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Home›Kultur›Glücksmomente: Sammlung Scharf  gastiert im Kunstpalast Düsseldorf

Glücksmomente: Sammlung Scharf  gastiert im Kunstpalast Düsseldorf

Von Birgit Koelgen
12. März 2026
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Eingang voll Verheißung: Die wandhohe Vergrößerung einer „Vase mit Blumen“ von Pierre Bonnard (1933) macht Lust auf die Sammlung Scharf. Foto: bikö

Generaldirektor Felix Krämer traut sich was. Er hat ein Supermodel zur Kuratorin gemacht, Tod und Teufel beschworen und die städtische Kunstsammlung beduften lassen. Demnächst sorgt die Floristenbranche wieder für „Palastblühen“ – durchaus nicht unumstritten in der puristisch denkenden Kulturszene. Aber von Zeit zu Zeit ist Düsseldorfs beliebtes Museum einfach nur ein Traum für den bildungsbürgerlichen Kunstgeschmack. Mit 180 Exponaten aus der Scharf Collection werden alle froh gestimmt, denn da gibt es „Monet – Cézanne – Matisse“ und andere große Namen.

Sammlerglück: Christiane und René Scharf (zwischen Werken von Katharina Grosse und Tony Cragg) erwerben auch Werke der Gegenwart. Foto: Anne Orthen / Kunstpalast Düsseldorf

„Viele Glücksmomente“ stecken in der Geschichte der Ausstellung. Vor 15 Jahren, als Felix Krämer noch am Frankfurter Städel arbeitete, lernte er den Sammler und Kunsterben René Scharf kennen und besuchte ihn im süddeutschen Landhaus der Familie, wo mit Meisterwerken der musealen Spitzenklasse einfach so „gelebt wurde“. Hin und wieder erschien ein Stück anonym („aus Privatbesitz“) in Ausstellungen. Diskretion ist ja auch ein Schutz. Mit dem Schatz an die Öffentlichkeit zu gehen, war also keine leichte Entscheidung. René Scharf und seine Frau Christiane, ansässig in Berlin, zeigen nun entschlossen, was sie haben – zuerst in der Alten Nationalgalerie, jetzt in Düsseldorf, wo René Scharf geboren wurde. Mutter Eve war eine Unternehmertochter aus Heiligenhaus.

Frühe Liebe

Klein, aber ausdrucksstark: Ton-Köpfe des Karikaturisten Honoré Daumier aus den 1830er-Jahren wurden viel später in Bronze gegossen. Foto: bikö

Tatsächlich kann man die über vier Generationen gewachsene „Scharf Collection“ nicht verstehen, ohne von der Familiengeschichte zu erzählen. Gründungsvater war Otto Gerstenberg (1848-1935), Spitzen-Geschäftsmann und Generaldirektor der aufstrebenden nationalen Victoria Versicherung, die später Teil der Düsseldorfer ERGO Group wurde, gleich neben dem Kunstpalast. Aus dieser Nachbarschaft stammt denn auch die einzige Leihgabe der Schau, ein Porträt, das Max Liebermann 1919 von Gerstenberg malte. Der distinguierte ältere Herr im dunklen Anzug, der uns da am Eingang über ein Jahrhundert hinweg ansieht, war nicht nur ein genialer Versicherungsmann, sondern auch ein Liebhaber der Kunst.

Kleine Terrakotta-Figuren von Aristide Maillol vor einer Reproduktion von Degas’ nach Russland entführtem Bild „Place de la Concorde“. Foto: bikö

In Paris, wo um 1900 die Moderne funkelte, hatte Gerstenberg gefunden, was uns noch heute am meisten anrührt: einen „Sich kämmenden Akt“ von Edgar Degas zum Beispiel oder eine „Junge Frau mit Blumenhut“ von Renoir, beides zarte, poetische Pastellkreiden, die Gerstenberg genauso mochte wie die expressiven Köpfe von Honoré Daumier. Viele ältere Stücke haben kleines Salonformat. Größere, repräsentative Bilder wurden gegen Ende des Zweiten Weltkriegs von der Roten Armee verschleppt. Die Reproduktion von Degas‘ „Place de la Concorde“, bis heute illegal in der Eremitage von St. Petersburg, zeugt von dem Verlust.

