Düsseldorf: AWO-Messe “Hallo Chef*in“ mit vielen Chancen und Ehrungen

Das Berufsbildungszentrum (BBZ) der AWO am Flinger Broich muss sich neu aufstellen, denn für die integrative Ausbildung von jungen Menschen, die aufgrund von fehlendem Schulabschluss, von psychischen oder körperlichen Handicaps oder durch familiäre oder aktuelle Probleme noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, wurden die Mittel gestrichen. So konnten am Donnerstag (12.3.) zum vorerst letzten Mal die Jahrgangsbesten geehrt werden. Dies geschah im Rahmen der Messe “Hallo Chef*in“, die das Ziel verfolgt, junge Menschen und Betriebe möglichst passgenau zusammenzubringen. Außerdem wurde bei dieser Gelegenheit zum siebten Mal das Ausbildungsherz verliehen.

“Hallo Chef*in” heißt die Messe, bei der die AWO in ihrem Berufsbildungszentrum junge Menschen und Firmen zusammenbringt
Im BBZ wurden junge Menschen in den Berufsfeldern Holz, Metall, Floristik, Friseur, Hauswirtschaft und Gastronomie, Wirtschaft und Verwaltung sowie Gesundheit und Soziales qualifiziert. Durch gezielte Förderung und Betreuung wurden sie an den Ausbildung- und Arbeitsmarkt herangeführt. Da die finanzieller Unterstützung für das BBZ in diesem integrativen Bereich ausgelaufen ist, haben mittlerweile die letzten Teilnehmer*innen ihre Abschlussprüfungen bestanden. Dass dies zum Teil mit Bestnoten geschah, wurde im Rahmen der Messe „Hallo Chef*in“ gewürdigt.
Gelungene Ausbildungsabschlüsse

Mit Bestnote schloss Michelle Hennen die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement ab und freut sich, jetzt im Bauamt der Stadt Düsseldorf arbeiten zu können
Bürgermeister Josef Hinkel, Dr. Jürgen Holtkamp von der IHK und Nadja Hübinger, Geschäftsführerin des BBZ, freuten sich über den Erfolg von Michelle Hennen, Anissa Mallali und Marius Müller. Die 29-jährige Michelle Hennen berichtete von ihrem schwierigen Start nach ihrem Hauptschulabschluss. Aufgrund einer Angststörung hätte sie nie damit gerechnet, einmal erfolgreich ihren Abschluss als Bürokauffrau zu bestehen und das auch noch mit „sehr gut“. Sie bedankte sich für die Begleitung des BBZ und blickt nun auf eine berufliche Zukunft im Bauamt der Stadt Düsseldorf.

Marius Müller hat erfolgreich seine Ausbildung zur Fachkraft für Metalltechnik, Fachrichtung Montagetechnik, bestanden
Als Jahrgangsbester wurde auch Marius Müller geehrt. Sein Ausbilder Siggi Ploch hatte es nicht immer einfach mit ihm, freut sich aber umso mehr über seine erfolgreich Prüfung zur Fachkraft für Metalltechnik, Fachrichtung Montagetechnik, und sieht durchaus Potential für künftige Führungsaufgaben.
Auch Anissa Mallali beendete ihre Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement mit „sehr gut“. Da ihr Kinder krank geworden ist, konnte sie die Ehrung leider am Donnerstag nicht persönlich entgegen nehmen.
Messe im BBZ

