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Home›Kultur›Einfach mal gucken: Fotos und Kunst in der Düsseldorfer Altstadt

Einfach mal gucken: Fotos und Kunst in der Düsseldorfer Altstadt

Von Birgit Koelgen
3. April 2023
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Realität und Kunst: Passantin vor der „Open Gallery“ am Heine-Platz. Foto: bikö

Die Firma schließt gute alte Kaufhäuser, will stattdessen Luxusgeschäfte machen und buddelt mit ungewissem Ausgang den Heine-Platz auf. Viel Zuneigung bringen die Düsseldorfer der österreichischen Signa-Gruppe nicht entgegen. Die Umwandlung des 150 Meter langen Bauzauns in eine „Open Space Gallery“ mit Fotokunst kann durchaus als diplomatische Maßnahme angesehen werden – und macht wirklich Spaß. Weiter unten an den Kasematten findet der Altstadt-Flaneur weitere Street Art: Bilder der Künstlerinnen-Vereinigung GEDOK. Titel: „TreibGut“.

Aparte Reihe: „Venice Beach“ von Andreas Endermann, „Bernd Eichinger“ von Wolf Heider-Sawall und „Königsallee“ von Tim Neiser. Foto: bikö

Ein typischer Düsseldorfer, der Fotograf und Unternehmer Wolfgang Sohn, Veranstalter des Kö-Events „Photo Pop Up Fair“, hat die Bilder für Signa ausgesucht und in erfrischender Reihe zusammengestellt. Amüsant, nostalgisch, modisch, bitter und romantisch – so ziehen die Fotografien am Eingang der Altstadt die Blicke auf sich. Da hat Andreas Endermann ein kleines dickes, divengleiches Mädchen mit einem sehr mageren Hund beim Spazierengehen am Venice Beach entdeckt. Wolf Heider-Sawall fotografierte den kettenrauchenden Filmproduzenten Bernd Eichinger 1996 am „Last Exit to Brooklyn“. Neben dem Schwarzweiß-Schnappschuss leuchtet geheimnisvoll eine Mehrfachbelichtung der „Königsallee“ von Tim Neiser.

Man sieht kein Gesicht und weiß doch, es ist Udo Lindenberg, auf einem Foto von Peter Godry. Foto: bikö

Land und Leute

Und so geht es weiter – mit Punkern hier und Models da, einem typischen Beuys-Porträt mit Hut (Peter Godry, 1984) und einem anderen Hutträger, Udo Lindenberg, der auf einem Foto von Alexander Basta das Gesicht mit einer Rückenansicht von sich selbst verdeckt. Unverhohlen sexistisch posiert die schöne „Gärtnerin“ („The Gardener“), die ohne Hose die Agaven gießt, was durch eine kristalline Komposition von Florian W. Müller (der Titel „Lyonel 2000“ beruft sich auf Feininger) kulturell ausgeglichen wird. Für atemberaubende Landschaften sorgen Hojabr Riahi („Quiberon“), Rüdiger Schrader („Glanz von Gloria“) und John McDermott („Dolomites Sunset“).

Träumen erlaubt: Auch Landschaften gehören in die Foto-Reihe (von links: Hojabr Riahi, Rüdiger Schrader und John McDermott). Foto: bikö

Eine „Alpenhütte“ von Amédé Ackermann prangt neben dem von Günter Beer freigestellten Bild eines Fischs, des „Großen Roten Drachenkopfs“. Andreas Jorns würdigt die Tränen des Clowns („Tears of a Clown“), Kabarettist und Fotokünstler Dieter Nuhr abstrahiert den „Senegal“, und Dirk Krüll weist mit ästhetisch im Wasser arrangierten Plastiktüten („Sea-Bags“) schmerzfrei auf die Vermüllung der Ozeane hin. In der männlich geprägten Fotografen-Gemeinschaft fällt ein Modebild von Melanie Zanin auf („Get the Glam“), und die Performance-Künstlerin Mia Florentine Weiss küsst schön-morbid einen steinernen Totenschädel.

Unter dem Baustellenschild gibt’s Fotokunst (von links): „Fingerprint Island“ von Dietmar Eckell, „Tears of a Clown“ von Andreas Jorns vor Arbeiten von Dirk Krüll, Mia Florentine Weiss und Dieter Nuhr. Foto: bikö

An den Kasematten

Blick riskieren: Eine Zeichnung von Annette Schnitzler („Untergang“, links) und eine Installation von Heide Haike („Eis-Zeit“) wurden für die GEDOK-Ausstellung auf Planen gedruckt. Foto: bikö

Unten am Rhein geht es nur um Kunst von Frauen. Nach zwei Jahren hat die Düsseldorfer Sektion des GEDOK – „Gemeinschaft Deutscher und Oesterrreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“ – wieder die Nischen an den Kasematten zwischen Pegeluhr und KIT in Ausstellungskojen verwandelt. Bilder, Zeichnungen und andere Werke der eher subtilen Art wurden gleich groß im Zweimeterformat auf Planen gedruckt – robust und wetterfest. So passt alles in die Kaimauer-Galerie: gestische Malerei von Ursula Adrian-Rieß und Daniela Werth, „Wasserillusionen auf Metall“ von Barbara Stewen oder eine Fotografie des toten Fichtenwaldes von Eva Maria Richter.

Kunst und Realität an den Kasematten: ein Bild von Daniela Werth neben dem Lager eines Obdachlosen. Foto: bikö

13 Nischen wurden bespielt, inklusive einer Fläche für Kommentare („Let’s Talk“). Die Realität setzt ihre Zeichen dazwischen. In einer leeren Nische mit Säulen liegt der Schlafsack eines Obdachlosen, eine schwebende Figur von Mariele Koschmieder wird von wilden Mauer-Graffitis eingerahmt, aus vermoosten Fugen wächst zufälliges Grün. Das Gesamtbild ist umso aparter. Wie Kuratorin Hilla Hueber, selbst Malerin, mitteilt, werden die Werke bis zum Herbst noch zweimal ausgetauscht, insgesamt 32 Künstlerinnen aus Düsseldorf, Bonn, Köln, Wuppertal und Ostwestfalen werden dabei sein und sicher Beachtung finden.

Interessante Kombination: Eine rätselhafte Figur von Mariele Koschmieder („Treibgut 1“) in graffiti-verzierter Umgebung. Foto: bikö

Umsonst und draußen

Bis Mitte Mai wird es in Düsseldorf die von Wolfgang Sohn kuratierte „Open Space Gallery“ mit Fotokunst an der Signa-Baustelle Heinrich-Heine-Platz geben. An den Kasematten am Unteren Rheinwerft (Nähe KIT) präsentiert die Künstlerinnen-Vereinigung GEDOK bis zum 16. November in drei Sets großformatige Drucke verschiedener Werke zum Thema „TreibGut“. Informationen im Internet unter www.photopopupfair.de und www.gedok-a46.de

StichworteGEDOKHeinrich-Heine-PlatzOpen Space GalleryRheinwerft
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