Komposition der französischen Moderne: Fernand Légers Ölbild „Haus mit Hund“ von 1921. Foto: bikö

Kostbares Erbe

Gerstenbergs Tochter Margarethe Scharf, Renés Großmutter, rettete in den bitteren Zeiten vom väterlichen Kunsterbe, was sie konnte, und vermachte es wiederum ihren Söhnen Walther und Dieter. Während der Anteil Dieters heute als Sammlung Scharf-Gerstenberg als Dauerleihgabe zur Berliner Nationalgalerie gehört, entwickelte Renés Vater Walther Scharf (1923-2003), von Beruf Kunsthändler, seinen Anteil weiter, unterstützt von seiner Frau Eve.

Typisch Monet: die Londoner „Waterloo Bridge“ in wunderbarer Leichtigkeit und blau-goldenem Farbenspiel (1903). Foto: bikö

Aus dieser Ära stammen Prachtstücke des Impressionismus wie Monets gold-blau getupfte „Waterloo Bridge“ (1903), Paul Cézannes „Haus mit einem roten Dach“ (um 1890) oder Pierre Bonnards „Große Badewanne“ (um 1938), mit deren Farben die Ehefrau Marthe künstlerisch verschwimmt. Von krasser Deutlichkeit hingegen ist die neue Akt-Version des Pin-Up-Pop-Malers Mel Ramos (1935-2018). Muss man nicht unbedingt mögen.

Zwischen zwei Cézannes: „Flusslandschaft mit Häusern“ (links, 1904) und „Haus mit rotem Dach“ (um 1890). Foto: bikö

Alter Jazz

Eine Wand voll Belle Époque: Original-Plakate von Toulouse-Lautrec in dichter Hängung. Foto: bikö

Aber es gibt genug zum Schwärmen und Staunen. Eine Vorzeichnung, die Toulouse-Lautrec von der Moulin-Rouge-Tänzerin Jane Avril machte. Die daraus entstandene Lithografie. Eine ganze Wand mit Plakaten, auf denen der Can-Can der Belle Époque zu tanzen scheint. Kleine „Liegende“ aus Terracotta, die Aristide Maillol (1861-1944) für ein Cézanne-Monument entworfen hatte. Ein Blatt aus den „36 Ansichten des Berges Fuji“ von Hokusai – große Inspiration für die Nabis von Paris. Die Jazz-Collagen des Henri Matisse (1947) und seine unverwechselbaren Odalisken aus den 1920er-Jahren. Oder ein Ölbild von Fernand Léger: „Haus mit Hund“ (1921).

„Jazz“ ohne Töne: Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden die berühmten Scherenschnitte von Henri Matisse. Foto: bikö

Um nicht in der Vergangenheit zu verharren, ergänzen René und Christiane Scharf ihre Sammlung mit neuer Kunst. Eine der typischen Schichtskulpturen von Tony Cragg („Pool“, 2012) steht vor einer fließenden Farbkomposition von Katharina Grosse („Untitled“, 2000). Auch künftige Generationen werden davon beeindruckt sein. Ob sich hingegen die überrealistische, den Kitsch zelebrierende Malerei des angesagten Malers Martin Eder (sein „Narzissus“ ist eine sich spiegelnde Riesenkatze) bewährt, wird sich zeigen.

Nicht jedermanns Geschmack: die schrillen Bilder von Martin Eder. Die Katze links ist sein „Narzissus“ (2020). Foto: bikö

Was, wann und wo?

„Monet – Cézanne – Matisse: The Scharf Collection“. Bis 9. August im Düsseldorfer Kunstpalast, Ehrenhof 4-5. Geöffnet Di.-So. 11 bis 18 Uhr, Do. bis 21 Uhr. Ticket: 16 Euro, ermäßigt 12 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Am 14. April, 18 Uhr, gibt es ein Gespräch der Kuratorin Kathrin DuBois mit dem Sammlerehepaar René und Christiane Scharf. www.kunstpalast.de

StichworteKunstpalast
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