Zahlreiche Unternehmen freuten sich über das Interesse der Praktikanten und Azubis in Spe
Auf der jährlichen Azubi-Messe „Hallo Chef*in“ werden im AWO Berufsbildungszentrum am Flinger Broich Unternehmen und Ausbildungsinteressierte in direkten Kontakt gebracht. Am Donnerstag standen Vertreter*innen der WfaA, von Edeka Kels, Lichtechnik Hessling, W+W Aufzugskomponenten, Neuroärzte, AWO, Böhlert GmbH, DHL, Schminke 3D Druck und Stadt Düsseldorf bereit, um mit den Interessierten über mögliche Praktika oder Ausbildungsmöglichkeiten zu sprechen. Besonders Praktika bieten beiden Seiten die Gelegenheit sich und die Aufgaben kennenzulernen.
Ausbildungsherz 2026
Wie wichtig das besonders für Menschen mit Angststörung oder Handicap ist, weiß auch die Betreiberin des Gutshof Niederheid Christina Tschorn. Im Rahmen des vom BBZ initiierten Projekts „Step by Step“ konnten psychisch beeinträchtigte Jugendliche in besonderer Weise ihr Selbstbewusstsein entwickeln und somit wertvolle Fähigkeiten für ihren späteren Berufseinstieg erwerben. Das Projekt wird im Auftrag des Jugendamtes und der Agentur für Arbeit durchgeführt und in Kooperation mit Haupt- und Förderschulen umgesetzt. Ziel ist es, Jugendlichen mit schwierigen Startbedingungen frühzeitige berufliche Orientierung zu bieten. Für ihr Engagement und ihre Bereitschaft auch diesen Jugendlichen eine Chance zu bieten, wurde Christina Tschorn mit dem „AWO-Ausbildungsherz 2026“ ausgezeichnet.

Die Betreiberinnen des Gutshofs Niederheid erhalten das Ausbildungsherz 2026
„Die Jury hat sich in diesem Jahr einstimmig für den Gutshof Niederheid entschieden, der mit einem äußerst empathischen Ansatz psychisch beeinträchtigten Jugendlichen die Chance auf einen Einstieg ins Berufsleben ermöglicht“, lobte Nadja Hübinger das Engagement des ausgezeichneten Betriebs. „Der Gutshof Niederheid nimmt seit Jahren Praktikant*innen auf, die kaum eine berufliche Chance erhalten würden. Es werden die Stärken, nicht die Defizite der Teilnehmer*innen gefördert und die jungen Menschen – ungeachtet ihrer unterschiedlich ausgeprägten psychischen Beeinträchtigungen – in besonderer Weise bestärkt und ermutigt. Durch diese Leistung hat sich der Betrieb das Ausbildungsherz 2026 redlich verdient“, so die BBZ-Geschäftsführerin.
„In der Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungszentrum konnten wir jungen Menschen beispielsweise mit Angsterkrankungen neue Wege eröffnen. Es ist wichtig, junge Menschen ernst zu nehmen und gerade denjenigen eine Chance zu geben, die es im Leben aus verschiedenen Gründen nicht leicht haben. Alle Menschen sollten die Möglichkeit bekommen, sich beruflich zu entwickeln und zu beweisen. Die Auszeichnung, die ich jetzt von der AWO erhalte, empfinde ich als große Wertschätzung meines Engagements“, freute sich Christina Tschorn bei der Verleihung.

(v.l.) Dr. Jürgen Holtkamp (Bereichsleiter Ausbildungsberatung, -stellenvermittlung und Projekte, IHK Düsseldorf), Nadja Hübinger (Geschäftsführerin BBZ), Simone Pengel und Christina Tschorn (Gutshof Niederheid), Marion Warden (Vorsitzende des Vorstands, AWO Düsseldorf) sowie Bürgermeister Josef Hinkel.
Bisherige Preisträger*innen des AWO-Ausbildungsherzes sind die Unternehmen Raumkonzept Grunwald, NH-Hotel City-Nord, D&C Elektrotechnik, A FEW STORE, Francis Breidenstein Holztechnik und mod‘s hair privilège.
Wie geht es weiter mit dem BBZ?
Das BBZ stellt sich neu auf und spezialisiert sich auf Bereiche. Ein Schwerpunkt soll künftig die Qualifizierung und Ausbildung von behinderten Menschen werden. Das Konzept ist fertig, aber die Räumlichkeiten am Flinger Broich müssen noch angepasst werden. Ein weiteres Standbein in das Angebot der außerbetrieblichen Ausbildung in den Werkstätten. Betriebe können Ausbildungsinhalte mit passgenauen Lösungen im BBZ buchen. Auch Prüfungsvorbereitung ist möglich. Mit ihrem sozialpädagischen Personal bietet das BBZ außerdem Firmen Unterstützung und Begleitung an, wenn Mitarbeitende oder Auszubildende besonderen Förderbedarf haben. Selbstverständlich gibt es auch die Messe „Hallo Chef*in“ weiterhin, um die Chance auf Praktika und Ausbildungsplätze für die jungen Menschen zu erhöhen.