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KulturTheater
Home›Kultur›Brecht auf! im Düsseldorfer Schauspielhaus – So wird die nächste Spielzeit

Brecht auf! im Düsseldorfer Schauspielhaus – So wird die nächste Spielzeit

Von Neubauer
20. Mai 2015
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SOS-Einsatz für das Düsseldorfer Schauspielhaus: Günther Beelitz

„Brecht auf!“, heißt das Motto der nächsten Spielzeit im Düsseldorfer Schauspielhaus, und ein Ortswechsel ist damit garantiert verbunden. Im Januar macht die Renovierung des Theaters am Gründgens-Platz die Probebühne Central bis Herbst zur Spielstätte für Repertoire und Premieren. Für Interimsintendanten Günther Beelitz, der als Krisenmanager einsprang, um das Haus zu konsolidieren, und sich inzwischen über wieder steigende Besucherzahlen freut, ist es die letzte Runde. Zum Saisonbeginn 2016/17 übernimmt Wilfried Schultz, aktuell noch Leiter des Staatsschauspiels Dresden.

Los geht es aber zunächst am 29. August im Großen Haus. Hans Pleschinskis „Königsallee“ eröffnet die Spielzeit. Der Roman (2013) beschreibt er eine fiktive Begegnung zwischen Thomas Mann und Klaus Heuser: 1954, Breidenbacher Hof. Thomas Mann, nunmehr 79, checkt mit Ehefrau Katja ein. Nach der Emigration ist es seine erste Reise ins Nachkriegsdeutschland. Hier trifft er den Kaufmann Klaus Heuser, in den er sich vor vielen Jahren verliebte. Er ist mit seinem Freund angereist.

Das "Kleine Haus" begegnet dem Bösen

Wolfgang Engel inszeniert eine  Düsseldorfer Bühnenfassung des folgenreichen Wiedersehens. Tags drauf, am 30. August: Saisonbeginn im Kleinen Haus. Die Uraufführung „Klaus Barbie – Begegnung mit dem Bösen“ beschäftigt sich 70 Jahre nach Kriegsende und Auschwitz-Befreiung mit Lyons Gestapo-Kommandanten Barbie. Er  floh nach dem Krieg nach Südamerika, wo er bis in die 80er lebte und wütete. Als ihm der Prozess gemacht wurde, zeigte er keinerlei Reue. Die Inszenierung basiert auf dem gleichnamigen WDR-Hörspiel und stellt die Frage nach dem Psychogramm des Bösen. Hörspielautor Leonhard Koppelmann schrieb auch das Stück und führt Regie.

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Auf dem Weg ins Licht: das Düsseldorfer Schauspielhaus

Autoren aus dem deutschsprachige Raum prägen auch die nächsten Theatermonate. Brecht auf …? Ein Wiedersehen mit dem wahren Brecht gibt es in jedem Fall im Januar. Am 22.  feiert das „Leben des Galilei“ auf der Großen Bühne des Central Premiere, nebenan, im kleinen Saal, gibt’s „Die Kleinbürgerhochzeit“ (23. Januar), dann „Flüchtlingsgespräche“ (24. Januar) und schließlich noch einen bislang nicht fest terminierten Abend mit Manuela Alphons. „Wenn mein Glück aussetzt, bin ich verloren“ vereint BB mit musikalischen Beiträgen von Weill, Dessau und Eisler.

Die deutsche Geschichte umfassen

Aber das Motto will ja mehr. Es will die deutsche Geschichte umfassen, Fragen nach Verantwortung, Menschenwürde, Recht und Gerechtigkeit. „Die Comedian Harmonists“, Opfer der Nazi-Propaganda, passen hinein (Buch: Gottfried Greiffenhagen, musikalische Einrichtung: Franz Wittenbrink), außerdem das Debüt des Strafverteidigers und Schriftstellers Ferdinand von Schirach. Sein erstes Theaterstück „Terror“ handelt von einem Bundeswehrpiloten, der schuldig wird. Er hat ein Verkehrsflugzeug abgeschossen, das Terroristen entführt haben, um damit einen Anschlag auf ein ausverkauftes Fußballstadion zu verüben – er hat 164 Menschen getötet, um 70 000 zu retten. Ein Fall für die Justiz. Neben Nicole Heesters als Staatsanwältin kehrt Wolfgang Reinbacher als Richter zurück (Premiere 17. Oktober).

Taugt Faust überhaupt noch als Vorbild ?

Außerdem „brechen“ traditionelle Theaterstoffe über Düsseldorf herein. Klaus Manns „Mephisto“, Carl Zuckmayers „Hauptmann von Köpenick“, Franz Kafkas „Die Verwandlung“, Friedrich Hebbels „Die Nibelungen“ (Regie Dietrich Hilsdorf) – Max Frisch („Biografie: ein Spiel“), Else Lasker-Schüler („Die Wupper“, Regie Roberto Ciulli) und Johann Wolfgang von Goethe. „Faust I“ soll diesmal auf dem Prüfstand stehen. Regisseur Georg Schmiedleitner stellt die Frage, ob Faust noch zum Vorbild taugt.

Nur ein bisschen Ruhe vor dem Sturm

Und dann wäre da passenderweise noch „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“, fürs erste in Form eines Beitrags von Theresia Walser, der Tochter Martin Walsers. Drei Schauspieler warten auf ihren Talkshow-Auftritt. Zwei spielten bereits Hitler, einer „leider nur“ Goebbels. Es kommt zur Grundsatzdebatte zwischen Regie- und Schauspielertheater. Auch das ist ein sehr deutsches Problem. Ob das alles dazu beiträgt, die aktuelle Auslastung von knapp 70 Prozent zu steigern, wird sich zeigen.
Bis Januar 2016: Schauspielhaus, Gustaf-Gründgens-Platz, danach bis zum Herbst: Central, Worringer Straße 140.  Infos www.duesseldorfer-schauspielhaus.de, Tel. 0211/36 99 11.

Fotos: Schauspielhaus, Dirk Neubauer

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