung der Gesellschaft, bei der immer mehr nach unten getreten wird. Die Obdachlosen seien die Schwächsten und könnten sich nicht wehren. Die Politik agiere zusätzlich kontraproduktiv, wenn sie eine Verschärfung der Straßensatzung mit einem Bettelverbot anstrebe. Die Fiftyfifty-Verkäufer*innen seien keine aggressiven Bettler*innen, sondern böten friedlich ihre Zeitungen an.
Django ist seit 22 Jahren Fiftyfifty-Verkäufer. Wenn ihm vorgeworfen wird, er sei Bettler, kann er nur den Kopf schütteln, denn schließlich arbeite er. An seinem mobilen Verkaufsstand in Kaiserswerth hat er einen Spruch stehen „reden sie mit uns, danach über uns“. Er ist sicher, dass viele Menschen mit Abscheu auf die Obdachlosen schauen, weil sie selber Angst haben mal in so eine Situation zu kommen.
In Deutschland gab es im vergangenen Jahr 2.563 registrierte Straftaten gegen Obdachlose, dabei kamen neun Menschen zu Tode. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein, da die Obdachlosen aus Angst vor der Polizei Straftaten selten anzeigen. Ostendorf hat die Bitte an alle Brüger*innen: Wer Straftaten gegen Obdachlose beobachtet, sollte bitte die Streetworker unter Telefon 0211-6012735 informieren.
Mit einer neuen Kampagne soll für mehr Respekt für die Obdachlosen geworben werden. Die Straßenmagazinverkäufer*innen haben leuchtend grüne Westen erhalten mit der Aufschrift „Hinschauen statt Draufhauen“. Ein Versuch die Menschen für die Situation der Menschen auf der Straße zu sensibilisieren. Weitere Information dazu und noch weitere interessante Artikel finden sich in der aktuellen November-Ausgabe der fiftyfifty von November, die für 3,40 Euro bei den Verkäufer*innen zu bekommen ist. 1,70 Euro davon dürfen die Verkäufer*innen behalten. Wer lieber online liest, kann dies über das ObdachLos tun. Der Preise ist ebenfalls 3,40 Euro und dazu gibt es im November die Chance auf den Gewinn einer Huawei Smartwatch.