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Home›Düsseldorf›Aktuelles›Düsseldorf: Familienglück oder Familientragödie – auf die richtige Nationalität kommt es an | Kommentar |

Düsseldorf: Familienglück oder Familientragödie – auf die richtige Nationalität kommt es an | Kommentar |

Von Ute Neubauer
1. Februar 2018
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Ahmad Kurdi zeigt das Foto seiner Kinder auf seinen Handy, Rajaa Kabtoul hält das Foto ihrer Töchter, die bei eine Granatenangriff schwer verletzt wurde, in den Händen. Beide wünschen sich nur eines - endlich ihre Kinder wieder in die Arme schließen zu können

Die Familie als höchstes Gut zu verstehen, würden viele Menschen als einen der Grundwerte unserer Gesellschaft bezeichnen. Doch wenn es darum geht Familien von Asylbewerbern nach Deutschland zu holen, bröckelt die Wertigkeit und Paragraphen bekommen mehr Bedeutung als menschliche Schicksale.

Asylbewerber, die nicht selber politisch verfolgt oder bedroht wurden, sondern „nur“ aus einen Kriegsgebiet kommen, in denen sie jeden Tag froh um ihr Überleben kämpften, bekommen in Deutschland Asyl. Aber sie erhalten nur den sogenannten subsidiären Schutz, was ihnen einen befristeten Aufenthalt in Deutschland erlaubt. Ob sie in ihrer Heimat Familie zurückgelassen haben, spielt dabei keine Rolle. Dass die Familien in den Kriegsgebieten in Lebensgefahr sind, ist für die Behörden nicht wichtig.

Lebensgefahr für die eigenen Kinder

Doch die Gedanken von Rajaa Kabtoul kreisen den ganzen Tag genau darum. Weil ihr Mann als Regierungsgegner galt war, hat die 32-Jährige zum Jahresende 2015 die Flucht alleine angetreten. Die Tochter Eman und der Sohn Momen blieben mit dem Vater zurück. Sie sollten nachreisen, wenn Rajaa es in ein sicheres Land geschafft hatte. Die Syrerin hatte Glück, ihre Flucht verlief halbwegs zügig und trotz des Weges über das Meer im Schlauchboot, gelangte sie Anfang 2016 nach Deutschland.

D_Stay_Mutter_01022018

Ein Foto aus besseren Tagen: Eman (9 Jahre) und ihr Bruder Momen (10 Jahre), Foto: privat

Der Asylantrag wurde gestellt, im August 2016 erfolgte die Anhörung und schließlich der Bescheid: Subsidiärer Schutzstatus. Doch ohne Recht auf Familiennachzug. Im Oktober 2016 die schreckliche Nachricht aus der Heimat. Ihr Mann kam bei einem Granatenangriff ums Leben, die Tochter erlitt schwerste Brandverletzungen an den Beinen. Rajaa reichte Klage gegen ihren Asylbescheid ein, um wenigstens jetzt die Kinder zu sich holen zu können. Ohne Erfolg. Der nach Ägypten geflohene Opa kehrte zurück nach Damaskus, um sich um die beiden Kinder zu kümmern. Sie leben nun mittellos in Ruinen, ohne Strom, Wasser nur einmal in der Woche und immer wieder Bombenanschläge.

Auf der Flucht gestrandet

Auch Mahmad Kurdi ist von seiner Familie getrennt. Seine Heimat war die Stadt Aleppo im Norden von Syrien. Im Mai 2015 trat er die Flucht an, den beschwerlichen Weg erst übers Land und schließlich mit dem Schlauchboot über das Meer. Ende September 2015 kam er nach Deutschland und wartete bis August 2016 auf seine Anhörung. Im Oktober 2016 erhielt auch er seinen Bescheid: Subsidiärer Schutzstatus. Er klagte gegen den Bescheid, doch ohne Erfolg, die Klage wurde im Oktober 2017 abgewiesen.

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Mohammed Zein (7 Jahre) und Hussni (6 Jahre), Foto: privat

Bis dahin harrte seine Familie noch in Aleppo aus. Doch dann wurde das Haus durch Bomben zerstört und trat die Flucht an. Seine Frau und die sechs und sieben Jahre alten Söhne sind bis Istanbul gekommen. Dort haben sie Unterschlupf bei einem Verwandten gefunden, doch leben ohne medizinische oder finanzielle Unterstützung. Die Kinder dürfen nicht zur Schule gehen.

Flüchtlings-Lotterie?

D_Stay_Lose_01022018

Diesen Monat gewinnen die weissen Lose?

Zwei Schicksale von vielen. Zwei Familien aus Kriegsgebieten, die nur eines wollen: gemeinsam friedlich Leben. Mit dem heutigen Gesetzesbeschluss aus Berlin ist ihnen die Hoffnung genommen worden, ihre Angehörigen in Sicherheit bringen zu können. Sie fragen sich, wie die 1000 Kontingent-Flüchtlinge bestimmt werden sollen. Welche Kriterien wird es geben – noch ist nichts bekannt. Werden zwei Kinder ohne Elternteil in Damaskus eine Chance bekommen, zu ihrer Mutter zu reisen? Oder wird es eine Flüchtlingslotterie geben, in der Monat für Monat Familienglück-Kugeln verlost werden? Stellt sich die Frage, wer die Glücksfee spielt?

Nur ein Wunsch: Gemeinsam friedlich Leben

Wer selber eine Familie hat und sich um die Kinder sorgt, weil sie vielleicht Fieber haben oder schlechte Noten in der Schule – muss der sich nicht schütteln, wenn man die Geschichte von Rajaa und Ahmad hört? Getrennt von den Kindern und nicht zu wissen, ob sie gerade einem Bombenangriff ausgesetzt sind? Und dann sitzen Deutsche Volksvertreter in Berlin im warmen und trockenen Bundestag und entscheiden über den Familiennachzug. Sie feiern es auch noch als Erfolg, diesen für 1000 Menschen ermöglicht zu haben. Vielleicht fahren sie danach nach Hause, zu ihren Familien.

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