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Home›Düsseldorf›Düsseldorf gedenkt der queeren Opfer des Nationalsozialismus

Düsseldorf gedenkt der queeren Opfer des Nationalsozialismus

Von Ute Neubauer
29. Juni 2025
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Über 150 Menschen waren im vergangenen Jahr zum ersten Gedenktag am 28. Juni gekommen

Den 28. Juni hat die Stadt zum Gedenktag für die queeren Düsseldorfer Opfer des Nationalsozialismus festgelegt. Der Tag geht zurück auf die Festnahme von Karl Carduck und seinen Freunden die – wie auch insgesamt rund 400 Personen – ab dem 28. Juni 1937 als vermeintlich homosexuelle Männer. Das „LSBTIQ+ Forum Düsseldorf“ und die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf hatten zum ersten Mal anlässlich des Gedenktages zur Kranzniederlegung am Erinnerungsort “Ein seltsam klassisches Denkmal” auf der Apollo-Wiese eingeladen.

Seit Herbst 2021 gibt es das Denkmal auf der Wiese am Apollo

In Redebeiträgen erinnerten Petra Bosch  und  Mona Neubaur, MRW-Wirtschaftsministerin, an die zunehmenden Maßnahmen gegen Homosexuelle nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Ende Februar 1933 wurde die Bürgerrechtsbewegung Homosexueller und deren Presseorgane verboten sowie bekannten Szene-Lokalen die Schank-Konzessionen entzogen. Düsseldorf tat sich dabei als besonders eifrig hervor, hier erfolgte die Schließung der bekannten Homosexuellen-Lokale sogar schon einige Tage vor dieser Anweisung. Am 28. Juni 1935 wurde die Verschärfung des Paragrafen 175 auf den Weg gebracht, trat im September 1935 in Kraft und kriminalisierte allgemein “homosexuelle Handlungen”. In einigen Fällen reichte für eine Verurteilung sogar ein flüchtiger Blickaustausch oder ein kurzes Gespräch.

Petra Bosch bei ihrer Rede

Der Terror verdichtete sich im Sommer 1937 und am 28. Juni begannen mit der Festnahme von Karl Carduck und seinen Freunden die Massenverhaftungen vermeintlich homosexueller Männer in Düsseldorf.

Kriminalpolizei, Geheime Staatspolizei (Gestapo) und Strafjustiz waren bei der Verfolgung vermeintlicher Homosexueller gleichzeitig tätig. Allein die Gestapo verhaftete in Düsseldorf etwa 400 Männer wegen “homosexueller Handlungen”. Düsseldorf war die Stadt mit den meisten Festnahmen nach Paragraf 175 in ganz Westdeutschland.

Mona Neubaur erwähnte in ihrer Rede auch die Bedeutung der LSBTIQ+ Community in Europa und das wichtige Zeichen des CSD in Budapest, trotz des Verbots der ungarischen Regierung

Mona Neubaur betonte, dass die Rechte der queeren Community zur DNA Europas, Deutschlands und auch Düsseldorf gehöre. Zum CSD am vergangenen Samstag habe die Staatskanzlei bewusst die Regenbogenflagge gehisst. Sie kritisierte die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die nicht nur den Bundestagsmitarbeitenden die Teilnahme am Berliner CSD untersagt habe, sondern auch das Aufziehen der Regenbogenflagge verhinderte. Die Ministerin betonte, dass eine keine Ausgrenzung geben und man nicht schweigen dürfe, wenn Queerfeindlichkeit geschehe. Neubaur bedankte sich bei der Zivilgesellschaft, die die queeren Interessen nicht nur vortrage, sondern auch um Lösungen ringe. Sie seien Taktgeber für eine wache und agile Demokratie und das größtenteils im Ehrenamt.

Kränze wurden zum Gedenken an die queeren opfer niedergelegt

Im Anschluss an die Kranzniederlegung ging es gemeinsam zum Beatrice-Strauss-Zentrum, wo das Theaterkollektiv “DüsselDrama” seine szenische Lesung “Allein im Rosa Winkel” inszenierte. Darin wird thematisiert, dass bis August 1938 durch Überwachung, Razzien und Verhaftungen die queere Subkultur zerstört und die Betroffenen isoliert wurden. Wer diese Menschen waren und wie ihnen zu Sichtbarkeit verholfen werden kann, haben Regisseur Marvin Wittiber, sein Team und sieben junge Erwachsene zwischen 16 und 27 Jahren mit einer theatrale Spurensuche aufgearbeitet. In einem Workshop beschäftigten sie sich mit den Geschichten und Lebensrealitäten der aufgrund ihrer vermeintlichen Homosexualität Verfolgten. Daraus entstand eine szenische Lesung. Eine Produktion von DüsselDrama in Kooperation mit der Mahn- und Gedenkstätte, dem Verein Queere Geschichte(n) Düsseldorf, dem Theatermuseum, dem Amt für Gleichstellung und Antidiskriminierung sowie in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und der Lesben- und Schwulenbibliothek (LuSBD).

StichworteGedenkenLSBTIQ+Queerfeindlichkeit
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