Düsseldorf: Friedrichstadt wird zum Zukunftsviertel

Die Stadt Düsseldorf will im Jahr 2035 klimaneutral sein. Dafür muss noch jede Menge CO2 eingespart werden. Also werden allmählich die größten „Kohlendioxid-Schleudern“ ins Visier genommen. Dazu gehören auch die Bauten. „Der Gebäudesektor verbraucht in Deutschland 35 Prozent des Primärenergiebedarfs und ist für 30 Prozent des CO2-Ausstoß verantwortlich“, erläuterte der Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks 3 (Oberbilk, Unterbilk, Bilk, Friedrichstadt, Hafen, Hamm, Flehe, Volmerswerth) Dr. Thorsten Graeßner. „Düsseldorf baut beispielsweise bei Schul- oder Kita-Neubauten klimaneutral. Aber im Altbestand ist noch viel möglich.“ Gerade da, wo viele alte Häuser auf engem Raum stehen, wären energetische Sanierungen besonders wichtig. „Die Auswirkungen des Klimawandels sind in dicht bebauten Stadtteilen wie Friedrichstadt bereits heute deutlich spürbar. Um das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 zu erreichen, ist eine konsequente Weiterentwicklung bestehender Quartiere sowie eine gezielte Anpassung des Gebäudebestands erforderlich. Nur so kann die Lebensqualität dauerhaft gesichert werden”, betont Cornelia Zuschke, Beigeordnete für Planen, Bauen, Wohnen und Grundstückswesen.
Deshalb nimmt die Stadt Friedrichstadt als „Zukunftsviertel“ und Pilotquartier in den Blick. Der Stadtteil Friedrichstadt ist das in Düsseldorf am dichtesten besiedelte Gebiet. „Zusammen mit Stadtvierteln in München und Frankfurt liegt der Düsseldorfer Stadtteil bundesweit unter den ersten dreien, was Bevölkerungsdichte angeht“, erläuterte der ehemalige Bezirksbürgermeister Dietmar Wolf. Zum Ende des Jahres 2020 lebten auf wenig mehr als einem Quadratkilometer 19.540 Menschen (Quelle: Amt für Statistik und Wahlen Düsseldorf). Werte, die global gesehen lediglich chinesische Großstädte und Monaco erreichten, wie Graeßner findet.

Marko Siegesmund und Dr. Julia Neuhaus
2. stv. Bezirksbürgermeisterin der BV3
Als Pilotquartier wurde jetzt ein Gebiet identifiziert, in dem 16.000 Menschen zumeist in alten ungedämmten Häusern wohnen, die größtenteils mit fossilen Brennstoffen beheizt werden. Zudem ist das „Zukunftsquartier“ aktuell noch verkehrlich hoch belastet und es fehlt wegen der dichtgedrängten Bebauung an Grünflächen.
Das alles ist der Stadt bewusst. Deshalb will sie genau dort, wo es am dringendsten nötig ist, gegensteuern und lud am Mittwoch (18.3.) zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung in die Regenbogenschule an der Kirchfeldstraße ein. Fachleute der Stadtverwaltung, der Stadtwerke, der Verbraucherzentrale sowie lokale Initiativen informierten an verschiedenen Themenstationen über Ziele, Projekte und Beteiligungsmöglichkeiten. Besucher*innen konnten sich beraten lassen und eigene Ideen sowie Hinweise zur zukünftigen Entwicklung des Quartiers einbringen.

Die meinung der Bürger*innen war gefragt und wurde durch Klebepunkte ausgedrückt
Ziel war es, gemeinsam Perspektiven für eine energieeffiziente, klimafreundliche und lebenswerte Quartiersentwicklung zu erarbeiten. „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Bedarfsanalyse für das Zukunftsviertel. Wir nehmen die städtebauliche Situation auf, schauen uns den aktuellen Stand der Energieversorgung und den Gebäudezustand an“, erklärt Stadtplanungsamts-Mitarbeiterin Montana Schulze. „Mit diesen Erkenntnissen und den den Anregungen der Informationsveranstaltung werden wir mit den Aktiven und den Gebäudeinhabern ein energetische Quartierskonzept erarbeiten.“ Das soll bis Anfang 2027 fertig sein. Die ersten Ergebnisse sollen bereits am 13. Juni auf dem Friedrichstraßenfest präsentiert werden. Dabei wird es unter anderem um Dach- und Fassadenbegrünung, Wärmepumpen, Fernwärmeanschluss, Reduzierung des Parkplatzsuchverkehrs, Ladestationen für E-Fahrzeuge an Laternen und vieles mehr gehen.

Auch der ehemalige Bezirksbürgermeister Dietmar Wolf stimmte mit ab
Die Stadt kann im öffentlichen Raum und an den eigenen Gebäuden viel tun, aber die erfolgreiche Umsetzung des Quartierskonzeptes und damit der Schritt zur kommunalen Klimaneutralität funktioniert nur, wenn die Hausbesitzer mitziehen. Allerdings kann so eine energetische Komplettsanierung schnell hunderttausende Euro kosten. „Um die Gebäudeinhaber zu erreichen, braucht man einen Benefit. Es müssen Fördertöpfe aufgelegt werden, bei denen man sich ausrechnen kann, dass sich der eigene Anteil der Sanierungskosten nach spätestens zehn Jahren rechnet“, meint Wolf. „Aber jeder kann etwas tun. Man kann den Balkon, vielleicht die Baumscheiben an den Straßenrändern bepflanzen und Blumenkübel aufstellen. Jedes bisschen Grün hilft, die Auswirkungen des Klimawandels in der Friedrichstadt zu begrenzen.“ Wolf weist allerdings darauf hin, dass alles, was Privatleute im öffentlichen Raum tun, mit der städtischen Verwaltung abgestimmt werden muss.
Er sieht den Zeitdruck, ist aber froh, dass das Pilotprojekt „Zukunftsviertel Friedrichstadt“ endlich gestartet wurde. Auch Graeßner weiß, dass noch viel Arbeit erledigt werden muss. Aber er ist optimistisch. „Wenn wir es in der Friedrichstadt schaffen, dann schaffen wir es überall“, ist sich der Bezirksbürgermeister sicher.
Weitere Informationen der Stadt gibt es hier.