„Kalter weißer Mann“: Spaß und Gender-Moral im Theater an der Kö

Das war sportlich! Weil sich Darsteller Willi Thomczyk einer Herz-OP unterziehen musste, musste das geplante Zweipersonenstück „Yes, we camp“ im Düsseldorfer Theater an der Kö ausgetauscht werden. René Heinersdorff, Hausherr, Autor und Tausendsassa, übte in Windeseile eine am Boulevard bereits bewährte Komödie ein: „Kalter weißer Mann“. Regie führte Katarina Schmidt, die man als Schauspielerin kennt („Dinge, die ich sicher weiß“). Die Hauptrolle übernahm der Chef selbst. Die Show geht weiter. Und das Publikum hat seinen Spaß.
Der alte Steinfels wird beerdigt – Patriarch einer Firma für feine Unterwäsche. Nur ein grimmiges Foto vor der Urne blieb von ihm. Viele Jahrzehnte lang hat der kinderlose Mann die Untergebenen tyrannisiert, besonders Vize Horst Bohne (sehr köstlich: René Heinersdorff), der heimlich in der Friedhofskapelle ein Freudentänzchen aufführt, bevor er die übliche heuchlerische Trauerrede probt. Auch der Pfarrer ist bereit (Profi-Düsseldorfer und Komiker Manes Meckenstock wechselt mühelos zwischen salbungsvollen Worten und rheinischen Temperamentsausbrüchen). Alles könnte friedlich ablaufen – wenn nicht Online-Marketing-Managerin Bergreiter (Friederike Linke) und ihr Social-Media-Experte Kevin (Eric Haarhaus) feststellen würden: Hier geht es politisch nicht korrekt zu.

Manes Meckenstock (rechts), bekannt für kabarettistische Auftritte und Düsseldorf-Führungen, spielt in „Kalter weißer Mann“ den Pfarrer, René Heinersdorff den politisch unkorrekten Bohne. Foto: Dennis Häntzschel / Theater an der Kö
Korrektheit lernen
Auf der Schleife am Kranz trauern „die Mitarbeiter“ und nicht die Mitarbeiterinnen. Bohne hat es so veranlasst. Normal. Old School. Ein von Kevin gepostetes Bild im Netz löst prompt einen ersten Shitstorm aus. Die Wächter der neuen Sprachgesetze dösen eben nie. Bohne weigert sich, das Wort mit einem Plakatstift durch ein Gendersternchen und „innen“ zu ergänzen. Leider hat die Firma sowieso einen zweifelhaften Ruf – wenn man nur an die altmodisch sexistische Dessous-Werbung denkt. Und so wird aus der Trauerfeier ein turbulentes Gezanke um die Entwicklungen des Zeitgeistes.
Zuschauer aus beiderlei Lagern fühlen sich bestätigt. Die einen lachen mit Bohne, wenn der sagt: „Ich komme vom Dorf, da haben wir das Geschlecht genommen, was auf den Tisch kam.“ Die anderen freuen sich über Praktikantin Kim (Hannah Marie Bahlo), die alles über Gendergerechtigkeit weiß und dem Chef unerschrocken widerspricht. Ihre Moralpredigt im zweiten Teil zieht sich etwas hin, aber wir alten weißen Theaterzuschauer müssen es ja mal kapieren. Die Zeiten ändern sich. Schön, dass die verwirrte Chefsekretärin Frau Schneider (sehr charmant: Dana Golombek von Senden) am Ende singt, was alle lieben: „All you need is love.“
Weiter lachen
Die Komödie „Kalter weißer Mann“ von Dietmar Jakobs und Moritz Netenjakob in der Regie von Katarina Schmidt steht bis 3. Mai auf dem Programm im Theater an der Kö. Die nächsten Vorstellungen sind am Sonntag, 29. März, um 18 Uhr, und am Mittwoch, 1. April, um 16 und um 20 Uhr. Vorstellungsdauer etwa zwei Stunden mit einer Pause. www.theateranderkoe.de