Düsseldorf Friedrichstadt: Mieter bangen um ihre Wohnungen

Die Halskestraße in Friedrichstadt ist zwar eine Stichstraße zu den Bahngleisen, aber schon die grünen Beete an den Straßenrändern zeigen, dass hier Nachbarschaft gepflegt wird. In den Fenstern vieler Häuser fallen neongelbe Plakate mit schwarzer Schrift auf „Entmietung stoppen! Halskestraße – Wir sind Nachbarschaft!“. Denn die Mieter des Hauses Nummer 8 haben seit April 2026 einen neuen Eigentümer. Seitdem gab es Kündigungsschreiben, Mieterhöhungen und Baumaßnahmen in dem Gebäude, das der RLU2 GmbH gehört.

In vielen Fenstern der Nachbarschaft hängen die leuchtenden Plakate
Die Mieter haben sich an das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum gewandt, die bereits Fälle von Eigentümern öffentlich gemacht haben, deren Geschäftsmodell darin besteht, Immobilien gewinnorientiert zu gestalten. Dem stehen in einigen Fällen die Bestandsmieter im Weg, weshalb das Bündnis berät, wie sich Mieter gegen Forderungen oder Kündigungen wehren können. Die Mieter*innen der Halskestraße 8 schildern, dass es in dem Haus zehn Wohneinheiten gibt, von denen acht bewohnt sind. Einige Mieter*innen sind erst vor zwei bis drei Jahren eingezogen, andere wohnen schon 40 und über 50 Jahre in dem Haus. Irritiert waren sie, da sie vom neuen Eigentümer aufgefordert wurden, Kautionen zu hinterlegen und das mit sehr kurzen Fristen. Für sie war klar, dass sie diese bereits mit dem Einzug und wie im Mietvertrag vereinbart erledigt hatten. Eine Sprecherin der RLU2 GmbH erklärte gegenüber Ddorf-aktuell, dass es sich dabei um eine Bankbürgschaft gehandelt habe, die mit dem vorherigen Eigentümer geschlossen wurde. Dieser müsse die Kautionen rückerstatten und entsprechend sei eine neue Kautionszahlung an den aktuellen Eigentümer rechtens.

Aktuell wird im Haus an der Halskestraße 8 renoviert
Allerdings betonte die Sprecherin auch, dass man bei den ausgesprochenen Mieterhöhungen den Düsseldorfer Mietspiegel von der Seite der Stadt Düsseldorf zugrunde gelegt habe, der bei 15 Euro den Quadratmeter liege. Entsprechend der gesetzlichen Möglichkeiten habe man daher die Mieten angepasst. Der in Düsseldorf gültige Mietspiegel von Mieterverein und Haus&Grund sieht bei dem Baujahr des Hauses eine Miete bis 11,44 je Quadratmeter vor. Dieser Widerspruch konnte von Ddorf-aktuell nicht aufgeklärt werden.

Auch der Nachwuchs weiss schon, dass Nachbarschaft zusammenhalten muss
Unabhängig davon leiden die Bewohner*innen unter Baulärm und Schmutz, der sich auch im ganzen Treppenhaus ausbreitet, da aktuell Wohnungen in den oberen Geschossen renoviert werden. Sie würden sich wünschen, dass zumindest eine Reinigung seitens des Eigentümers veranlasst würde. Hinweise auf Beeinträchtigungen im Treppenraum, so dass Treppenhandläufe nicht nutzbar waren, konnte die RLU2 Mitarbeiterin nicht bestätigen, räumte aber ein, dass es im Rahmen von Bauarbeiten zu Beeinträchtigungen kommen könne.

Leonie Prinz (rechts) vom Bündnis für bezahlbaren Wohnraum berschreibt die Probleme, vor denen viele Mieter*innen in Düsseldorf stehen
Verunsichert sind die Mieter*innen auch, da der Eigentümer in Youtube-Videos ausführlich erklärt, wie man Immobilien gewinnmaximiert. Hier einige Zitate aus dem Youtube-Video, das hier öffentlich aufrufbar ist : „Ich will Geld verdienen mit Immobilien“ und „wenn ich ein Objekt entwickle und ich dann auf einmal einen Mehrwert schaffe von 300 Prozent, dann interessiert mich die Zinsentwicklung nicht von 3-4 Prozent“. „Für mich aber, jemand, der Immobilien Business machen will und sich daran bereichern will, der will ja damit Geld verdienen“. „Wir kaufen Immobilien, die wir uns vorher anschauen, wo wir wissen, die haben Potenzial, ausgebaut zu werden, dass man mehr Quadratmeter Wohnflächen oder vermietbare Flächen, sagen wir so, ist wichtiger, vermietbare Flächen generieren kann“, „Ich gebe dir jetzt zum Beispiel, ich habe eine Immobilie in Düsseldorf gekauft, Durchschnittsquadratmeter Preis in der Miete waren 2,50 Euro. So viele Leute, die haben sich die Immobilie angeguckt und dann sind rückwärts wieder raus, weil die gesagt haben, das rechnet sich nicht. Und in der Tat rechnet sich nicht. Wenn du aber weißt, wie du was machst und wenn du das Potenzial dahinter siehst, und du weißt, wie du die Sachen umsetzt“. „Und wenn man das getan hat, dann steht man eben da, wo ich jetzt gerade stehe und die Immobilie hat heute einen Durchschnittsquadratmeter Preis an Miete in Höhe von 18,50 Euro. Und jetzt lässt sich alles so rechnen, wie ich mir das gedacht habe“, „Und dann ist natürlich, das ist jetzt alleine der Umbau, die Vermietbarkeit ist auch wieder eine Sache. Einige Leute wissen nicht, wie die Mietstruktur umändern, sodass die wirklich die maximale Miete erzielen“.
Kommentar: Gewinnmaximierung auf dem Rücken von Mieter*innen?
Die einen nennen es freie Marktwirtschaft, die anderen finden, das Recht auf Wohnen sei ein Menschenrecht. Immer wieder geraten Mieter*innen in die Situation, dass sie ihre Wohnung verlieren, weil sie den wirtschaftlichen Interessen von Eigentümer*innen im Wege stehen. Eigenbedarfskündigungen, Verwertungskündigungen und Mieterhöhungen sind Mittel, die für Entmietungen herangezogen werden. Eine Lobby haben die Mieter*innen nicht. Bei der Stadt erklärt man ihre Probleme zur Privatsache, auch wenn im Koalitionsvertrag von Schwarz-Grün steht, dass man sich dafür einsetzen wolle, dass sich Menschen in ihren angestammten Vierteln wohlfühlen. Das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum versucht Menschen zu vernetzen, denn vielfach denken Mieter*innen, sie sind alleine mit dem Problem. Dabei sind bereits viele betroffen und täglich werden es mehr.
Informationen und Kontakt zum Bündnis für bezahlbaren Wohnraum gibt es hier.