„Blink and Bite“: Neuer Tanz im Theatermuseum Düsseldorf

Daniel Smith kennt sich aus am Schwanensee der bürgerlichen Hochkultur. Der kanadische Tänzer gehörte vor der Pandemie zum Ballett am Rhein. Jetzt sucht er die künstlerische Unabhängigkeit. Seit 2022 lebt Smith als freier Choreograf und Tanzpädagoge in Düsseldorf. Mit seiner eigenen Kompanie Dans Myth entwickelte er kurze und kraftvolle Stücke in Auseinandersetzung mit queerer Identität. Nach „Bully“ und „Sparkle Beasts“ präsentierte er jetzt im Theatermuseum „Blink and Bite“. Funkeln und Beißen.

Die leuchtenden “Altäre” für die winzige Bühne wurden von Installationskünstler Rewert Remmers entworfen. Foto: bikö
Was das heißt, zeigt einer der leuchtenden „Altäre“ des queeren Selbstgefühls, die der Kölner Installationskünstler Rewert Remmers für die drei Akteure aufgestellt hat. Aus pinkfarbenen Lippen mit Glitzerkonturen ragen ein paar Reißzähne. Es ist eben nicht genug, glamourös aufzuteten. Man muss sich in der Welt auch zu wehren wissen – ohne sich dabei zu verausgaben. Darum geht es in der 40 Minuten langen Performance, die eine größere Bühne verdient hat.
Schlangengleich
Am Anfang liegen die drei Tänzer*innen Ryan Drobner, Helena Gonçalves und Mattia Serio in der Ecke, verknotet wie die scheinbar niedlichen Kuscheltiere an einem der „Altäre“. Es ist ein Dröhnen in der Luft, das sich in der Komposition von Milan Julius Philipp später in dynamische E-Beats verwandeln wird. Aber die Bewegung beginnt ganz langsam. Ein Räkeln, ein Rollen. Ein Mädchen und zwei junge Männer kriechen hervor, recken und strecken die Glieder, richten sich schlangengleich auf, Hintern hoch, Kopf hoch. Rücken an Rücken stützen sie einander, bis sie endlich stolz und aufrecht tanzen.

“Blink and Bite” (von links): Helena Gonçalves, Ryan Drobner und Mattia Serio beim Auftritt im Theatermuseum. Foto: bikö
Auf den schwarz-transparenten Trikots glänzen metallische Flicken (Kostüme: Edvin Spahić). Auch die Gesichter glänzen. Sie sind schön. Jeder Figur ist einer der Altäre zugeordnet: Fluchtpunkte der Empfindung. Die drei bilden verschiedene Konstellationen, zeigen wechselnde Pas de deux. Da gibt es kurze Harmonie und dann wieder Abwehr. Es ist wie ein Abtasten, Ausprobieren. Schließlich verschwindet Mattia Serio und erscheint dann aufgerüstet, mit malerischer Maske und einem flügelartigen Arm-Schild. Auch die anderen wappnen sich ähnlich. Sie kämpfen – zu sehr mit sich selbst. Einer zieht am Ende erschöpft die Maske ab, zwei triumphieren mit leuchtenden Helmen. Die Zuschauer in drei voll besetzten Reihen fühlen die Wucht der Performance. Heftiger Applaus.
Information
„Blink and Bite“, die Aufführung von Dans Myth unter Leitung von Daniel Smith, wurde vom Kulturamt und der Stadtsparkasse gefördert, unterstützt vom Theatermuseum und dem Verein Freie Szene Düsseldorf. Weitere Informationen gibt es unter www.dans-myth.com .