Düsseldorf: Mehrere Hundert Menschen setzten ein Zeichen gegen Antisemitismus

Der Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte und viele Partnerorganisationen hatten am Mittwoch (7.10.) auf den Marktplatz vor dem Rathaus eingeladen, um gemeinsam ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus und für jüdisches Leben in Düsseldorf zu setzen. Mehr als 600 Menschen folgten der Einladung, da die aktuellen Vorfälle, wie der Angriff auf einen jüdischen Mann mit Kippa am Rheinufer und die Anschläge auf benachbarte Synagogen, zeigen, wie wichtig es ist eine klare Botschaft zu senden.
Der Termin war bewusst gewählt, denn am 7. Oktober jährte sich der terroristische Angriff der Hamas auf Israel vor drei Jahren. In Europa und Deutschland hat sich seitdem der Antisemitismus verstärkt. Die Teilnehmenden am Mittwoch wandten sich gegen jedweden Judenhass und gegen die Tatsache, dass jüdische Menschen nicht mehr angstfrei leben.

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller hatte die Schirmherrschaft übernommen, hier mit Mona Neubaur und Vertretern der Jüdsichen Gemeinde, der Stadt und Politik
Die Kundgebung hat das Motto „Es ist uns ernst: Gegen jeden Antisemitismus“. Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller übernahm die Schirmherrschaft und richtete ebenso wie die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur und die Aktivistin Rivkah Young, Vorsitzende von DUS4JEWS e.V. Worte an die Menschen auf dem Marktplatz.

Einige Teilnehmende hatten Fahnen und Plakate mitgebracht, Foto: Astrid Hirsch-von Borries
Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Henrike Tetz (Vorsitzende des Förderkreises der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf e.V.) und auch Michael Szentei-Heise sprach. Rund 40 Düsseldorfer Organisationen beteiligten sich, darunter das Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung, das ASG Bildungsforum, die AWO Düsseldorf, die Bezirksregierung Düsseldorf, beide christlichen Kirchen, der Kreis Düsseldorfer Muslime (KDDM), der Düsseldorfer Appell, die Düsseldorfer Jonges, der Verein Gegen Vergessen – für Demokratie e.V. Arbeitsgruppe Düsseldorf, die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die Ratsfraktionen von CDU, FDP, Grüne/B90 und SPD/Volt, das Netzwerk Respekt und Mut, die Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus und die Tonhalle.

Polizei und Ordnungsamt zeigten bei der Kundgebung Präsenz, Foto: Astrid Hirsch-von Borries
Die Jüdische Gemeinde war als befreundete Institution selbstverständlich anwesend, aber ganz bewusst nicht Mitveranstalterin. „Es ist nicht die Aufgabe Jüdischer Gemeinden, zu einer Kundgebung gegen Antisemitismus aufzurufen. Das ist primär Aufgabe der Mehrheitsgesellschaft. Und diese Aufgabe nehmen wir sehr ernst. Die Freundinnen und Freunde aus der Gemeinde sind uns sehr herzlich willkommen“, so Vorsitzende Henrike Tetz. „Wir werden sie bei dem Kampf gegen Judenhass nicht alleine lassen.“
Damit drückte sie aus, was viele der Anwesenden sich ebenfalls wünschen. Dass es nicht nur die Aufgabe von Staat und Politik sein kann, gegen jeden Antisemitismus zu stellen, sondern die Aufgabe aller Bürger*innen ist, die Antisemiten in ihre Schranken zu weisen. Jüdische Menschen müssen wieder sicher, ohne Angst und Einschränkungen in Düsseldorf leben können. Das machte auch der Redebeitrag der jüdischen Aktivistin Rivkah Young deutlich, die von ihren Erfahrungen seit dem 7.10.2023 berichtete.

Die jüdische Aktivistin Rivkah Young berichtete von ihren Erfahrungen seit dem 7.10.2023, Foto: Astrid Hirsch-von Borries
Zum Jahrestag des 7. Oktobers hatte die Jüdische Gemeinde Düsseldorf nach der Kundgebung zu einem Gedenkkonzert eingeladen. Dort spielte das Ensemble Folkadu mit Yael Gat und es gab Redebeiträge von Bert Römgens und Emil Brachthäuser von der Deutsch-Israelische Gesellschaft .
Am Rheinufer gedachte die FDP nach der Kundgebung mit Kerzen an die Opfer, die Geiseln und das Leid, das der Terrorangriff über so viele Menschen gebracht hat.