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KulturLiteratur
Home›Kultur›Düsseldorf Bücherbummel: Die Kö hat sich schlau gemacht

Düsseldorf Bücherbummel: Die Kö hat sich schlau gemacht

Von Dirk Neubauer
9. Juni 2019
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Der Bummel, das Buch, ein Zelt - von vielen, die zu Pfingsten beim 33. Düsseldorfer Bücherbummel die Kö säumten.

Aktualisiert: Der Veranstalter spricht von rund 200.000 Besuchern beim Bücherbummel. Und würde ab jetzt gerne immer das Pfingstwochenende in Komibination mit der Jazz Rally für die Veranstltung nutzen (Quelle: Abschlusspressekonferenz).

Die Allee hat viele Seiten – im Moment. Auf der Kö hat der Bücherbummel seine Zelte aufgeschlagen. Bratwurst, Bier und Belletristik schlendern gemeinsam über den Boulevard. An Pfingstsonntag und -montag schaffen es die Bouqinisten sogar, die lautesten Krachmacher der Stadt zu vertreiben. Autofrei! Zwei Tage lang bleibt die Düsseldorfer Nobel-Meile auf der Geschäftsseite ohne PS-starken Männlichkeitsersatz. Viele tausend Literaturfans laufen derweil Slalom auf der Allee, machen einen Bogen um Abo- und Stromverkäufer, bleiben an den Tapeziertisch stehen und wühlen: Ein Buch 4,95 Euro, drei im Sparpack zu zwölf Euro.

D_BuecherBummel_Poetry_20190609

Aylin Celik macht sich ihren Reim auf die Welt und die menschen darin. Auif der Zakk-Bühne trug die Poetry Slamerin vor.

„Meine Mama wollte, dass ich zwischen den Zeilen lese. Ich habe mich immer gewundert: Da steht doch nix!“ sagte Düsseldorfs Poetry Slamerin Aylin Celik ineinem Interview. Im Zakk gibt die 22-Jährige Kurse für angehende Poetry Slamer, für das Gedichte-Aufsagen der Neuzeit. Auf der Zakk Bühne am Kö-Graben trägt sie ihre eigenen Verse vor. Einer davon heißt „Zwischen den Zeilen“.

D_BuecherBummel_Koe_20190609

Sonderpreis im Dreier-Pack: das Buch beim Bummel auf der Düsseldorfer Königsallee.

Zwischen den Aufgaben steht Jürgen Kron. Er leitet Geschäftsführer den Düsseldorfer Droste Verlag und ist seit April zugleich Vorsitzender des „Bücherbummel auf der Kö e.V.“ Kron soll die Meile des gedruckten Worts ab dieser, der 33. Ausgabe, in eine ruhigere Zukunft führen und flirtet erstmals in diesem Jahr mit der Jazz Rally. Wer schräge Musik mag, liest auch ganze Bücher – das ist die Grundidee. Ob sie aufging? Unklar. Denn weil in den Bücherbummel auch noch die Düsseldorfer Literaturtage eingebettet sind, könnte der Eindruck entstehen, dass alles ein wenig viel ist.

Bummel? Von wegen!

Der Schauspieler Georg Stephan las bereits am 3. Juni Heinrich Heine Wintermärchen im Heinrich-Heine Institut in voller länger. Karen Duve bekam die Zakk-Bühne und den Düsseldorfer Literaturpreis für ihren Roman „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ über Annette von Droste Hülshoff, das alte Luder. Petra Reski las aus ihrem Buch über den Kampf gegen die Mafia (7. Juni, Literaturbüro NRW), Timur Vernes erzählt in „Die Hungrigen und die Satten“ von einem Marsch afrikanischer Menschen nach Europa (13. Juni, Literaturbüro NRW) und Marion Brasch ist „Lieber woanders“ als im ewigen Beziehungs-Wiggel (14. Juni, Heinrich-Heine-Institut). Die unvollständige Aufzählung zeigt: von „Bummel“ kann bei diesem Bücher ICE keine Rede sein. Selbst bei größtmöglicher Selbstoptimierung ist es schwer, alle Abfahrtszeiten zu erreichen.

D_BuecherBummel_Eckert_20190609

Der Düsseldorfer Autor Horst Eckert signierte Buch Nr. 15 "Der Preis des Toides". 

Hinzu kommen alle paar Schritte die Autoren, die auf Aufmerksamkeit hoffen. Horst Eckert weiß nach 15. Kriminalromanen, wie das geht und dass man als Autor im direkten Kontakt mit den Lesern auf alles gefasst sein muss. In seinem Thriller „Der Preis des Todes“ jagt der todkranke Düsseldorfer Kommissar Paul Sellin durchs Dorf und durch Berlin. Laut Ankündigung auf der Webseite soll im nächsten Jahr der 16. Roman von Horst Eckert erscheinen. Beim Bücher-Bummel signierte er seine Bücher.

D_BuecherBummel_StefanieHohn_20190609

Ist bei manchen ihrer Bücher "Self-Publisherin": Autorin Stefanie Hohn las im Zelt der „Freien Autoren Rhein und Ruhr“.

Im Lesezelt der „Freien Autoren Rhein und Ruhr“ trug Stefanie Hohn aus ihrem Fantasy-Krimi „Paradise Landing“ vor. Die Zuhörer saßen dabei auf Hockern aus Buchkarton. „Paradise Landing“ ist unter dem Künstlerinnen-Namen Franca Steffen im „Self-Publishing“ erschienen. Das bedeutet: Nachdem das letzte Wort geschrieben war, kümmert sich die Autorin selbst um einen Lektor, engagierte einen Grafiker für das Titelbild und organisierte den Druck: „Verlage sind heute nicht besonders mutig.“ Da ist der Ansatz „Eine Autorin macht alles Selber“ eine Alternative, um auch mal Geschichten zu erzählen, von denen Literaturmanager behaupten, diese Nische sei zu spitz. Man muss allerding einige tausend Euro investiert, bevor man mit dem Buch zum Bücherbummel kommen kann.

D_BuecherBummel_Stein_20190609

Der "bunte Bücherturm" von Sebastian Schmitt, Preis: 950 Euro, ist für die Ewigkeit gemacht – aus Granit, Sandstein, Marmor. Alle Steinbücher liegen lose auf einer Eisenstange übereinander – der Stapel lässt sich in immer neuen Reihenfolgen zusammenfügen.

aktualisiert 10.6.2019, 23 Uhr

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