Düsseldorf: Stilles Gedenken an den Wehrhahn-Anschlag vor 26 Jahren

Die Initiative „Wehrhahn erinnern“ hatte am Montag (27.7.) zum Gedenken eingeladen. Die Gruppierung hat das Ziel, die Erinnerung an den Wehrhahn-Anschlag aufrechtzuerhalten, damit die Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten. Sie sollen Teil des öffentlichen Bewusstseins von Düsseldorf werden und über die Geschichte und Gegenwart rechter Gewalt aufklären.

Die Installation nach einem Entwurf von Maurice Uhrhan markiert die Stelle, an der der Sprengsatz angebracht war und wurde zum Jahrestag mit Rosen geschmückt
Gab es im vergangenen Jahr zum 25. Jahrestag noch einen Kranz der Stadt und Reden von Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller und Bezirksbürgermeisterin Annette Klinke, war es in diesem Jahr eine eher kleine Veranstaltung. Vielleicht lag es daran, dass eine Stunde zuvor die Stadt zur Schweigeminute anlässlich des Anschlags beim CSD in Berlin aufgerufen hatte.

Banner und Blumen an der Gedenktafel zum Wehrhahn-Anschlag
Den mehreren Dutzend Menschen, die sich an der Gedenktafel am Wehrhahn eingefunden hatten, war es wichtig, auch 26 Jahre danach noch immer ihre Fassungslosigkeit über den heimtückischen, rassistischen und antisemitisch motivierten Anschlag auf zwölf Menschen auszudrücken. Unter ihnen die Gruppe der Omas gegen Rechts, aber auch zahlreiche jüngere Menschen, die die Tat nicht bewusst mitbekommen haben oder noch gar nicht geboren waren.
Genau darum geht es auch der Initiative „Wehrhahn erinnern“, denn die Tat ist ein Beispiel für Antisemitismus und Rassismus, wie er auch aktuell wieder zunimmt. Um Aufzuklären haben sie drei Audio-Installation erstellt, auf denen „Betroffenheiten“, „Ermittlungen & Prozess“ sowie „Erinnern & Gedenken“ von verschiedenen Menschen geschildert werden (Audios können hier angehört werden). Ekaterina Pyzova, Opfer des Anschlag, kommt darin ebenso zu Wort wie Studentin Chiara Zucconi, Stella Shcherbatova von der Beratungsstelle Antisemitismus in Köln und auch OB Keller. Jede Audio-Datei ist circa 11 Minuten lang. Einige Anwesende nutzten die Gelegenheit die Ton-Dokumente vor Ort anzuhören, andere folgten dem Rundgang, der vom Antirassistischen Bildungsforum Rheinland angeboten wurde.

Einige Teilnehmer*innen hörten die Audio-Installationen vor Ort an
Am Wehrhahn einen Gedenkort zu gestalten, war beim 25. Jahrestag angekündigt worden. Ein Fortschritt ist aktuell nicht erkennbar und vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass das Gedenken für viele offenbar nicht wichtig genug ist. Das spiegelt auch wieder, wie die Stadt jahrelang mit dem Anschlag und den Opfern umgegangen ist.
Chronologie des Anschlags
Am Eingang zur S-Bahn-Station Wehrhahn an der Ackerstraße explodierte am 27. Juli 2000 eine Bombe. Ein heimtückischer, rassistischer und antisemitisch motivierter Anschlag auf zwölf Menschen. Sie kamen aus Russland, der Ukraine, Aserbaidschan und Kasachstan nach Düsseldorf und besuchten einen Sprachkurs. Zehn von ihnen wurden bei dem Anschlag verletzt, einige lebensgefährlich, eine Frau verlor ihr ungeborenes Kind. Viele von ihnen wurden traumatisiert und leiden bis heute unter den Folgen des Anschlags. Aufgeklärt wurde der Anschlag nie, obwohl es Hinweise auf einen Täter aus der extremen rechten Szene gab. Der Tatverdächtige wurde freigesprochen. Die Betroffenen wurden nie offiziell als Opfer rechter Gewalt anerkannt oder entschädigt.
Weitere Informationen gibt es hier bei der Initiative “Wehrhahn erinnern”.