Düsseldorf Garath: Projekt für intelligente Nutzung von Regenwasser gestartet

Der Bereich an der Wilhelm-Kreis-Straße in Garath sieht nach Großbaustelle aus und das wird sie auch noch bis ins nächste Jahr. Passanten können sich über Plakate informieren, was dort geschieht. Denn Bagger schachten aus und es werden relativ schmale grüne Rohre verlegt – für Kanalbau zu schmal, für Glasfaser zu groß – was passiert dort?

Mit dem Bagger wird ausgeschachtet, damit die Rohre verlegt werden können, Foto: Stadt Düsseldorf, Claus Langer
Der Stadtentwässerungsbetrieb Düsseldorf (SEBD) hat dort in Zusammenarbeit mit dem Amt für Verkehrsmanagement und dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt ein Projekt zur Sammlung, Gewinnung und Nutzung von Niederschlagswasser gestartet. Ziel ist es, Regenwasser künftig intelligenter zu nutzen und gleichzeitig Erfahrungen darüber zu gewinnen, wie die Folgen von Starkregenereignissen lokal beeinflusst werden können. Dafür entsteht auf dem städtischen Grundstück an der Wilhelm-Kreis-Straße ein unterirdisches Speichersystem mit einem Fassungsvermögen von rund 140 Kubikmetern. Das gesammelte Niederschlagswasser wird anschließend für die Bewässerung von Grünflächen genutzt.
Teil des Projektes ist die Nutzung von Regenradardaten verschiedener Stationen, um Niederschlagsereignisse möglichst frühzeitig und so genau wie möglich zu erkennen und damit die Bewirtschaftung der Anlage zu steuern. Wird ein Starkregenereignis für den Standort Wilhelm-Kreis-Straße vorhergesagt, entleert die Steuerungstechnik automatisch die Speicherbecken und schafft damit das größtmögliche Speichervolumen für die erwarteten Regenmengen. Erst wenn eine Starkregengefahr vorbei ist, werden die entsprechenden Kanalschieber wieder geschlossen und das Regenwasser gespeichert.

Der Sammler für die Gewinnung und Nutzung von Niederschlagswasser, Foto: Stadt Düsseldorf, Claus Langer
Solange keine Starkregen vorhergesagt werden, wird das Speichervolumen wie eine normale Zisterne benutzt. Das anfallende Regenwasser wird gesammelt und bei Bedarf an die Pflanzen abgegeben. Neben der automatisierten Bewässerung einer Musterpflanzfläche besteht zudem die Möglichkeit, dass Tankfahrzeuge das gesammelte Wasser aufnehmen und damit weitere Grünanlagen bewässern.
“Mit diesem Pilotprojekt verbinden wir Klimaanpassung, Ressourcenschutz und moderne Digitalisierung auf innovative Weise”, sagt Stadtkämmerin Dorothée Schneider. “Regenwasser soll nicht länger als Abwasser betrachtet werden, sondern als wertvolle Ressource, die wir speichern und gezielt nutzen können. Gleichzeitig müssen wir weiterhin den Schutz vor Starkregen stärken und unsere Infrastruktur entlasten. Damit schaffen wir einen echten Mehrwert für die Menschen in Düsseldorf.”

(v.l.) Frank Heuner (technischer Betriebsleiter Stadtentwässerungsbetrieb), Projektleiter Hans-Josef Kanne und Abteilungsleiter Sven Pack stellten die Baustelle an der Wilhelm-Kreis-Straße in Garath vor, Foto: Stadt Düsseldorf, Claus Langer
Das Förderprojekt wird wissenschaftlich begleitet. Dabei werden die Auswirkungen auf die Qualität des Niederschlagswassers, die Verfügbarkeit von Regenwasser zur Nutzung und die Zuverlässigkeit der Regenradardaten im Vergleich zum Anfall im Gebiet durch eine Hochschule untersucht. Die Europäische Union und das Land NRW fördern das Projekt mit 80 Prozent, so dass die Stadt Düsseldorf dafür 480.000 Euro erhält.