Düsseldorf: Diakonie startet Projekt im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes für Menschen Ü60

Wer den Begriff Bundesfreiwilligendienst hört, verbindet damit meist automatisch junge Menschen, die sich im Rahmen eines Jahres in sozialen Einrichtungen engagieren. Doch der Bundesfreiwilligendienst ist nicht an ein Alter gebunden und kann auch von Senioren geleistet werden. Genau dort setzt die Diakonie mit ihrem Projekt „REAL – Neuer Rahmen für Engagement im Alter“ an. Sie möchte Menschen 60plus dafür gewinnen sich als Begegnungslots*innen zu engagieren. Projektleiter Christian Carls wirbt aktuell für die Teilnahme am Projekt, Bewerbungen sind noch möglich. Gestartet werden soll am 1. Oktober.
Die Projektteilnehmer*innen werden als sogenannte Begegnungslots*innen aktiv. Sie sind fest in die Arbeit der jeweiligen zentren plus eingebunden, wirken an bestehenden Angeboten mit und entwickeln eigene neue Formate. Indem sie im Stadtteil unterwegs sind, nehmen sie Kontakt zu Menschen auf und suchen das Gespräch. Als Lots*innen weisen sie auf bestehende Angebote hin, begleiten um den ersten Schritt zu erleichtern, unterstützen aber auch, wenn es darum geht neue Aktionen ins Leben zu rufen. Dabei werden die Lots*innen von den Fachkräften vor Ort begleitet.
„Viele Angebote gelten als offen, sind vor einem ersten Besuch aber schwer einzuschätzen“, erklärt Carls. „Passt die Gruppe zu mir? Wie werde ich aufgenommen? Und ist es in Ordnung, nicht wiederzukommen, wenn es doch nicht passt? Eine offene Tür ist eben noch kein leichter Zugang. Genau an dieser Hürde setzen die Begegnungslots*innen an“. Denn nicht die Zahl der Angebote in einer Stadt ist entscheidend dafür, ob sie von neuen Menschen wahrgenommen werden, sondern wie es gelingt sie zum Besuch zu motivieren und wie sie dort willkommen geheißen werden. Dabei sollen Begegnungslots*innen nicht auf Dauer eine 1:1 Betreuung von Menschen übernehmen, sondern ihnen Wege aufzeigen und erste Schritte erleichtern – wie ein Lotse auf dem Schiff, der wieder von Bord geht, wenn der Hafen erreicht ist.

Jürgen Schwarzbeck fand über den Bundesfreiwilligendienst zum Ehrenamt
Jürgen Schwarzbeck hat den Bundesfreiwilligendienst begonnen, als er Ende 2024 in Ruhestand gegangen ist. Er hatte mehr als 40 Jahre im Personalbereich eines DAX-Unternehmens gearbeitet und wollte sich auf der Suche nach einer sinnvollen Betätigung in den 12 Monaten orientieren, wie er seinen „Unruhestand“ gestalten möchte. Die Evangelische Kirchengemeinde an seinem Wohnort bot eine Stelle an und er griff zu, obwohl er zuvor kaum Kontakt zur Gemeinde hatte. Er beschreibt sein Jahr als sehr vielseitig und spannend, da ihm die Möglichkeit geboten wurde, alle verschiedenen Gruppen der Kirchengemeinde kennenzulernen. Das ging vom Grundschulgottesdienst, über die Konfirmandengruppe, dem kostenlosen Mittagstisch bis zu Geburtstagsbesuchen und Terminen im Altenheim. Mittlerweile ist sein Bundesfreiwilligendienst beendet, aber das Jahr hat dazu geführt, dass er sich nun ehrenamtlich weiter beim Mittagstisch und Besuchsdienst engagiert. Der Bundesfreiwilligendienst hat ihm die Tür geöffnet, dabei erinnert er sich auch sehr positiv an die Seminare, zu denen auch eine Fahrt nach Berlin mit großem Programm gehörte. Schwarzbeck warb für den Bundesfreiwilligendienst, auch als Orientierung und Einstieg ins Ehrenamt.
Das bekräftigt Projektleiter Christian Carls, denn die Hoffnung sei es, dass die Projektteilnehmer*innen sich auch nach den 12 Monaten weiter engagieren. Er betont aber auch, dass ein ehrenamtliches Engagement mit weniger Stunden bei dem Projekt möglich sei und bei Interesse gerne Kontakt aufgenommen werden könne.

Autor Thomas Hax-Schoppenhorst hat ein Buch über Einsamkeit geschrieben
Thomas Hax-Schoppenhorst ist Autor zahlreicher Fachbücher und Herausgeber des Standardwerks „Das Einsamkeits-Buch“. Das Projekt sieht er als einen guten Weg, der Gesamtheit der Gesellschaft aufzuzeigen, dass Einsamkeit kein Problem sei, das einige wenige haben. Denn egal ob selbst verschuldet oder aus anderen Gründen, müsse es die Verpflichtung aller sein, Gemeinschaft zu leben. Dazu gehöre es, sensibler, bewusster und menschenfreundlicher miteinander umzugehen. Genau dort setzen die Begegnungs*lotsinnen an, sie nehmen das Gegenüber wahr und suchen das Gespräch. Sei es im Park, am Bücherschrank, im Café oder wo sich sonst noch die Gelegenheit bietet.

Christian Carls und Margit Risthaus stellten das Projekt vor
Margit Risthaus, die die zentren plus der Diakonie koordiniert, betont die Anbindung an die jeweiligen zentren plus und vergleicht sie mit den Clubs für die Jugendlichen, nur eben für ältere Menschen. Neben festen Angeboten gebe es zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen, die für alle offen sind. Aber die Hemmschwelle ganz neu in diese hereinzuschnuppern sei eben groß und solle durch die Begegnunslots*innen gemildert werden. Sie betont, dass es sich um ein Modellprojekt handelt und die Teilnehmenden viel Spielraum hätten ihre Einsätze und Aktivitäten zu gestalten.

Im zentrum plus in Benrath wird es einen Standort für das Projekt geben, Foto: Diakonie Düsseldorf
Im Gegensatz zu ehrenamtlichem Engagement verpflichten sich die Projektteilnehmer*innen über 12 Monate fest mit rund 20 Wochenstunden. Das hört sich viel an, beinhaltet aber während dieser Zeit auch rund 15 Seminare, Teamsitzungen, Recherche und den Einsatz vor Ort. Das Projekt startet mit einer Gruppe von zehn bis zwölf Personen, die in Düsseldorf in den zentren plus der Diakonie in Benrath/Urdenbach, Garath/Hellerhof, Flingern/Düsseltal und Derendorf/Golzheim angesiedelt sind. Zwei weitere Einsatzgebiete sind Ratingen mit den Standorten Lintorf und Ratingen-Mitte. Neben dem monatlichen Taschengeld von rund 260 Euro Euro gehört die Krankenversicherung, die Übernahme der Fahrtkosten und 30 Urlaubstage zu den Leistungen. Das Projekt wird aus Mitteln der Deutschen Fernsehlotterie durch die Stiftung Deutsches Hilfswerk gefördert und von der Diakonie RWL umgesetzt. Projektstart ist am 1. Oktober 2026, eine zweite Runde ist für 2027 vorgesehen. Weitere Informationen und Anmeldung: www.fsj-bfd.de/60plus