Düsseldorf: Kunstkommission präsentiert Entwürfe zur Umgestaltung des Reeser Platz

Wird jetzt endlich gut, was lange währt? Lang genug lässt die künstlerische Umgestaltung des Reeser Platzes auf sich warten. Bereits im Jahr 2015 hatte die Bezirksvertretung 1 (Altstadt, Carlstadt, Stadtmitte, Pempelfort, Derendorf, Golzheim) mehrheitlich beschlossen, ein alternatives Denkmal auf dem Reeser Platz aufzustellen, das den Wunsch der Düsseldorfer Bürger*innen nach einem friedlichen Zusammenleben der Völker zum Ausdruck bringt und den Widerstand gegen Kriegsverherrlichung würdigt.

Ins Ballhaus hatte die Kunstkommission zur Präsentation der Entwürfe eingeladen
Das inzwischen als Schandmal angesehene 39er Denkmal wurde 1939 errichtet, war ursprünglich als Denkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen oder Verschollenen des Niederrheinischen Füsilier-Regiments Nr. 39 der preußischen Armee konzipiert. Weil es aber inhaltlich wie ästhetisch als revanchistisch und nationalsozialistisch eingestuft wird, ist das Denkmal Anlass für zahlreiche politische Auseinandersetzungen und Kontroversen. Bereits in der Nachkriegszeit wurde der Erhalt des Denkmals in Frage gestellt, blieb jedoch unangetastet.
Jetzt also soll sich etwas tun, jedenfalls wenn es nach dem Willen der Kunstkommission geht. Sie hatte im Jahr 2019 einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben, an dem sich 67 Kunstschaffende beteiligten. Nach Vorstellung der Entwürfe kam es zu einer intensiven Diskussion in der Künstlerschaft. Daraufhin beauftragte der Rat die Verwaltung und die Kunstkommission, anhand eines umfassenden Beteiligungsverfahrens die Bürgerschaft in die weitere Planung zu integrieren. “Während die erste Beteiligung im wesentlichen zur inhaltlichen Ausrichtung des Ideenwettbewerbs diente, sollte mit dieser Beteiligung nun ein Prozess zur Entscheidungsfindung mit einem breiten Bürgerkonsens in Gang gesetzt werden”, erläutert Nicolas Grosch, Leiter der Geschäftsstelle der Kunstkommission.

Ülkü Süngün – hier mit einem Mitarbeiter – überzeugte mit ihrem Entwurf “Geschichtsbaustelle (AT)”
Am Freitag (9.10.) wurden die Siegerentwürfe im Ballhaus im Nordpark vorgestellt. Insgesamt neun Entwürfe wurden präsentiert. Siegerin ist Ülkü Süngün mit ihrem Konzept einer Geschichtsbaustelle. Sie verändert das derzeitige Denkmal nur marginal, setzt ihren Schwerpunkt auf ein kommunikatives, Menschen zusammenführendes Bildungsprojekt – eine Geschichtswerkstatt und dem Begegnungsraum. „Der Entwurf folgt aktuellen Forschungen zu Täterorten und formuliert bewusst eine Verweigerung gegenüber der ästhetischen Aufwertung nationalsozialistischer Architektur. Eine rein skulpturale Intervention kann die überwältigende Wirkung dieses Ortes kaum brechen, ohne zugleich seine Sprache mit fortzuschreiben oder ihm zusätzliche Aufmerksamkeit zu verschaffen“, erläutert Süngün. „Stattdessen verschiebt der Entwurf den Fokus weg vom Monument hin zu den Perspektiven der Opfer des Nationalsozialismus, ihrer Nachfahren sowie Betroffener rechter Gewalt seit 1945.“ Sie möchte, dass die Geschichtswerkstatt und der Begegnungsraum wöchentlich geschichts-aufklärerisch bespielt wird.

Tamara Grcic belegte mit ihrem Entwurf “12 Fahnen für den Frieden” den dritten Platz
Das ist derzeit wichtiger den je, denn der politische Rechtsruck der Deutschen ist unverkennbar, nationalsozialistisches Gedankengut wird wieder gesellschaftsfähig. Und so richtig weg, war es wohl nie. „Auch lange nach 1945 rühmte sich die Kameradschaft der 39er ihres Kriegseinsatzes. Um dieses heroische Selbstbild dauerhaft im öffentlichen Raum zu verankern, ließ sie 1953 die Namen der französischen, sowjetischen und belgischen Kriegsschauplätze in das NS-Denkmal einmeißeln“, erklärte Künstlerin Heinke Haberland. „Wer diesen Städtenamen folgt, stößt auf die Beteiligung der 39er am Vernichtungskrieg gegen die Zivilbevölkerung. Es sind Tatorte von Kriegsverbrechen.“
Das dieser Stein-gewordenen NS-Verherrlichung etwas entgegengesetzt werden muss ist klar. „Wir werden jetzt eine Vorlage für die Politik erarbeiten und setzen darauf, dass trotz klammer Kassen die Geschichtsbaustelle umgesetzt wird“, so Grosch.
Die Entwürfe können noch bis zum 29. Oktober im Ballhaus (Kaiserswerther Str. 380, 40474 Düsseldorf) besichtigt werden. Die Öffnungszeiten sind jeweils von Donnerstag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es außerdem hier.