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KulturKunstkritikTop News
Home›Kultur›Zehn Jahre Sammlung Philara: „Heimspiel“ in Düsseldorf-Flingern

Zehn Jahre Sammlung Philara: „Heimspiel“ in Düsseldorf-Flingern

Von Birgit Koelgen
23. März 2026
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Kunstpracht: Simon Ertel vor seiner wandhohen Arbeit „Love is in the Air“, ergänzt durch Tuschzeichnungen. Foto: bikö

Ihre coolste Kunsthalle haben die Düsseldorfer dem Immobilienentwickler Gil Bronner zu verdanken: die Sammlung Philara in einer ehemaligen Glasfabrik an der Birkenstraße. Leider lässt sich der Stifter nur selten blicken. Das junge Team macht die Show. Nach der überraschenden Kündigung von Direktorin Julika Bosch übernahm jetzt ihre Mitarbeiterin Hannah Niemeier (29) die Leitung und präsentiert in diesem Frühjahr ein „Heimspiel“ zum zehnjährigen Bestehen des offenen Hauses: mehr als 20 Positionen von Künstler*innen, die als Guides, Aufpasser oder Aufbauexperten in der Sammlung arbeiten.

Neue Chefin bei der Sammlung Philara: Hannah Niemeier hat die künstlerische Leitung übernommen. Foto: bikö

Ein freudiger Anlass. Entsprechend frisch und ziemlich gut gelaunt ist die Ausstellung. „Love is in the Air“ verspricht eine Arbeit von Simon Ertel. Der gebürtige Freiburger hat eine Collage aus handgeschnittenen Magazin-Ausschnitten – Meer, Berge, Blumen, Pollenstrukturen – digital erfasst und auf eine raumhohe Glasvlies-Tapete drucken lassen. Auf dem farbenprächtigen Hintergrund zeigt er mit schwarz-weißen Tuschen, wie er zeichnen kann. Gegenüber, vor dem großen Saalspiegel, steht die kuriose, nicht zum Turnen geeignete „Sportbahn“ aus Stahl, Gips und Dämmschaum: eine Skulptur von Frederic Bahr.

„Sportbahn“ heißt die Raumskulptur von Frederic Bahr vor dem Raumspiegel in der Halle der Sammlung Philara. Foto: bikö

Glitzern und träumen

Rundherum geht es dezenter zu, aber auch schön skurril. Sonja Heim hat Strichmännchen und andere Skizzen an die Wand gepinnt, mit Bleistiftrahmen versehen und hier und da mit ein paar Glitzersteinen geschmückt. Ihr „Point of View“ (Standpunkt) der zart-verspielten Art. Zoé Cathérine García feiert auf einem Bild mit durchsichtigen Gestalten ein „milk feast“ (Milchfest) und schuf aus Metall ein Objekt, das an eine Chatelaine erinnert, einen viktorianischen Gürtelschmuck zum Befestigen von nützlichen Dingen. „I remember the weight on the hip“ nennt sie das, ich spüre das Gewicht an den Hüften.

Malerin und Bildhauerin: Zoé Cathérine García zwischen ihrem Bild „milk feast“ und einem Wandobjekt. Foto: bikö

Ganz leicht sind hingegen die Wandbehänge von Ruben Benjamin Smulczynski, der durchsichtige Stoffe, Pfauenfedern und glitzernde Collagen zusammenstellt und mit poetischen Titeln versieht wie: „Goldfäden mit den Zähnen durchbeißen“.

Aus Stoffen und Collagen schuf Ruben Benjamin Smulczynski eine poetische Wandinstallation. Foto: bikö

Einen Hauch von Melancholie verbreiten einige Arbeiten in seitlichen Kabinetten. Die blütenhaften Formen auf einem großen Bild der Malerin Rebekka Ana Aimée sollen an verlorene Personen erinnern und Trauer in Schönheit verwandeln. Stefan Bauer modifiziert digital das Geschlecht von Models und stellt sie auf eine Terrasse aus verschiedenen Bildelementen aus dem Internet. Eine rätselhafte Szene entsteht.

Blüten oder Figuren? Die Malerin Rebekka Ana Aimée verbindet tiefe Gefühle mit ihrem Bild ohne Titel. Foto: bikö

Dinge sammeln

Mit hintergründigem Humor nimmt Elisabeth Heil die Kunst. Gemeinsam mit Hausmeister Karl-Heinz Lenders streifte sie durch das ganze Institut und sammelte Dinge für ihre Installation „Bit by Bit“ (Stück für Stück). In durchsichtigen Kästen auf offenen Regalen hat sie ihre Fundstücke arrangiert: rostige Zangen aus dem alten Fabrikbetrieb, Schrauben, Stifte, Kleberollen, eine zerdrückte Rolle Klopapier, ein bisschen Bauschutt, Postkarten. Aus dem Café Lennartz stammt eine ausgetrunkene, aber ungespülte Cappuccino-Tasse, ein paar Brotkrumen und ein Röhrchen mit ekligen Zigarettenkippen, aus einem Terrassen-Aschenbecher gefischt. Lebensspuren. Ein leeres Behältnis wartet auf Beigaben des Publikums.

Kunst nach Konzept: Elisabeth Heil arrangierte „Bit by Bit“ Fundstücke aus dem Haus der Sammlung Philara. Foto: bikö

Das Konzept erinnert sehr an die Sammlungen des schelmischen Hans-Peter Feldmann (1941-2023) – in der Tat ein Idol der Akademieabsolventin und Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Heil. Die junge Kunsthistorikerin Banu Alpsü möchte das Kuratieren selbst zur Kunst machen. So baute sie ein gefundenes Puppenhaus in ein „Curatorial Art House“ um, eine Mini-Kunsthalle, in deren vier weiß gestrichenen Sälchen unter adäquat heller Beleuchtung wechselnde Künstlerfreunde winzige Versionen ihrer Bilder und Objekte zeigen. Sehr inspirierend!

Eine Kunsthalle im Puppenformat: Die junge Kuratorin Banu Alpsü präsentiert ihr „Curatorial Art House“. Foto: bikö

Was, wann und wo?

Im „Heimspiel“ zum zehnjährigen Bestehen der Sammlung Philara, Birkenstr. 47a, zeigen über 20 mitarbeitende Künstler*innen eigene Werke. Bis 17. Mai. Parallel ist eine Ausstellung des mexikanischen Künstlers Stefan Brüggemann zu sehen: „Echoes“. Geöffnet nur am Wochenende, Fr. 16 bis 20 Uhr, Samstag/Sonntag 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei, man freut sich über einen freiwilligen Beitrag. Führungen Sa. und So., jeweils 15 Uhr. Anmeldung unter www.philara.de

StichworteSammlung Philara
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