Düsseldorf Oberbilk: Geplante Anlaufstelle für Drogensüchtige wird beim Info-Abend heftig kritisiert

Rund 350 Anwohner*innen aus der Umgebung der Eisenstraße in Oberbilk und interessierte Bürger*innen waren am Dienstagabend (3.2.) in den Saal 1 der Volkshochschule gekommen, um mehr über die Pläne zum Gebäude mit der Hausnummer 49 zu erfahren. Die Düsseldorfer Dezernentin für Migration und Integration, Miriam Koch, hatte dazu eingeladen. Moderiert wurde der Abend von Christian Zeelen.

Miriam Koch stelle sich über zwei Stunden den Fragen der Bürger*innen
Bereits im Vorfeld hatten Bürger*innen eine Petition gestartet, damit dort keine Anlaufstelle für Drogenabhängige entsteht. Ihre Sorge ist, dass sich dadurch noch mehr Drogensüchtige im Viertel aufhalten und damit auch noch mehr Dealer. Da sich Schulen und Kitas in unmittelbarer Nähe befinden, fürchten sie um die Sicherheit der Kinder. Die Kommunikation der Stadt über die Pläne ist nicht optimal verlaufen, was zur Formation eines breiten Widerstands bei den Bürger*innen geführt hat. Auch deshalb hatte Miriam Koch eingeladen, um das Vorhaben vorzustellen und Bedenken zu zerstreuen.
Im Laufe des Abend stellte sich immer mehr heraus, dass viele der Bürger*innen den Argumenten von Miriam Koch gegenüber nicht aufgeschlossen waren. Aber auch auf Äußerungen wie „der ganze soziale Abfall landet in Oberbilk, das kann doch nicht sein“, „sie holen Crack in unser Viertel und machen es kaputt“ oder „da haben wieder welche geplant die selber in Oberkassel oder Kaiserswerth wohnen und wird dürfen es ausbaden“ reagierte Koch sachlich.

Michael Harbaum ist Geschäftsführer der Drogenhilfe Düsseldorf und kann die Problematik Crack beurteilen
Sie erklärte mehrfach, dass die aktuelle Situation im Bereich hinter dem Hauptbahnhof nicht gut sei. Es gebe Drogensüchtige, Unrat und Kriminalität. Diese Situation hänge damit zusammen, dass die Drogensüchtigen keine Anlaufstelle hätten. An der Moskauer Straße hatte die Stadt in der damaligen Flüchtlingsunterkunft ein erstes Projekt gestartet, bei dem schwerst Drogenabhängigen eine Unterkunft mit sozialer und medizinischer Betreuung angeboten wurde. 40 Menschen sind mittlerweile von dort in eine andere Unterkunft gezogen und das Konzept sei aufgegangen. Die Menschen kommen zur Ruhe, werden nicht ständig von Orten verdrängt und ihre körperliche Situation habe sich verbessert. Mit der Nachbarschaft gebe es keinerlei Probleme – und auch dort gibt es eine Schule in der Nähe.

Das Gebäude an der Eisenstraße 49 soll zur Anlaufstelle für Drogensüchtige werden
Die Einrichtung der Anlaufstelle in der Eisenstraße 49 solle zur Verbesserung der Situation auf der Straße führen, betonte Koch gebetsmühlenartig. Aber selbst die Beschreibung der Streetworker, wie man vorgehen wolle, welche Erfahrungen man bereits gesammelt habe und dass bei jedem Konzept auch eine Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung erfolge, stieß weitgehend auf taube Ohren.
Im Zusammenhang mit dem Projekt SiBu – Sicherheit im Bahnhofsumfeld – sind verschiedene Arbeitsgruppen eingerichtet worden, zu denen auch „Sicherheit und Ordnung“, „Sauberkeit und Licht“ sowie „Suchthilfe, Suchtprävention, Suchtausstieg und Streetwork“ gehören. Die Gruppe „Sucht“ trifft sich wöchentlich. Dabei liegt ihr Fokus auf der Bedarfsanalyse, dem Ausbau und der Strukturierung sozialer Hilfsangebote sowie die Abstimmung zu Alternativflächen und eine kontinuierliche Lagebewertung. In einer Präsentation stellte Koch das Gebäude vor, das je nach Wetterlage noch bis Februar oder März als Notschlafstelle im Rahmen den Winterhilfe dient. Anschließend werde man mit baulichen Maßnahmen eine Sicht-Abschottung zur Nachbarschaft vornehmen und auch der Hof, der an das Lessing-Gymnasium grenze, werde nicht genutzt. Das Haus ist im städtischen Besitz, entsprechend eine kostengünstigere Lösung als die Errichtung von neuen Gebäuden. Für die soziale und medizinische Betreuung soll es im Haus ebenso Personal geben wie einen Sicherheitsdienst. Für die Sicherheit und Ordnung im Außenbereich und auf der Straße werde die Polizei und das Ordnungsamt sorgen.

Thomas Tackenberg von Axept hat auch Erfahrung mit Workshops für Kinder, um ihnen das Thema Drogensüchtige und Obdachlose altersgerecht zu vermitteln
Heftig kritisiert wurde, dass es im Haus erlaubt werden soll Mikrohandel zu betreiben – also die Weitergabe von kleinen Mengen Drogen. Das sei gegen bestehende Gesetze, führten einige Bürger*innen an und befürchteten gleichzeitig, dass die Dealer sich dann vor dem Haus rumtreiben würden. Thomas Tackenberg von Axept und Michael Harbaum, Geschäftsführer der Drogenhilfe Düsseldorf, wissen aber, dass die Anlaufstelle nur von den Drogensüchtigen akzeptiert werden wird, wenn sie dort das dürfen, was sie auf der Straße auch machen. Das laufe in Zürich bei dem ähnlichen Konzept genauso und sei noch mit Polizei und Ämtern abzustimmen. Zum Konzept gehöre allerdings auch das restriktive Vorgehen der Ordnungskräfte im Viertel.
Als von einigen Bürger*innen vorgeschlagen wurde, doch lieber die Fläche an der Moskauer Straße zu nehmen, meldete sich gleich die nächste Oberbilkerin, die betonte, dass das keine gute Idee sein – schließlich wolle man weiter den Park nutzen und Aufenthaltsqualität haben. Es bleibt also dabei: Einen Platz für Drogensüchtige soll es geben – aber bitte nicht in unserem Viertel.
Als Befürworter der Pläne meldete sich ein Vertreter der Bürgerinitiative vom Worringer Platz. Er betonte die zielführende Zusammenarbeit mit SiBu und auch bei ihnen gebe es einen Spielplatz, eine Schule und Kinder, die mit dem ÖPNV anreisten und den Platz queren müssten. Eine Lösung erfordere die Zusammenarbeit aller und sei nicht schnell zu erreichen, man brauche einen langen Atem.
Miriam Koch versprach, es werde noch weitere Informationstermine geben. Bis dahin verwies sie auf die Webseite www.duesseldorf.de/sibu, auf der es bereits viele Informationen zu lesen sind. Und sie appellierte nicht irgendwelchen Parolen Glauben zu schenken. Fragen werde sie und ihr Team auch über die Mailadresse sibu@duesseldorf.de beantworten. Anregungen aus der Bevölkerung seien wichtig, um Probleme zu lösen und Maßnahmen zu ergreifen. Ziel sei es die aktuelle Situation zu verbessern. Dass dies gelingen kann, da sind sich alle einig, die das Konzept mitgestaltet haben.