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Home›Wirtschaft›Gewerkschaften›Düsseldorf 1. Mai 2019: Europa und die soziale Schieflage zog 3000 Menschen zum Mai-Protest

Düsseldorf 1. Mai 2019: Europa und die soziale Schieflage zog 3000 Menschen zum Mai-Protest

Von Dirk Neubauer
1. Mai 2019
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Confetti, Luftballon und bassintensive Musik: Die DGB Jugend machte lautstark auf den 1. Mai in Düsseldorf aufmerksam.

Mehr als 3000 Menschen kamen zur Mai-Demonstration (rund 1500 Teilnehmer) und -Kundgebung nach Düsseldorf. Sie standen – bundesweit – unter dem Motto „Europa – jetzt aber richtig“. Mairednerin Andrea Kocsis, die stellvertretende Bundesvorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, zog in ihrer Rede eine direkte Verbindung zwischen dem Erstarken rechtsradikaler Parteien wie der AFD und Niedriglöhnen, hohen Mieten, ungleich verteiltem Reichtum, geringen Aufstiegschancen: „Der Rechtsruck in unserem Land hat auch soziale Ursachen. Viele Menschen fühlen sich mit ihren Problemen und Sorgen alleingelassen.“

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Mairednerin 2019 in Düsseldorf: Die Vize-Bundesvorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Andrea Kocsis.

Der jahrelange Aufschwung der Wirtschaft mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahlen habe längst nicht jeden in Deutschland erreicht, sagte Kocsis. Jeder sechste sei von Armut bedroht – das seien 16 Millionen Menschen, darunter 2,5 Millionen Kinder. „Jeder Vierte arbeitet für einen Niedriglohn. Noch immer gibt es Millionen Minijobs, unfreiwillige Teilzeitjobs, befristete Arbeitsverträge und Werkverträge. Noch immer erhalten Leiharbeitnehmer für gleiche Arbeit weniger Geld“, sagte Kocsis.
Auf der anderen Seite stiegen in Städten wie Düsseldorf die Mieten rasant. Das Thema hatten zuvor auch die Düsseldorfer Geschäftsführerin des DGB, Sigrid Wolf und der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel angeschnitten. Wolf verwies in ihrer Begrüßung auf die Aktionswoche zum Thema bezahlbares Wohnen mit mehr als 250 Aktionen. Geisel betonte seine positive Wohnraumbilanz in Düsseldorf. Beide sagten einhellig: Gewerkschaften und SPD setzten sich für ein Düsseldorf ein, in dem jeder leben könne – und nicht bloß die Reichen.

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Bei kühlen Temperaturen hielten viele hundert Zuhörer auf dem Johannes-Rau-Platz aus.

Alle drei Redner appellierten in ihren Beiträgen, sich an der Europawahl am 26. Mai zu beteiligen. Geisel erinnerte daran, dass die Europäische Union für 70 Jahre Frieden zwischen sich einstmals in zwei Weltkriegen bekämpfen Nachbarn gesorgt habe. Man müsse vor allem jungen Menschen immer wieder deutlich machen, dass dies keine Selbstverständlichkeit sei.

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Die Düsseldorfer DGB-Chefin Sigrid Wolf rief OB Thomas Geisel zur Zusammenarbeit auf.

Andrea Kocsis kritisierte dass in Europa nach der Finanzmarktkrise 2008 der Sozialstaat unter die Räder gekommen sei: „Rente und Arbeitslosengeld wurden gekürzt, Arbeitnehmerrechte geschleift, Flächentarifverträge zerschlagen, Tarifautonomie und Kündigungsschutz ausgehebelt.“ Dadurch sei das größte Friedensprojekt des Kontinents bei vielen Arbeitnehmern in Verruf gekommen: „Die Menschen müssen erleben, dass die EU ihr Leben nachhaltig und konkret verbessert.“ Den Rechtspopulisten dürfe man Europa keinesfalls überlassen.

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OB Geisel übte den Schulterschluss mit dem DGB und warnte davor, bei den Europawahlen den Rechtspopulisten auf den Leim zhu gehen. 

Auch bei den Gewerkschaften selbst zeigt sich ein gemischtes Bild am 1. Mai 2019. Die jüngsten Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst (plus 8 Prozent), in der Energiewirtschaft (plus 6 Prozent), bei der Bahn (plus 6 Prozent) und im Stahlbereich (plus 4 Prozent) können sich durchaus sehen lassen. Dem gegenüber steht, dass laut Bundesregierung nur 47 Prozent der Beschäftigten tarifgebundene Löhne bekommen. Zwei Fünftel der Beschäftigten arbeiten in Bereichen ohne Tarifverträge und ohne Betriebsräte.

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Funk vom Feinsten beim DGB in Düsseldorf: Carmen Brown.

In Düsseldorf schickte der DGB seine Jugend in die erste Reihe, um lautstark auf sich aufmerksam zu machen. Mit einer kräftigen Musikanlage auf einem Mietlaster, Choreographien und Konfetti-Regen unterstützten die Gewerkschaftsjugend ihre Themen wie der einer angemessenen Ausbildungsvergütung. Als eine noch junge Protestgruppe ultralinker Demonstranten vor der Kundgebungsbühne ein Transparent mit der Aufschrift „Revolution statt Reform“ hochhielt, stellten sich die DGB-Jugendlichen mit Luftballon und ihren Schildern einfach davor.

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Ein Kollege bei der IG Metall ist aus Metall: Die Johannes Rau-Statue macht traditionell beim 1. Mai in Düsseldorf mit.

 

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