Liebevolle Erinnerung: Schau der Nachlässe im Malkasten Düsseldorf

Wer war Stefan Demary? Kennen Sie noch Claudia van Koolwijk? Der Konzeptkünstler (geboren 1958) und die Fotografin (Jahrgang 1961) hatten beide unter anderem bei Fritz Schwegler studiert und entwickelten eine Fülle origineller, subversiver Ideen. Sie machte viele Porträts und fotografierte auch den Kollegen Demary – mit dem Kopf in einem roten, gemalten Kreis. Beide gehörten zum Düsseldorfer Malkasten, hatten Erfolg – und starben zu früh. Claudia van Kooelwijk 2023 mit Anfang 60, Stefan Demary erlag schon 2010 mit Anfang 50 einer Krebserkrankung. Der Verein gedenkt der unvergessenen Mitglieder jetzt in der Ausstellung „reMember“.

Kunsthalle mit Aussicht: Das Malkastenforum bei der Vernissage zu „reMember“. Der kleine Grill am Fenster ist ein Kunstwerk von Stefan Demary. Foto: bikö
Keine Sorge: Man wird nicht traurig. Der Witz und die Power der Lebenswerke sind ungebrochen. Tatsächlich macht sie richtig Spaß, die neue Schau im schönen Malkastenforum. Der Gartengrill am Fenster, auf dem statt Würstchen die Holzkohle selbst liegt, ist eins der frechen Werke von Stefan Demary – genau wie das chromglänzende „Gamma“-Herrenrad, das nicht bewegt werden kann, weil der Künstler es mit 15 Schlössern sicherte. Das Nützliche und Alltägliche maliziös zu verändern, war sein Talent.

Dieses Rad wurde kunstvoll abgebremst: Stefan Demary blockierte das Modell „Gamma“ schon 1990 mit 15 Schlössern. Foto: bikö
Gorilla und Zwerge
Ein Ikea-Regal machte er mit 70 Einlegeböden zur Skulptur ohne jeden praktischen Wert. Einen Kuschelgorilla setzte er in einen viel zu kleinen Käfig, gemein. Daneben feixen Baumarkt-Gartenzwerge mit rot lackierten Mützen. Und auf eine Magazinseite mit dem Foto des 1982 neu gewählten Kanzlers Helmut Kohl platzierte Demary umgekehrt eine kantige Herrenbrille, wie sie Kohl trug, als würde er sich selbst betrachten. Zum Piepen.

Da feixen die Gartenzwerge: Installation aus dem Frühwerk von Stefan Demary (1983). Foto: bikö
Gegenüber an der Wand sieht man, womit Claudia van Koolwijk ihre Sammler betörte: wunderschöne Stillleben, Blumen und Früchte vor dunklem Hintergrund wie auf barocken Gemälden. Aber der Schalk saß auch ihr im Nacken, sieht man auf Zerrspiegel-Fotografien (1993), an einem „Fotokleid“ aus unzähligen, mit kleinen Bildern bedruckten Stoffstücken (2008) und an einem späten Selbstporträt („Maske“, 2020) mit ziemlich gruseliger Schminke, aber einem kleinen Grinsen.

Unter vielen Fotografien gehört auch ein „Fotokleid“ (2008) zum künstlerischen Nachlass von Claudia van Koolwijk. Foto: bikö
Blick zurück
Die Arbeiten stammen aus Familienbesitz, Stefan Demarys Objekte werden vom Künstler:innenarchiv der Stiftung Kunstfonds gelagert, gepflegt und ausgeliehen. In beiden Fällen hat der Malkasten den Nachlass nicht selbst verwaltet. Bei einer dritten, historischen Position ist das anders. Die Skizzen und Druckgrafiken von Adolph Schroedter (1805-1875), einem Meister der Düsseldorfer Malerschule, Illustrator und frühem Malkasten-Mitglied, wurden dem Verein 2015 geschenkt und seither im Archiv aufbewahrt. Im hinteren, wegen der Empfindlichkeit des Papiers abgedunkelten Raum, können ausgewählte Blätter genau betrachtet werden.

Scherz mit dem Altkanzler, der damals frisch gewählt war: „Helmut Kohl mit Brille“ von Stefan Demary, 1982. Foto: bikö
Auch Schroedter, Experte für Ornamentik, beliebte zu scherzen und ließ die „Vision einer Punschbowle in neogotischer Architekturkulisse“ schweben. Etliche Studien mit turbulenten Szenen befassen sich allerdings mit einem Thema, für das er sicher gut bezahlt wurde: Die Abenteuer des Don Quijote bei seinem Kampf gegen Windmühlen. Eine Radierung über „Don Quijote unter den Hirten“ erscheint lustigerweise als Bild auf der Staffel in einem Atelierporträt, von dem Henry Ritter 1845 eine Lithografie anfertigte. Schroedter hockt da auf einem biedermeierlichen Sessel, die Füße auf einem Hocker, ein Zeichenbrett auf dem Schoss und arbeitet konzentriert, ein Pfeifchen zwischen den Lippen. Als wäre es gestern gewesen …

Verweis auf länger vergangene Zeiten: Christoph Westermeier, Vorsitzender des Düsseldorfer Künstlervereins Malkasten, mit Blättern aus dem Nachlass von Adolph Schroedter (1805-1875). Foto: bikö
Was, wann und wo?
„reMember. Claudia van Koolwijk, Stefan Demary und Adolph Schroedter“. Bis 8. September im Malkastenforum, Jacobistr. 6a. Geöffnet Di. 17 bis 21 Uhr, Do.-So. 11 bis 17 Uhr. www.malkasten.org