Theatermuseum Düsseldorf mit neuer Sonderausstellung “Punk 50: Demand the Impossible”

Rebellion, Nonkonformismus und Protestkultur – das war der Punk, der vor rund 50 Jahren auch Düsseldorf eroberte. Das Punk nun als Ausstellung im Theatermuseum zu sehen ist, ist Initiator Rüdiger Esch zu verdanken. Der Düsseldorfer kam im Ratinger Hof zur Musik und spielte in verschiedenen Bands. 2014 brachte Esch sein Buch „Electri_City. Elektronische Musik aus Düsseldorf“ heraus und organisiert seitdem die gleichnamige Konferenz, die jährlich in Düsseldorf stattfindet und Menschen aus dem Musikbusiness einlädt ins Gespräch zu kommen. Die Konferenz hat jeweils ein Schwerpunktthema und schon lange hatte Esch die Idee, ein Punk-Museum aufzubauen. Am Donnerstagabend (22.10.) erfüllte sich sein Traum.

Rudi Esch ist Initiator der Ausstellung, Foto: Dirk Schmidt
Jäki Hildisch ist der Kurator und widmete sich der schwierigen Aufgabe eine Ausstellung zusammenzustellen. Sein Ziel war, nicht nur einen Rückblick auf 50 Jahre Punk zu bieten, sondern auch eine Prise Humor einzubauen und vor allem eine Aussage für die aktuelle Jugend. Der Slogan “No Future” ist nach wie vor ein Thema. Viele der Ausstellungsstücke stammen aus seiner persönlichen Punk-Sammlung und wurden um Leihgaben aus dem Archiv B. ergänzt.

Sascha Förster im Gespräch mit Kurator Jäki Hildisch, Foto: Dirk Schmidt
“Be reasonable, demand the impossible” (übersetzt: Sei vernünftig, fordere das Unmögliche) druckte die Mode-Designerin Vivienne Westwood in den 1980er Jahren auf ein weißes Hemd. Mit diesem Slogan brachte sie den Kern von Punk zum Ausdruck und lieferte auch den Titel der Ausstellung „Punk 50: Demand the Impossible“. Eine Fotografie eines Models in dem Hemd ist ausgestellt. Punk sei eine Haltung, Neues zu tun, ohne sich an Regeln und Normen zu halten. Im Theatermuseum wird diese Haltung und ihrer konstanten Weiterentwicklung in unterschiedlichen Ländern und Communities gezeigt. Die Ausstellung versteht Punk nicht als abgeschlossenes historisches Kapitel, sondern als lebendiges Spannungsfeld zwischen Archiv und Gegenwart, Institution und Subkultur, Erinnerung und Aneignung.

Plakate, Fotos und andere Ausstellungsstücke sind zu sehen, Foto: Dirk Schmidt
Gezeigt werden zeitgenössische Fotografien, Fanzines, Buttons und Memorabilia sowie detailverliebten Modelle Jürgen Webers von wichtigen Punk-Kneipen wie dem Düsseldorfer Ratinger Hof oder dem Berlin SO36. Düsseldorf war eine der Keimzellen der Punk-Bewegung, die sich vor dem Hintergrund der Landeshauptstadt schnell nicht nur als musikalisches Neuland weiterentwickelte, sondern gleichzeitig Fundament eines Lebensstils wurde.
Sascha Förster, Leiter des Theatermuseums begrüßte die zahlreichen Gäste des Eröffnungsabends: “Punk und Düsseldorf – was zunächst nach einem Gegensatz klingt, gehört schon lange zusammen. Wir zeigen, wie tief die Punkbewegung in der Stadt verwurzelt ist und welche Impulse von Düsseldorf aus in die überregionale Szene getragen wurden. Damit rücken wir ein Phänomen, das Düsseldorf mitgeprägt hat, in den musealen Kontext. Das ist ein weiterer konsequenter Schritt auf dem Weg zum ‘Museum der Zukunft’. Wir wollen uns für Themen öffnen, die die städtische Identität ausmachen, und diese auf lebendige Weise vermitteln.”

Auch Kulturdezernentin Miriam Kopch sprach einige Worte, Foto: Dirk Schmidt
Und auch Kulturdezernentin Miriam Koch verriet bei ihrer Rede, dass sie in Niedersachsen aufwuchs und eher zur Gruppe der “selbstgestrickten Pullis”. Aber mit den Punks sei sie gerne auf Protesten, beispielsweise gegen Atomkraft oder Nazis gegangen. So schlug sie den Bogen, dass es wieder wichtig sei, gegen Rechts zu protestieren und endete mit den Worten „Kämpfen wir alle doch gemeinsam weiter!”.

Die Exponate der ausstellung weckten bei vielen auch Erinnerungen, Foto: Dirk Schmidt
Nach den Reden eroberten die Gäste das Haus mit der Ausstellung, in der auch für den Punk bedeutsame Orte wie Berlin, Hamburg und Hannover betrachtet werden sowie ein Blick auf Punk in der DDR geworfen wird. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Frauen gelegt, die in der Punk-Geschichte eher in den Schatten gedrängt wurden.

Links im Bild sind die VR-Brillen zu sehen, mit denen Zeitreisen unternommen werden können, Foto: Dirk Schmidt
In Kooperation mit dem Düsseldorfer Studio Neonreal können die Besucher*innen dank verschiedener VR-Experiences Zeitreisen unternehmen. So kann im legendären Ratinger Hof Schlagzeug gespielt oder die Berliner Mauer mit Graffiti besprüht werden. Diese VR-Experiences werden von Neonreal zu einem größeren Dokumentationswerk über die Düsseldorfer Punk-Geschichte weiterentwickelt.

Eine gelungenene Eröffnung der Ausstellung am Donnerstagabend im Theatermuseum, Foto: Dirk Schmidt
Die Ausstellung läuft bis Ende 2027. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Bis 21 Jahre ist der Eintritt kostenfrei. Weitere Informationen gibt es unter www.theater-museum.de