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Düsseldorf: Gedenken an die queeren Opfer des Nationalsozialismus

Von Ute Neubauer
26. Juni 2026
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Über 150 Menschen waren im vergangenen Jahr zum ersten Gedenktag am 28. Juni gekommen

Das “LSBTIQ+ Fforum Düsseldorf” und die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf laden zum Gedenken an die queeren Düsseldorfer*innen ein, die Opfer des NS-Regimes wurden. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller werden Vertreter*innen des Forums am Sonntag (28.6.) um 16 Uhr am Denkmal auf der Apollo-Wiese Kränze niederlegen.

Im Anschluss an die Kranzniederlegung lädt die Evangelische Kirchengemeinde Düsseldorf-Mitte zur “abend:kirche” in die Neanderkirche, Bolkerstraße 36, ein. Pfarrerin Antje Brunotte und Historikerin Astrid Hirsch-von Borries von der Mahn- und Gedenkstätte sprechen zum Thema “verstecken”.

Vortrag am Montag

Im Beatrice-Strauss-Zentrum der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf, Marktstraße 2 (Innenhof) hält Dr. Benno Gammerl am Montag (29.6.) um 18.30 Uhr, einen Vortrag mit dem Titel “Verfolgung queerer Menschen: Schwieriges und unerlässliches Erinnern”. Der Historiker zeigt in seinem Vortrag, wie vielschichtig queeres Leben selbst unter den Bedingungen von Ausgrenzung und Gewalt während der Verfolgung im Nationalsozialismus war. Gammerl ist Professor für Geschlechter- und Sexualitätengeschichte am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz und Autor des Standardwerks “Queer: Eine deutsche Geschichte vom Kaiserreich bis heute”. Er gehört zu den renommiertesten Forschern zur queeren Geschichte Deutschlands.Regierungspräsident Thomas Schürmann beendet den Abend mit einem Grußwort. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Der Zugang zum Beatrice-Strauss-Zentrum ist barrierefrei.Das Begleitprogramm wird unterstützt vom Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung sowie von Queere Geschichte(n) Düsseldorf e. V.

Historischer Hintergrund

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurden die Maßnahmen gegen homosexuelle Menschen sowie gegen ihre Treffpunkte, Vereine und Publikationen deutlich verschärft. Bereits Ende Februar 1933 wurden Organisationen der homosexuellen Bürgerrechtsbewegung und ihre Presseorgane verboten; bekannten Szenelokalen wurden die Schankkonzessionen entzogen. In Düsseldorf erfolgte die Schließung bekannter Homosexuellenlokale sogar schon einige Tage vor dieser Anweisung.

Am 28. Juni 1935 wurde die Verschärfung des Paragrafen 175 beschlossen, die im September desselben Jahres in Kraft trat. Fortan wurden nicht mehr nur sogenannte “beischlafähnliche Handlungen”, sondern allgemein “homosexuelle Handlungen” kriminalisiert. In der Praxis konnten bereits ein flüchtiger Blickaustausch oder ein kurzes Gespräch als Grundlage für Ermittlungen und Verurteilungen dienen.

Im Sommer 1937 erreichte die Verfolgung in Düsseldorf einen weiteren Höhepunkt. Am 28. Juni begannen mit der Festnahme von Karl Carduck und seinen Freunden umfangreiche Verhaftungsaktionen gegen vermeintlich homosexuelle Männer in Düsseldorf.

An der Verfolgung waren Kriminalpolizei, Geheime Staatspolizei (Gestapo) und Strafjustiz beteiligt. Allein die Gestapo verhaftete in Düsseldorf etwa 400 Männer wegen angeblich “homosexueller Handlungen”. Damit verzeichnete Düsseldorf die höchste Zahl entsprechender Festnahmen in Westdeutschland.

StichworteGedenkenLSBTIAQ*Mahn- und Gedenkstätte
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