Düsseldorf: Menschenpreis und Solidaritätspreis der Tonhalle verliehen

Seit zehn Jahren vergibt Dirigent Adam Fischer alljährlich den Menschenrechtspreis der Tonhalle an eine Person oder Organisation, die sich in besonderem Maße für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte einsetzt. Beim Menschenrechtskonzert Düsseldorfer Symphonikern wurden am Sonntag (29.3.) in der Tonhalle der Menschenrechtspreis der Tonhalle Düsseldorf 2026 an die sudanesische Frauenrechtlerin Salwa Elsadik und ein Solidaritätspreis an den Jacques Tilly verliehen.
Der Mendelssohn-Saal der Tonhalle war voll besetzt, als Adam Fischer ausführte, warum die Wahl auf Salwa Elsadik gefallen war. „Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die fürchterliche Eskalation im Nahen Osten dominieren die Schlagzeilen. Vom Sudan spricht niemand,“ erklärte er. Denn bereits seit drei Jahren herrscht im Sudan ein Bürgerkrieg, den die Vereinten Nationen als die derzeit größte humanitäre Katastrophe weltweit bezeichnen. Die Preisträgerin Salwa Elsadik gründete die „Women Advocacy and Development Initiative“(WADI), die sich für Frauen und Mädchen im Sudan einsetzt und an vorderster Front humanitäre Hilfe leistet. Trotz Gewalt und politischer Instabilität kämpft Elsadik unermüdlich für Frieden, Gleichberechtigung und Menschenrechte.

Salwa Elsadik hielt ihr eindrucksvolle Rede auf englisch, Foto: Diesner/Tonhalle Düsseldorf
Die Preisträgerin bat um Solidarität für die Frauen im Sudan: „Frauen zu unterstützen ist keine Wohltätigkeit. Es ist eine Investition in den Frieden. Wenn Frauen unterstützt werden, erholen sich Familien. Gemeinschaften stabilisieren sich. Und Gesellschaften kommen Gerechtigkeit und dauerhaftem Frieden näher“ (Übersetzung aus der in Englisch gehaltenen Rede).
Ein Solidaritätspreis ging an Jacques Tilly. Adam Fischer betonte: „Putin greift mit seiner Anklage gegen Tilly uns alle an und unsere demokratische Kultur. Nicht nur Jacques Tilly als Person wird bedroht, es ist ein Angriff auf fundamentale Menschenrechte wie die Meinungsfreiheit und die Kunstfreiheit«, so Adam Fischer. Im Dezember 2025 wurde Jacques Tilly in Moskau wegen „Verunglimpfung der russischen Staatsorgane und Verbreitung von Falschinformationen über die Armee“ angeklagt. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm eine Geldstrafe oder sogar bis zu zehn Jahre Haft. Jacques Tilly bedankte sich für die zahlreichen Solidaritätsbekundungen, die er in den vergangenen Wochen aus allen Teilen der Gesellschaft, aus dem Brauchtum, aus der Politik und aus den Medien erhalten habe. Außerdem bedankte er sich „bei Präsident Putin, seiner Entourage, seinem Regime und natürlich Putins willfährigen Helfern in der russischen Unrechtsjustiz. Denn jeder kann nun deutlich sehen, dass das russische Regime tatsächlich Angst vor närrischen Pappfiguren hat.“
Das Preisgeld für den Menschenrechtspreis in Höhe von 10.000 Euro wird vom Freundeskreis der Tonhalle aus zweckgebundenen Spenden etwa der Stadtsparkasse Düsseldorf gestiftet. Bisherige Preisträger waren unter anderem der türkische Kulturförderer und Menschenrechtsaktivist Osman Kavala (2022), der russische Menschenrechtler Sergej Lukaschewski (2024) und die palästinensisch-jüdischen Aktivisten Joanna Hassoun und Shai Hoffmann, die sich für Verständigung im Nahostkonflikt einsetzen (2025).