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Home›Düsseldorf›Aktuelles›In der Stadt fehlen 20.000 Wohnungen

In der Stadt fehlen 20.000 Wohnungen

Von Dirk Neubauer
30. Dezember 2014
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Die Wohnungsgenossenschaft Wogedo sanierte das Quartier "Die Ecke" in Gerresheim.

54 Zwei- und Dreiwimmerwohnungen zu einem Mietpreis von 9,90 Euro pro Quadratmeter? Auf dieses Angebot hatte Düsseldorf eine eindeutige Antwort: Innerhalb von nur sechs Wochen konnte die Wogedo, die Wohnungsgenossenschaft Düsseldorf-Ost, ihr Projekt komplett vermieten. „Die Ecke“ an Dreher- und Märkischer Straße wird ab Januar bezogen.

Innerhalb von fünf Jahren Entwicklungsarbeit wurden dort fünf alte Nachkriegshäuser abgerissen und durch sechs moderne, nicht nur lärm-, sondern auch preisgedämpfte Bauten ersetzt. Die Wohnungen sind 51 bis 95 Quadratmeter groß, barrierefrei oder wenigstens barrierearm und haben Fußbodenheizung und Bäder nach Wunsch der späteren Nutzer. Die Wohnungen gingen zu einem Drittel an neue Wogedo-Genossen.

Mehr als 60 Prozent klagen über zu hohe Mieten

Stadtweit offenbaren die durch einen konstanten Mangel an bezahlbarem Wohnraum Gepeinigten eine Stimkwut. Auf die Frage „Sind die hohen Mietpreise in Düsseldorf aufgrund der hohen Lebensqualität hier gerechtfertigt?“ antworteten mehr als 60 Prozent mit einem eindeutigen „Nein“. Nur 15 Prozent bejahten die Frage. Vor allem Bürger aus dem Düsseldorfer Norden fühlen sich über Gebühr abkassiert; die vergleichsweise besten Bewertungen kamen aus den Nobelvierteln der linken Rheinseite. Bei einem Blick auf die Altersverteilung ist jugendliche Unbekümmertheit Trumpf – während Menschen über 30 – und noch stärker über 60 – mit Kummer und Ärger auf den Betrag blicken, den sie Monat für Monat für ihre Wohnung abgeben müssen.
Düsseldorf hat gleich mehrere Luxusprobleme. Die Stadt wächst – in den vergangenen fünf Jahren um mehr als 12.500 Einwohner. Mit Pia Sophie Giese kam am 20. Juli 2014 die 600.000 Düsseldorferin zur Welt. Im schicken Pünktchenstrampler musste sie nur drei Monate später zu einem Fototermin mit Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke ins Rathaus. Gleichzeitig tendiert die Zahl der Seniorenhaushalte gegen 30 Prozent. Weder auf die ganz jungen noch die ganz alten Menschen sind die 333.100 Wohnungen in Düsseldorf vorbereitet.

Auf Normal- und Geringverdiener nicht vorbereitet

Auf finanzielle Normalos erst Recht nicht. Zwischen 2009 und 2014 zog der durchschnittliche Mietpreis in Düsseldorf um 18 Prozent an und lag nach einer Marktstudie der Webseite „immowelt“ im ersten Quartal 2014 bei 9,40 Euro im Schnitt. Das bedeutet einen achten Platz in der Tabelle der nach Mietkosten teuersten Städte Deutschlands – noch vor Wiesbaden und Berlin. Bis zu 20.000 bezahlbare Bleiben fehlen in Düsseldorf.
Deshalb gibt es seit 2013 eine Bedingung für Neubauprojekte im Wohnungsbereich. Ein Fünftel der Wohnungen muss zu Preisen bis 6,25 Euro pro Quadratmeter am Markt angeboten werden. Ein weiteres Fünftel für maximal 8,50 Euro je Quadratmeter. Während OB Thomas Geisel im Wahlkampf von höheren Quoten gesprochen hatte, wurde er in den Ampelkoalitionsverhandlungen geschliffen: Bestätigung der alten Quoten, die damals von FDP und Grünen zusammen mit der CDU ausgehandelt worden waren.

"Praxisferne Quoten für sozialen Wohnungsbau"

Heiko Leonhard, Geschäftsführer der Düsseldorfer Wohnungsgenossenschaft, kritisiert die Quote, vor allem das zweite, bis 8,50 Euro pro Quadratmeter definierte Fünftel: „Bei steigenden Grundstückspreisen und Baukosten rechnen sich zehn Euro so eben.“ Die Mietpreisgrenze von 8,50 Euro sei ein Wunsch grüner Wohnungsbaupolitiker gewesen.
Kritik an der Wohnungspolitik kommt aber auch von der Linken. Das Handlungskonzept für den Düsseldorfer Wohnungsmarkt sei völlig ungeeignet. Es fehlten nicht bloß jene 20.000 Sozialwohnungen, über die alle diskutierten; zusätzlich fielen mehrere tausend Mietwohnungen in den kommenden Jahren aus der Sozialbindung heraus. Die Linken fordern mehr städtischen Wohnungsbau mit Mieten von fünf Euro je Quadratmeter.
Immerhin gibt es Zahlen, die Hoffnung machen. In Düsseldorf wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres Baugenehmigungen für 2188 Wohnungen erteilt – eine Steigerung um fast 75 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das Glasmacher-Viertel mit rund 1400 Wohnungen in Gerresheim, die Ulmer Höh mit 600 neuen Wohnungen in Derendorf und das Lichtenbroicher Wohnungsbauprojekt mit knapp 90 neuen Wohnungen sind Mutmacher-Projekte, die allerdings nicht vor 2018 auf den Markt kommen.

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Der Glasmacher-Park in Gerresheim.

Hamburg als Vorbild

Ausruhen kann sich die politische Ampel im Rathaus deshalb nicht. Praktiker kritisieren die undynamische Arbeitsweise der Düsseldorfer Bauverwaltung. Es dauere schlicht zu lange, bis Baugenehmigungen erteilt würden. Und: Die Verpflichtung, pro Wohnung einen Autostellplatz schaffen zu müssen, sei für private Investoren eine echte Projektbremse – vor allem bei Studentenbuden und seniorengerechten Wohnungen, deren Mieter häufig gar keine Autos besäßen. Hamburg hat die Stellplatz-Verpflichtung aus diesem Grund einfach abgeschafft.

Fotos: Patrizia + Wogedo

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