Düsseldorfer Grüne wählen ihre Kandidierenden für die NRW-Wahl 2027

Im Saal „Helmut Kohl“ im Konferenzcenter an der Kanzlerstraße in Rath kamen am Mittwochabend (29.4.) unerwartet viele Mitglieder der Grünen, um ihre Kandidierenden für die Landtagswahl im April 2027 zu wählen. Rund 1800 Mitglieder haben die Düsseldorfer Grünen und etwa 200 von ihnen erwarteten gespannt die Bewerbungsreden. Es wurde spannend, denn für zwei Wahlkreise gab es Kampfkandidaturen.

Der Saal war voll besetzt
Düsseldorf ist für die Landtagswahl in vier Wahlkreise aufgeteilt. Das sind:
- 41 Düsseldorf I, der Norden mit den Stadtteilen Altstadt, Carlstadt, Stadtmitte, Pempelfort, Derendorf, Golzheim, Stockum, Lohausen, Kaiserswerth, Wittlaer, Kalkum, Angermund, Lichtenbroich, Unterrath, und Mörsenbroich.
- 42 Düsseldorf II, der Osten mit den Stadtteilen Flingern-Nord, Flingern-Süd, Düsseltal, Rath, Gerresheim, Grafenberg, Ludenberg, Hubbelrath, Knittkuhl, Eller und Lierenfeld
- 43 Düsseldorf III, der Westen mit den Stadtteilen Oberbilk, Unterbilk, Bilk, Friedrichstadt, Hafen, Hamm, Flehe, Volmerswerth, Oberkassel, Heerdt, Lörick und Niederkassel
- 44 Düsseldorf IV, der Süden mit den Stadtteilen Vennhausen, Unterbach, Wersten, Holthausen, Reisholz, Benrath, Urdenbach, Hassels, Itter, Himmelgeist, Garath und Hellerhof.
Bei der Landtagswahl im Mai 2022 hatte die CDU alle vier Wahlkreise gewonnen, aber im Norden und im Osten erzielten damals Mona Neubaur (WK 41) und Stefan Engstfeld (WK 43) immerhin starke zweite Plätze. Bei stellten sich in diesen Wahlkreisen erneut zur Wahl.
Mona Neubaur

Da Mona Neubaur keinen Gegenkandidaten hatte, war einzig das Ergebnis spannend, dass die Mitglieder nach ihrer engagierten Rede per elektronischen Abstimmgeräten übermittelten. 81,62 Prozent der Anwesenden (151 Stimmen) sprachen sich für sie aus. „Ich freue mich sehr über das Vertrauen und die Nominierung als Direktkandidatin für den Wahlbezirk Düsseldorf I. Unsere Stadt steht für Vielfalt, wirtschaftliche Stärke und hohe Lebensqualität – aber auch vor großen Herausforderungen: bezahlbares Wohnen, gute Bildung, klimafreundliche Mobilität und eine starke lokale Wirtschaft. Ich trete an, um genau diese Themen zusammenzubringen – pragmatisch, lösungsorientiert und mit klarem Kompass für soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz. Politik muss den Alltag der Menschen konkret besser machen. Dafür will ich Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort anpacken,“ betonte Neubaur nach ihrer Wahl.
Jens Frantzen

Spannend wurde es im Ost-Wahlkreis 42, denn hier stellten sich Jens Frantzen und Jürgen Waibel zur Wahl. Frantzen überzeugte durch seine Rede, bei der er verdeutlichte, im Landtag die Themen Klima, Grünflächen und Biodiversität nach vorne bringen zu wollen. Auch seine Ansage, dass es in der Politik keine einfachen Lösungen gebe, sondern man den Bürger*innen die beste Option einfach erklären müsse, hinterließ offenbar einen sehr positiven Eindruck. Denn bei der Abstimmung sprachen sich 87,63 Prozent der Abstimmenden (163) für ihn aus und nur 9,69 Prozent für Jürgen Waibel. „Ich freue mich sehr über das großartige Ergebnis, das ich als Bestätigung sehe: Themen wie bezahlbares Wohnen und lebenswerte, klimaresiliente Städte sind uns GRÜNEN wichtig. Nicht nur in meiner Heimat Flingern, sondern auch von Rath bis Gerresheim und Eller möchte ich nun auch mit den Düsseldorfer*innen darüber sprechen. Und über alles, was sie sonst bewegt. Politik heißt Zuhören. Ich bin gespannt,“ erklärte Frantzen.
Samy Charchira

