Pflege und Beruf: Wie Arbeitgeber pflegende Angehörige entlasten können (Praxis-Tipps und Anlaufstellen)

Wenn ein Elternteil stürzt, der Partner nach einer OP plötzlich Hilfe braucht oder eine Demenzdiagnose den Alltag auf den Kopf stellt, geraten viele Berufstätige in ein Dilemma. Termine koordinieren, Pflege organisieren, vielleicht nachts aufstehen, morgens wieder ins Büro. In Unternehmen wird das Thema oft erst sichtbar, wenn Mitarbeitende ausfallen oder die Leistungsfähigkeit spürbar sinkt.
Dabei ist die Ausgangslage klar: Pflege betrifft längst nicht nur Rentnerhaushalte, sondern mitten im Arbeitsleben. Umso wichtiger ist die Frage, wie Arbeitgeber in Düsseldorf unterstützen können. Und welche Wege es gibt, wenn zu Hause kurzfristig oder dauerhaft Hilfe benötigt wird, bis hin zu einer sogenannten 24-Stunden-Pflege – gemeint ist in der Regel eine Betreuungslösung mit viel Präsenz im Haushalt.
Was Beschäftigte rechtlich nutzen können, wenn es akut wird
Viele wissen nicht, dass es im Ernstfall gesetzliche Möglichkeiten gibt, um kurzfristig Luft zu bekommen. Dazu gehört die kurzzeitige Arbeitsverhinderung: Beschäftigte können bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernbleiben, um eine plötzlich auftretende Pflegesituation zu organisieren oder die Versorgung sicherzustellen. Für den Verdienstausfall kann Pflegeunterstützungsgeld beantragt werden.
Für längere Phasen gibt es zwei weitere Instrumente: die Pflegezeit (Freistellung oder Teilfreistellung) und die Familienpflegezeit, bei der die Arbeitszeit für bis zu 24 Monate reduziert werden kann.
Wichtig für die Praxis: Diese Modelle sind planbar, aber sie funktionieren nur, wenn Beschäftigte sich trauen, frühzeitig zu sprechen und wenn Arbeitgeber klar kommunizieren, welche Lösungen möglich sind.
Praxis-Tipps: Was Arbeitgeber konkret tun können
In Gesprächen mit Personalverantwortlichen zeigt sich: Es sind oft die einfachen, verlässlichen Regeln, die am besten helfen.
1. Pflegefreundliche Vereinbarungen anbieten
- flexible Arbeitszeiten oder Gleitzeitfenster
- mobiles Arbeiten, wo möglich
- kurzfristige Stundenreduzierung ohne lange Hürden
- feste Rückkehrgespräche statt stiller Erwartung, dass alles „wie vorher“ läuft
2. Führungskräfte schulen
Viele Konflikte entstehen nicht aus bösem Willen, sondern aus Unsicherheit. Ein kurzer Leitfaden hilft: Welche Fragen sind erlaubt, welche nicht? Welche internen Ansprechpersonen gibt es? Wie werden Vertretungen organisiert, ohne Druck aufzubauen?
3. Lotsenfunktion im Betrieb etablieren
Ein benannter Kontakt in HR oder im Betrieblichen Gesundheitsmanagement kann Beschäftigte gezielt weiterleiten, zum Beispiel zur Pflegeberatung. Das spart Zeit und senkt die Hemmschwelle.
4. Realistische Entlastung ermöglichen
Pflege ist nicht immer planbar. Arbeitgeber können helfen, indem sie Notfalllösungen akzeptieren: kurzfristige Urlaubstage, Zeitausgleich, Schichttausch, Übergangsregelungen. Das reduziert krankheitsbedingte Ausfälle oft effektiver als strenge Präsenzpflicht.
Wenn zu Hause Unterstützung gebraucht wird: Von Beratung bis 24-Stunden-Betreuung
Spätestens wenn die Versorgung nicht mehr mit „ein bisschen Hilfe“ funktioniert, stellt sich die Frage nach professioneller Unterstützung. Hier lohnt sich zuerst Beratung, damit klar wird, was wirklich nötig ist.
In Düsseldorf ist das Pflegebüro der Stadt eine wichtige Anlaufstelle. Dort wird neutral zu Pflege und Hilfe im Alltag beraten, auch zu Themen wie Familienpflegezeit.
Für viele Familien wird außerdem eine digitale Orientierung wichtig, gerade wenn schnell Telefonnummern, Anlaufstellen oder Hinweise gebraucht werden. Die App „Gut versorgt in Düsseldorf“ bündelt Informationen rund um Gesundheit, Pflege und Beratung und kann im Alltag Zeit sparen.
Und was ist mit „24 Stunden Pflege“? In der Praxis ist damit meist eine Live-in-Betreuung gemeint: Eine Betreuungskraft lebt im Haushalt und unterstützt im Alltag, etwa beim Kochen, bei Struktur im Tagesablauf oder als Begleitung. Wichtig ist die ehrliche Grenze: „Rund um die Uhr“ bedeutet nicht, dass eine Person 24 Stunden arbeitet. Pausen und freie Zeiten müssen gewährleistet sein. Für medizinische Behandlungspflege bleibt oft ein ambulanter Dienst nötig.
Fazit: Entlastung ist kein Extra, sondern ein Standortfaktor
Pflegende Angehörige sind in vielen Teams keine Ausnahme mehr. Arbeitgeber, die flexible Lösungen anbieten, profitieren doppelt: Mitarbeitende bleiben handlungsfähig und die Bindung ans Unternehmen steigt. Für Betroffene gilt: früh sprechen, Beratung nutzen, Leistungen kennen. So wird aus der akuten Krise eine planbare Situation, auch wenn die Pflege zu Hause länger dauert.