„Himmelwärts“: Düsseldorf feiert die Gala von Doc Heilein

Das hört der Doc gerne: „Matthias kennenzulernen, ist ein Erlebnis“, schwärmt Tobias Reitz, Schlagertexter, Entertainer, Experte für Stegreif-Theater. Diese Kombination aus „Strahlkraft und Altruismus“ sei einmalig. In der Tat. Dr. Matthias Heilein, der funkelnde Star einer Show, die seinen Namen trägt, Held der schwulen Szene, arbeitet als hingebungsvoller Hausarzt in Oberkassel und versäumt es nie, die christliche Botschaft zu verbreiten. Lobet den Herrn, Leute, aber bitte mit Lust und Liebe! Zum siebten Mal begeisterte seine Charity-Gala „Doc Heilein & Friends“ die Fans in der ausverkauften Tonhalle.

Neu im Spiel: Tobias Reitz (vorne links, mit Mikrophon) führte mit Sarah Bouwers, Jan Primke und Matthias Heilein durch die Show. Foto: bikö
Zugegeben: Ein paar Plätze blieben nach der Pause leer. Der erste Teil hatte schon fast zwei Stunden gedauert, das Personal war bis Mitternacht verpflichtet, das sollte wieder ein langer Abend werden. Hand aufs Herz: Die Gala könnte eine diskrete Straffung gebrauchen. Aber so ist der Doc nicht. Er schöpft immer aus dem Vollen. Feiert das Leben, wie es ihm gefällt. Zieht das Hemd aus, zeigt unter der Glitzerjacke die durchtrainierte Brust und singt am Flügel inbrünstig, was Tobias Reitz für ihn zur Melodie von „Morning has Broken“ neu textete: „Was, wenn wir lieben, als gäb’s kein Morgen, bunt und verschieden, so wie wir sind …“.
Entfesselt

Himmlische Töne: Doc Heilein mit den Gospelsängerinnen Katja Zimmermann (MItte) und Eva Schäfer. Foto: bikö
Von den Fesseln „der Missgunst und Lieblosigkeit“ (in Form lederner Handschellen) lässt sich der Doc gleich zu Anfang symbolisch befreien. Sein Begriff von Sünde hat mit spießigen Konventionen nichts zu tun. Er will „lieben und beseelt sein“, basta. Und deshalb schmettert seine Star-Gospelsängerin Eva Schäfer das patriotische „Glory, glory, hallelujah“ aus dem amerikanischen Bürgerkrieg wie eine Hymne für die Freiheit: „But the truth goes marchin’ on“, die Wahrheit marschiert weiter. „You’ve got a Friend“ wird harmonisch im Chor gesungen, das Licht in Düsseldorfs schönstem Saal changiert in den lauschig gedämpften Farben des Regenbogens, und es stellt sich ein wohliges Gefühl von Geborgenheit ein.
Moderatoren sind wieder der charmante Jan Primke und die ebenso entzückende wie begabte Sopranistin Sarah Bouwers, die viele vom After-Work-Singen im Schauspielhaus kennen. Sie könnte jederzeit als „Königin der Nacht“ glänzen, beschränkt sich aber auf ein amüsantes Lied mit Koloratur und Jazz über ein Haus voller probender Sänger*innen, die den Mitbewohnern den Schlaf rauben. Und sie macht Platz für ihre Kollegin Ekaterina Zhuravskaja, die eine Arie aus Catalanis Oper „La Wally“ schweben lässt. Im spektakulären roten Samtkleid erscheint die Altistin Sandra Gerlach und lockt mit Carmens berühmter „Habanera“.

“Proud Mary”: Pamela Falcon (zweite von rechts neben Doc Heilein) sorgt für den rockigen Part des Abends. Foto: bikö
Tiefer Ernst
Das ist von makelloser klassischer Qualität – genau wie die Massenet-„Meditation“, die Dragos Manza, Konzertmeister der Düsseldorfer Symphoniker, auf seiner Violine spielt. In Heileins Gala steckt viel tiefer Ernst, das merkt man auch daran, dass der Erlös der Palliativklinik der Universität Düsseldorf zugute kommt. Tod und Schmerz haben durchaus ihren Platz im Freudentaumel der Show. Nach der Pause erzählt der Doc dem Publikum wie treuen Freunden ausführlich vom Sterben seines krebskranken Vaters vor 20 Jahren und wie er bereut, dass er in der letzten Stunde aus banalen Gründen nicht an Papas Seite war. Was ihn tröstet, ist, wie wir wissen, der Glaube ans Himmelreich.

Außer Rand und Band: Das Publikum kann nicht sitzen bleiben, und die ganze Tonhalle tanzt zum Stimmungssong “YMCA”. Foto: bikö
Aber ehe die Stimmung ins Melancholische kippt, wird auf Erden heftig gefeiert. Die Jungs kostümieren sich (Matrose, sexy Polizist, Häuptling im Federschmuck), und das Stimmungslied vom christlichen Verein junger Männer, „YMCA“, reüssiert in seiner Eigenschaft als Hit der schwulen Subkultur. Das Publikum springt auf und schwingt die Arme und die Hüften. Weiter geht die Party mit Popsängerin (und Stimmcoach) Pamela Falcon und der rockigen „Proud Mary“. Rolling on the river, folks. Mitsingen ist erlaubt bis gewünscht. Im Finale dreht sich die ebenso anmutige wie kraftvolle Dirigentin des Abends, Amanda ten Brink, ganz herum und spornt das Publikum an, denn: „Wunder gibt es immer wieder“!
Mehr Glanz
Die nächste Gala von „Doc Heilein & Friends“ ist schon fest eingeplant: am 23. Januar 2027 in der Düsseldorfer Tonhalle. Der Reinerlös geht wieder an einen guten Zweck – nämlich die Medizinische Hilfe für Wohnungslose in Düsseldorf. Der Vorverkauf für früh Entschlossene hat schon begonnen.