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Home›Düsseldorf›Aktuelles›Düsseldorf: Gedenken an die Opfer der Pogromnacht

Düsseldorf: Gedenken an die Opfer der Pogromnacht

Von Ute Neubauer
8. November 2019
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Die Kranzniederlegung am Gedenkstein für die ehemalige Synagoge an der Kasernenstraße, Foto: Stadt Düsseldorf, Melanie Zanin

Mit einer Kranzniederlegung am Gedenkstein der ehemaligen Düsseldorfer Synagoge an der Kasernenstraße und einer Feier im Plenarsaal des Rathauses gedachten am Freitag (8.11.) die Jüdische Gemeinde, Politiker von Stadt und Land und zahlreiche Bürger den Opfern der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Die zentrale Gedenkstunde wurde eindrucksvoll von SchülerInnen des Georg-Büchner-Gymnasiums und des Friedrich Rückert-Gymnasiums begleitet, die unter Anleitung von Schauspielern des Theaterkollektiv „Pièrre.Vers“ Darstellungen der Polenaktion und des Novemberpogroms erarbeitet hatten.

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Das Gedenken begann am Freitagmorgen am ehemaligen Standort der Düsseldorfer Synagoge an der Ecke Kasernen- und Siegfried-Klein-Straße. Auf Einladung der Jüdischen Gemeinde legten Oberbürgermeister Thomas Geisel, Landtagsvizepräsidentin Carina Gödecke, Dr. Stephan Holthoff-Pförtner, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen, Dr. Oded Horowitz, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, und der Generalkonsul der Republik Polen in Köln, Jakub Wawrzyniak, Kränze nieder, sprachen ein Gebet und hielten eine Schweigeminute ab.

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Schülerinnen und Schüler gestalteten die Gedenkstunde mit, Foto: Astrid Hirsch

Im Plenarssal des Rathauses trafen sich Vertreter der Jüdischen Gemeinde, Kirchen, der Mahn- und Gedenkstätte, Politiker, und zahlreiche BürgerInnen zur einer Gedenkfeier. Neben Worten des Gedenkens und der Mahnung beeindruckten die Schülerinnen und Schüler des Georg-Büchner-Gymnasiums und des Friedrich-Rückert-Gymnasiums mit ihren Darstellungen zur „Polenaktion“ und zu den „Ereignisse des Novemberpogroms“. Gemeinsam mit den Schauspielerinnen Kulia Dillmann und Anna Magdalena Beetz von Theaterkollektiv Pièrre.Vers hatten sie zuvor die Szenen erarbeitet.

"Wir haben die Hoffnung nie aufgegeben, dass der Mensch aus der Geschichte für seine Gegenwart gelernt hat. Doch hier und heute wissen wir: Der Holocaust ist zwar Geschichte, aber die Mechanismen des Hasses, sie funktionieren nach wie vor. Eine verrohte Sprache führt zu Enthemmung, Enthemmung führt zu Gewalt, Gewalt verletzt und tötet Menschen. Vom Rechtspopulismus, von den Geschmacklosigkeiten, von den schmierigen antisemitischen Verschwörungstheorien und vom abgrundtiefen Hass auf alles scheinbar Fremde sind es nur wenige Schritte zum Angriff auf Synagogen, auf friedlich betende Menschen wie an Yom Kippur in Halle. Wir dürfen diese Spirale aus Hass und Gewalt nicht mehr tolerieren, wir alle müssen dem Antisemitismus die Stirn bieten, ganz gleich, wo er uns begegnet," führte Oberbürgermeister Thomas Geisel aus.

Gottesdienst und Installation

Am Freitagabend hatten die Evangelische und katholische Kirche, die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und die Mahn- und Gedenkstätte, zu einem Gedenkgottesdienst in die Johanneskirche am Martin-Luther-Platz eingeladen. Im Bachsaal der Johanneskirche konnten die Besucher zuvor die Aufführung der szenischen Theaterinstallation "Schwarz-helle Nacht" des Theaterkollektivs "Pièrre.Vers" erleben.

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Hildegard Jakobs und Dr. Bastian Fleermann von der Mahn- und Gedenkstätte haben die Ausstellung kuratiert

Sonderausstellung Niemandsland

Noch bis zum 15. März 2020 zeigt die Mahn- und Gedenkstätte die Sonderausstellung "Im Niemandsland", in der an die brutale Abschiebung von mehr als 17.000 jüdischen Menschen an die deutsch-polnische Grenze am 28. Oktober 1938 erinnert wird. Betroffen waren polnische oder polnischstämmige Familien aus dem ganzen Reich, die meistens bereits seit Jahrzehnten in Deutschland lebten und bestens integriert waren. Ein diplomatischen Konflikt zwischen der NS-Regierung und dem polnischen Staat führte dazu, dass die Familien über Nacht aus ihrem Lebensalltag gerissen und ins Grenzland zu Polen deportiert wurden. Viele Einzelschicksale der Deportation der "Ostjuden" bei der "Polenaktion" zeigt die Mahn- und Gedenkstätte sehr eindrucksvoll.

Novemberpogrom 1938

In Düsseldorf wie auch in allen anderen Städten des Rheinlands und Westfalens waren zwischen dem 9. und dem 11. November 1938 extrem gewalttätige Pogrome angezettelt worden, denen zahlreiche Menschen zum Opfer fielen. Unzählige Geschäfte und Privatwohnungen wurden zertrümmert, Synagogen und Bethäuser in Brand gesetzt. Vor allem gab es Misshandlungen und Morde an der deutsch-jüdischen Bevölkerung.

Die Dimension der Pogrome wurde bisher völlig unterschätzt. So hat die Mahn- und Gedenkstätte in dieser Woche das Buch "Die Toten des Pogroms 1938" vorgestellt, das alleine für NRW 131 Opfern belegt, die während und kurz nach den Novemberpogromen gestorben sind.

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