Kommentar: Nicht nur sportlich ist Fortuna Düsseldorf abgestiegen

Die Schockstarre nach dem Abstieg in die 3. Liga ist bei den Verantwortlichen bei Fortuna noch spürbar. Am Freitagmittag (29.5.) stellten der Aufsichtsratsvorsitzende Björn Borgerding und der Vorstandsvorsitzende Alexander Jobst den neuen Sportvorstand Samir Arabi vor.

“Wir haben Fehler gemacht und dürfen uns jetzt nicht wegducken”, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Björn Borgerding
Doch bevor Arabi zu Wort kam, versuchten Borgerding und Jobst zu erklären, wie es ihnen in den vergangenen Tagen ergangen ist. Worte wie „heftige Niederlage“, „wir haben Fehler gemacht“, „es war eine harte Woche“ und „Fortuna ist mehr als ein Arbeitgeber“ fielen. Beide beteuerten, dass es ihnen von Herzen leid täte, mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden entlassen zu müssen. Zumal diese ja nicht auf dem Platz für den Abstieg verantwortlich waren und sich zum Teil über viele Jahre mit Herzblut für die Fortuna einsetzten, betonten beide.
Und doch wurde 67 Personen gekündigt. Dabei schreckte man auch nicht davor zurück Menschen zu entlassen, die eigentlich einen Kündigungsschutz haben. Am Rande bemerkt: einen Betriebsrat gibt es bei der Fortuna nicht. Aber da gibt es ja noch die Fortuna-DNA, mit der alle gemeinsam, als große Familie die Interessen des Vereins vertreten. Schöne Worte, die hier nochmal nachgelesen werden können.

Vorstandsvorsitzender Alexander Jobst ist bereit beim Restrukturierungsprozess voran zu gehen, auf sein Gehlat verzichtet er dabei offenbar nicht
Was sagte Jobst nicht? Im Gegensatz zum Aufsichtsrat ist der Vorstand nicht ehrenamtlich tätig. Für das Gehalt von Jobst hätten sicherlich einige der gekündigten Mitarbeiter*innen bleiben können. Aber auch einen Verzicht auf Teile seines Einkommens um den Verein zu unterstützen sind offenbar kein Thema. Zumindest war in der Pressekonferenz keine Rede davon. Aufsichtsrat und Vorstand haben sicherlich zahlreiche Kontakte zu Stadt, Unternehmen, Organisationen. Wurden diese vielleicht genutzt, um wenigstens für einen Teil der Mitarbeitenden vor deren Kündigung Optionen für eine Übernahme auszuloten?
Die Abteilungen Digitale Entwicklung, Nachhaltigkeit und Events wurden komplett aufgelöst. Oliver Fink war am Freitagnachmittag noch auf dem AOK-Gesundheitstag in Mettmann im Einsatz und schrieb Autogramme. Ab Montag (1.6.) ist auch er freigestellt.
Die Mitglieder fordern bereits eine außerordentliche Mitgliederversammlung. Was die von den Fortuna-Verantwortlichen als unendlich wichtig eingeschätzten Fans von der aktuellen Situation halten, ist in zahlreichen Kommentaren in den sozialen Netzwerken zu lesen. Zufriedenheit kommt darin eher selten vor. Wenn man sich neu aufstellen muss, sollte das dann nicht auch für die Führungsebene gelten?

Samir Arabi hat Lust auf die Aufgabe und kennt die Situation bereits aus seinen Zeiten bei Arminia Bielefeld
Der Fokus liegt offenbar auf dem sportlichen Kader. Für den müssen in der 3. Liga zwischen sechs und zehn Millionen Euro aufgebracht werden. Samir Arabi ist der neue Sportvorstand und soll es richten. Die Situation ist für ihn nicht unbekannt, denn auch mit Arminia Bielefeld war er in der 3. Liga. Mehrfach betonte er, dass er keine Luftschlösser bauen wolle, sondern jetzt die Ärmel hochgekrempelt und angepackt werden müsse. Einige Spieler hätten signalisiert, auch in der dritten Liga bei der Fortuna spielen zu wollen. Mit Florian Kastenmeier habe er gesprochen, könne aber noch nicht seriös sagen, ob er Teil des Neuanfangs sein wird. Er will auch „frisches Blut“ ins Team bringen und ist im Austausch Trainer Alexander Ende. Bei ihm sieht Arabi viel Energie, die es jetzt auch brauche. Bereits Anfang August startet die 3. Liga in die Saison – das ist nicht viel Zeit, um nicht nur Spieler, sondern ein Team auf den Platz zu bringen.
Die einzig gute Nachricht: Der Ausbau des Nachwuchsleistungszentrums wird wie geplant stattfinden.
Was noch unklar ist: Die Ticketpreise.