Die Kunst spielt in „the pool“: Düsseldorfs coolste Galerie

Warm wummert der Jazz durch die Halle, in der mal ein Schwimmbad war. Der Düsseldorfer Maler Martin Gerwers (62) ist auch Saxophonist und ziert sich nicht lange, ein bisschen aufzuspielen. Alle Kunst hängt für ihn zusammen. Inspiriert durch die Körperlichkeit und den Klang der Musik sind seine abstrakten Bilder in den Raum gewachsen, Skulptur geworden. Zusammen mit seinem Kunstkollegen Wonkun Jun (56) nutzt Gerwers die vielleicht coolste Galerie Düsseldorf, „the pool“ an der Tersteegenstraße, für eine Ausstellung über „Das Sichtbare und das Wahrgenommene“.

Das Schwarze kann auch zum Spiegel werden. Martin Gerwers neben einer seiner wandelbaren Skulpturen. Foto: bikö
Klingt philosophisch und ist es auch. Gerwers, der im Münsterland geboren wurde, in Aachen und Düsseldorf studierte, Meisterschüler von Jan Dibbets war und später als Gastprofessor an der Berliner Universität der Künste lehrte, will die „Grenze zur Wahrnehmbarkeit“ ergründen. Seine Objekte aus bemalten Holzfaserplatten sieht er gar nicht als gegenstandslos an. Schließlich sind sie selbst markante Gegenstände, äußerst präsent. Formen, die, anders als seine zurückhaltenden, ruhig akzentuierten Bilder, einen Raum zur Gänze prägen können.

Auch der Schattenwurf gehört zum Werk: Martin Gerwers zeigt das Wandobjekt „Folded“ (Gefaltet). Foto: bikö
Zeichen setzen
Da ist zum Beispiel „This One“, ein hellgraues Wandobjekt in strenger, zugespitzter Faltung, die an einen überdimensionalen Papierflieger erinnert. Davor steht ein namenloser Turm aus zwei versetzten, hohlen, dreieckigen Formen, deren Inneres ins Weiße führt. Die eine Außenseite hat der Künstler in Grautönen mit der Hand bemalt, man ahnt die hauchzarten Spuren des Pinsels. Die andere Seite ließ er schwarz in einer Autolackiererei besprühen. In der perfekten, hochglänzenden Fläche spiegeln sich die Fenster und die Menschen, aus anderer Position wirkt das Schwarz wie versiegelt. Man kann sich nicht sattsehen an der Wandelbarkeit des Werks.

Nicht zu übersehen: das Neongelb einer Gerwers-Skulptur in einem Vorraum zur ehemaligen Schwimmhalle. Foto: bikö
„Wie ein Lichtspeicher“ sollen die Skulpturen wirken. Das gilt besonders für das Neongelb eines Turms, der sich mühelos gegen eine Nische und die schwarze Heizung in einem Zwischenraum durchsetzt. Mit expressivem Schattenwurf profiliert sich Wandobjekt „Folded“. Zeichen setzen, Gefühle erzeugen – das kann Martin Gerwers, der malende Bildhauer. In der Kölner Kunst-Station Sankt Peter markierte er den Kirchenraum mit einem 16 Meter hohen „Pylon“ aus zwei langgestreckten, mit der Spitze aufeinander weisenden Dreiecken.

Hier geht es hinunter: Der Eingang zum Kunstraum „the pool“ befindet sich auf einer wilden Wiese hinter einem Wohnhaus an der Tersteegenstraße 63. Foto: bikö

Im sonnigen Innenhof: Die Künstlerinnen Gabi Luigs (links) und Heinke Haberland leiten die gemeinnützige Galerie „the pool“. Foto: bikö
Malerei und Poesie
Auch in „the pool“, dem ehemaligen Schwimmbad des Düsseldorfer Architekten Paul Schneider-Esleben (1915-2005), muss sich die Kunst gegen ein dominantes Raumdesign behaupten. Seit fünf Jahren wird der architektonische Schatz der frühen 1960er-Jahre von dem Architekten Michael Krey und den Künstlerinnen Gabi Luigs und Heinke Haberland als gemeinnütziger Kunstverein betrieben. Versteckt unter der Erde einer wilden Wiese hinter einem Hochhaus an der Tersteegenstraße 63 bietet „the pool“ immer wieder samstag-sonntags Kunst, Musik und kultivierte Geselligkeit.

In der ehemaligen Schwimmhalle hat der Maler Wonkun Jun eine Rauminstallation arrangiert. An der Wand hängen seine stillen Bilder. Foto: bikö
Wo früher im Wasser geplantscht wurde, blieb noch ein großes Geviert mit festem Rand und angehobenem, leicht marmoriertem Boden. Kein leichtes Terrain für die Kunst. Wonkun Jun, ein Düsseldorfer aus Südkorea, in Seoul geborener Meisterschüler von Helmut Federle, hat seine subtilen Malereien deshalb mit einer Rauminstallation ergänzt. Hinter einer farbsatten, grob gerissenen Stoff-Fahne, die eine Malunterlage war, stapeln sich Bilder mit farbig gestrichelten Kanten – einem Markenzeichen des Künstlers. Ein paar Keramiken („mein Hobby“) hat Wonkun Jun dazu arrangiert. Dienendes Feld für die stillen Bilder an der Wand, auf denen Punkte, Streifen, Kacheln oder nur eine Art von Weiß zu schweben scheinen. Der Maler ist ein Poet – was auch ein paar kleine Texte zeigen: „Ich hielt / das Signal / meines Lebens / stets für Gelb. / Doch / das Gelb / bleibt / mir fremd.“

Poesie des Augenblicks: Auch kleine Arbeiten auf Papier gehören zur Ausstellung von Wonkun Jun in „the pool“. Foto: bikö
Was, wann und wo?
„Das Sichtbare und das Wahrgenommene“. Werke von Martin Gerwers und Wonkun Jun. Bis 21. Mai in „the pool“ an der Tersteegenstraße 63 (Zugang hinter dem Hochhaus). Geöffnet Samstag und Sonntag, 15 bis 19 Uhr. Eintritt frei. Am Samstag, 2. Mai, um 18 Uhr spielt Künstler Martin Gerwers das Saxophon mit dem „In Situ Jazz Trio“. www.the-pool.space