Stefan Engstfeld ist mit kurzer Unterbrechung seit 2010 für die Grünen Mitglied des Landtags und wollte dies auch 2027 fortsetzen. Doch Samy Charchira kandidierte ebenfalls für den Wahlkreis im Westen und überzeugte die Abstimmenden mit seiner Rede, in der er auf seine Erfahrungen und Kontakte im Migrationsbereich verwies. Mit 63,19 Prozent (115 Stimmen) entschieden sich die Grünen erstaunlich deutlich für ihn. Auf Engstfeld entfielen 33,52 Prozent (61 Stimmen). Engstfeld zog die Konsequenzen und kandidierte auch nicht mehr für einen Listenplatz. „Ich freue mich sehr über das großartige Wahlergebnis und starke Votum. Ich verstehe dies als klaren Auftrag, weiterhin für zentrale Themen in unserem Land zu streiten: Für eine Demokratie, die sich wehrt, für mehr Vielfalt und eine Integration, die gelingt. Wir sind bereit für den Landtagswahlkampf in Düsseldorf-West. Düsseldorferinnen und Düsseldorfer mit Migrationsgeschichte sind ein selbstverständlicher Teil unserer Stadt – als Nachbarinnen, Kollegen, Freundinnen und Mitgestalter unseres Zusammenlebens. Sie stehen gemeinsam mit vielen anderen für Zusammenhalt und für eine starke Demokratie. Ich möchte Menschen in unserer Stadt ansprechen, beteiligen und ihre Stimmen hörbar machen – denn unsere Demokratie lebt davon, dass sich viele einbringen,“ so Samy Charchira.
Martha Schuldzinski

Martha Schuldzinski will für die Grünen den Süd-Wahlkreis gewinnen und erreichte mit 94,38 Prozent (168 Stimmen) die höchste Zustimmung des Abends. „Ich freue mich sehr über das Vertrauen und bin dankbar für das starke Votum – gerade in meiner Heimat im Düsseldorfer Süden. Für mich ist das Rückenwind für den Einsatz für einen gerechten Rechtsstaat, eine starke Demokratie und ein konsequentes Vorgehen gegen Gewalt gegen Frauen. Ich bin bereit und freue mich auf einen gemeinsamen starken Wahlkampf für Düsseldorf und besonders den Süden!“, bedankte sie sich für das Votum.

Über Formalia konnte offen abgestimmt werden
Die Mitgliederversammlung hat außerdem ihr Votum für den Bezirksrat Niederrhein-Wupper abgegeben, das bei der Wahl über die Vergabe der Listenplätze entscheidet. Mona Neubaur, Samy Charchira, Martha Schuldzinski und Jürgen Waibel haben in diesen Reihenfolge Voten erhalten.

Die Grünen nutzen für die Abstimmungen ein elektronisches Abstimm-Tool, die Wahl der vier Kandidierenden musste aber zusätzlich noch schriftlich bestätigt werden
Patricia Guilleaume und Maximilian Fries, Sprecher*innen des Kreisverbandes Düsseldorf, erklärten: „Wir gehen als Grüne in Düsseldorf mit einem starken, vielfältigen Team und hochmotivierten Kandidat*innen in den Wahlkampf zur kommenden Landtagswahl. Unser Anspruch ist klar: Wir wollen auch weiterhin mit starken Stimmen für Düsseldorf im Landtag vertreten sein und dort entschlossen Grüne Antworten auf die zentralen Herausforderungen Nordrhein-Westfalens geben – von konsequentem Klimaschutz über soziale Gerechtigkeit bis hin zu einer modernen, nachhaltigen Wirtschaftspolitik.“